"Hier meint ja jeder, dass er Spezialist im Bauwesen ist", sagt Christoph Gatz mit sarkastischem Unterton. Der Bamberger Architekt ärgert sich über unfachlich geführte Diskussionen in der Öffentlichkeit über geplante und auch realisierte Neubauten in Bambergs Altstadt. Eine ähnliche Meinung hat auch Stadtplaner Franz Ullrich vom Kunstverein Bamberg, er kritisiert die seiner Meinung nach vorschnellen Urteile vieler Bürger - etwa bei ihrer Kritik an modernen Betonbauten.

Eine Architektur-Diskussion im Anschluss an eine Veranstaltung im Januar ließ Franz Ullrich nicht mehr los: "Das war auf einem so dramatischen Niveau und so unkundig", erinnert er sich. So entwickelte sich die Idee zu einer Vortragsreihe unter dem Motto "Neues Bauen in der alten Stadt". Als Mitveranstalter holte Ullrich noch den Architektur Treff Bamberg der Bayrischen Architektenkammer, den Historischen Verein und die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg in Boot.

Zukunftsweisende Fragen


In der öffentlichen Vortragsreihe werden zukunftsweisende Fragen gestellt und diskutiert: "Wie können wir mit unserer heutigen Architektur einen Beitrag zum künftigen Weltkulturerbe liefern?" oder "Welches Erbe hinterlässt unsere Zeit?" Die vier Vereine wählten aus einer Liste von 15 bis 20 möglichen Rednern insgesamt vier aus. "Das ging im PingPong-Verfahren", erinnert sich Christoph Gatz vom Architektur Treff Bamberg. Den ersten Vortrag wird Ulrich Kahle (Bayrisches Landesamt für Denkmalpflege) am Donnerstag um 19 Uhr in der Aula des Franz-Ludwig-Gymnasiums halten. Der Titel lautet: "Moderne contra Retroarchitektur - aus Sicht eines Denkmalpflegers".

"Alle stehen bewundernd vor modernen Einzelleistungen von Norman Foster oder anderen, und auch in Bayern vor einer Vielzahl neuer und guter moderner Museen, wollen Ähnliches aber in der alten Stadt nicht, keine Störung der Idylle, sondern lieber inszenierte Heimeligkeit, in der man sich wohlfühlen kann und die dem Touristen gefällt", beschreibt Kahle den Ausgangspunkt seines Vortrags. Als Beispiel zieht er das Bauvorhaben in der Bamberger Letzengasse heran.

Weitere Termine sind der 1. Dezember (Jörg Springer, Architekt, Berlin), 19. Januar (Christian Baumgart, Stadtbaurat, Würzburg) und 16. Februar ( Stephan Albrecht, Universität Bamberg). Die jeweiligen Themen werden rechtzeitig bekannt gegeben. Die Vorträge finden jeweils um 19 Uhr in der Aula des Franz-Ludwig-Gymnasiums, Franz-Ludwig-Straße 13, statt. Der Eintritt ist jeweils frei.