LKR Bamberg
Demenz

Alzheimer: Niemand wird allein gelassen

Die Alzheimer Gesellschaft Bamberg bietet zur Entlastung von Angehörigen die stundenweise Betreuung von Demenzkranken an.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Singen ist ihre größte Freunde. Irmgard Schneider mit ihren Betreuerinnen Astrid Schneider (links) und Gerda Carroll (rechts) Foto: Matthias Hoch
Das Singen ist ihre größte Freunde. Irmgard Schneider mit ihren Betreuerinnen Astrid Schneider (links) und Gerda Carroll (rechts) Foto: Matthias Hoch
+1 Bild
Zwei Mal drei Stunden in der Woche sind nicht viel - und doch ist es genau die Zeit, die Mathilde Martorana bei der Pflege ihrer Mutter Irmgard Schneider zuletzt gefehlt hat. Seit sie Gerda Carroll und Astrid Schneider an ihrer Seite weiß, die sich an zwei Tagen um ihre an Demenz erkrankte 87-jährige Mutter kümmern und ihr die Zeit vertreiben, kann sie während dieser Stunden beruhigt ihrem Mann in der gemeinsamen Pizzeria zur Seite stehen, Besorgungen machen oder das Haus putzen.

Möglich gemacht hat das die Alzheimer Gesellschaft Bamberg, die ihre ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer für solche Fälle ausbildet: wenn Angehörige von Demenzkranken bei der Kräfte zehrenden Pflege für einige Stunden "Auszeit" brauchen.


Lücke in der Betreuungszeit

"Wenn Du alt bist, pflege ich Dich", hatte Mathilde Martorana ihrer Mutter versprochen, als die noch rüstig war. Die "Häckera" vom Kaulberg - sie wohnte direkt neben der Laurenzikapelle - hatte nie eine Arbeit gescheut, liebevoll ihren Blumen- und Gemüsegarten gepflegt und die Enkel mit aufgezogen. Vor einigen Jahren war es dann soweit: Es ging zu Hause nicht mehr, und Tochter Mathilde holte die Mutter zu sich nach Zapfendorf, wo alle Familienmitglieder die Oma umsorgten.

Schwierig wurde es, als zwei der vier Kinder ausgezogen waren und eine Lücke in der Betreuungszeit entstand. Über Bekannte, die ihr ein Flugblatt der Alzheimer Gesellschaft mitgebrachten, hat Mathilde Martorana die Lösung gefunden: Zusammen mit zwei Tagen so genannter Tagespflege im Seniorenheim und den sechs Stunden ehrenamtlicher Betreuung zu Hause ist die alte Dame nach einem ausgeklügelten System rund um die Uhr versorgt.

Tochter Mathilde ist zufrieden; ihre Mutter scheint es auch zu sein. Sie ist immer nett und freundlicher, ein Mensch, der es seiner Umgebung leicht macht. Wenn Astrid Schneider oder Gerda Carroll zu Besuch sind, singt sie gerne mit ihnen Volks- oder Kirchenlieder. "Hoch auf dem gelben Wagen" ist ihr absoluter Favorit.


Ein echter Fußballfan

Sie interessiert sich aber auch für Fußball. Sie schaut bei den Spielen zwar nicht mehr in den Fernseher, lässt sich aber von Betreuerin Schneider berichten, was gerade auf dem Spielfeld passiert - und fiebert dann mit: "Schieß' doch ein Tor!"

Irmi, wie sie von der Familie und den ehrenamtlichen Besucherinnen liebevoll genannt wird, erzählt auch gerne von früher, von den Ziegen, Hühnern und Enten, die es auf ihrem Hof am Kaulberg gab. Das Langzeitgedächtnis funktioniert noch gut.

Astrid Schneider kam zu ihrem Ehrenamt durch eigene Betroffenheit: Sieben Jahre lang pflegte sie ihren demenzkranken Vater. Erst als er gestorben war, erfuhr sie von der Möglichkeit, sich zu einer ehrenamtlichen Helferin für Alzheimer-Patienten ausbilden zu lassen. Das hat sie dann im Jahre 2014 getan.

Bei Gerda Carroll war es der Wunsch, sich im Ruhestand ehrenamtlich zu engagieren. Ein Artikel im Fränkischen Tag informierte über einen von der Alzheimer-Gesellschaft angebotenen Lehrgang. 2007 hat sie ihn absolviert, 2008 begann sie mit ihren Einsätzen.

Damit ist sie schon fast so lange bei der Alzheimer-Gesellschaft wie es diese in Bamberg gibt. Im Jahre 2007 gründete die Gerontologin Karin Kisselmann-Liedel zusammen mit anderen Bambergern, die von der Notwendigkeit eines solchen Vereins überzeugt waren, die Bamberger "Niederlassung" der bundesweit tätigen Alzheimer-Gesellschaft.

Eine der ersten Ideen im Verein war es, einen Helferkreis ins Leben zu rufen. Heute sind es rund 30 Frauen und Männer (Letztere in der Minderzahl), die Alzheimer-Patienten stundenweise aufsuchen und deren Angehörige entlasten. Die Arbeit wird ehrenamtlich erledigt. Die Auftraggeber müssen eine Aufwandsentschädigung bezahlen, die bei bestimmten Voraussetzungen von den Pflegekassen erstattet wird.

Bei der Vermittlung von Patienten und Helfern sowie der Einsatzplanung bekommt die Alzheimer-Geselllschaft Unterstützung vom Quartiersbüro der Sozialstiftung am Graf-Stauffenberg-Platz (Telefon 0951/8680169) und von der Fachstelle für pflegende Angehörige, die von den Wohlfahrtsverbänden getragen wird und deren Büro sich in der Hainstraße 19 in Bamberg befindet (Telefon 0951/2083501).


Noch freie Kapazitäten

Nach Auskunft von Karin Kisselmann-Liedel hat die Gruppe der Helfer derzeit noch Kapazitäten frei. Man darf aber auch gerne andere Angebote der Alzheimer-Gesellschaft in Anspruch nehmen, beispielsweise die persönliche Beratung oder den Austausch in einer der Angehörigengruppen. Auskünfte erteilt der Verein unter der Telefonnummer 0951/8680169, per E-Mail info@alzheimer-bamberg.de oder über die Internetseite www.alzheimer-bamberg.de.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren