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Neue Polizeischule in Bamberg: De Maizière will Bundespolizei noch weiter aufstocken

Am Donnerstag wurde die neue Schule der Bundespolizei in Bamberg eröffnet. Bundesinnenminister de Maizière will die Bundespolizei weiter ausbauen.
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Am Donnerstag wurde die Bundespolizei-Schule in Bamberg offiziell eröffnet. Foto: Matthias Hoch
Am Donnerstag wurde die Bundespolizei-Schule in Bamberg offiziell eröffnet. Foto: Matthias Hoch
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Die Bundesregierung will angesichts der veränderten Sicherheitslage im Land bis zum Jahr 2020 einen weiteren Stellenaufbau bei den Sicherheitskräften vornehmen. Bei der Eröffnung des neuen Aus-und Fortbildungszentrums der Bundespolizei in Bamberg erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), er habe sich mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für die Jahre 2017 bis 2020 auf ein weiteres Sicherheitspaket verständigt.


Neben der bisher schon beschlossenen Aufstockung des Bundespolizeipersonals um 3770 Stellen, sollen weitere 3250 Stellen allein bei der Bundespolizei geschaffen werden. Damit wird das Personal der Bundespolizei in den kommenden Jahren um 20 Prozent und damit 7000 Stellen aufgestockt. Eine solche Aufrüstung sei bisher einmalig, aber leistbar, so der Minister. Und: "Unsere Botschaft ist deutlich. Wir nehmen die Sicherheitslage in Deutschland sehr ernst." Sie habe sich in den vergangenen 40 Jahren massiv verändert. Zur Gewährleistung von Sicherheit müssten Beamte derzeit jede Menge Überstunden leisten. Bei den Einsätzen würde dabei oft genug auch die psychische und physische Belastungsgrenze erreicht. Eine Entlastung durch neue, junge Kollegen sei daher dringend notwendig.


Rekordverdächtig schnell

De Maizière bedankte sich bei allen beteiligten Stellen dafür, dass in Bamberg in weniger als einem Jahr ein neues Ausbildungszentrum in bisher nicht gekannter Größenordnung für die Bundespolizei geschaffen werden konnte. Um das zu erreichen, habe man alle Beschleunigungsmöglichkeiten ausgeschöpft. "In der Flüchtlingskrise haben wir gelernt, Aufgaben schnell und sachgerecht zu erledigen," so der Innenminister.
Im neuen Bamberger Ausbildungszentrum der Bundespolizei traten gestern 800 Polizeimeisteranwärterinnen und -anwärter ihren Dienst an. Im Endausbau sollen dort 2200 Polizeianwärter gleichzeitig die Ausbildung absolvieren können.
Für das Zentrum auf dem Gelände einer früheren amerikanischen Kaserne, den "Warner Barracks", wurden 50 Gebäude umgebaut. Wo früher die "elementary school" untergebracht war, werden die Anwärter mit juristischen Grundlagen vertraut gemacht. Und dort, wo früher ein Schnellimbiss der Amerikaner eingerichtet war, ist inzwischen die deutschlandweit modernste Großküche der Bundespolizei zu finden.


Verstärkung der Polizei nötig

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) begrüßte das Engagement des Bundes im Sicherheitsbereich. Eine Verstärkung der Polizeikräfte sei dringend nötig. Auch bei der bayerischen Polizei habe man eine Personalaufstockung vorgenommen. Das in Bamberg jetzt in Betrieb genommene Ausbildungszentrum sprengt den Rahmen der bislang fünf Zentren, über die die Bundespolizei deutschlandweit verfügt. Alle zusammengenommen stellen in etwa die gleiche Zahl an Ausbildungsplätzen wie die neue Einrichtung in Bamberg. Hier würden allein 400 Ausbildungskräfte die Anwärter im Verlauf von zweieinhalb Jahren auf ihre künftigen Aufgaben vorbereiten. Das heißt auch, dass die ersten Anwärter frühestens im Jahr 2018 zur Entlastung der bisherigen Einsatzkräfte beitragen können. Die Ausbildung dauert eben eine ganze Weile, darüber ist sich auch Innenminister de Maizière im klaren. Aber bei der Bundespolizei wisse man jetzt, dass sich die Anstrengungen lohnen. Weil mit einer Entlastung ab 2018 definitiv gerechnet werden kann.



Dank Bamberg die Ausbildungskapazität verdoppelt

Dank ihres neuen Aus-und Fortbildungszentrums (AFZ) in Bamberg kann die Bundespolizei ihre Ausbildungskapazität nahezu verdoppeln. Bislang verfügte man in Deutschland an den fünf Standorten Swisttal (Nordrhein-Westfalen), Eschwege (Hessen), Walsrode (Niedersachsen), Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern) und Oerlenbach in Bayern über insgesamt 2400 Aus- und Fortbildungsplätze. Mit den jetzt neu hinzugekommenen 2200 Plätzen in Bamberg vermag die Bundespolizei personell gehörig aufzurüsten. Mit diesem deutlichen Ausbau seiner Bundespolizei reagiert der Bund auf die sich verändernde Bedrohungslage und die damit verbundenen zusätzlichen Aufgaben.

Ihren eigenen Angaben zufolge war die Bundespolizei Ende 2014 mit mehr als 40 000 Mitarbeitern an über 200 Standorten in ganz Deutschland präsent. Dieser Personalstand soll nach einer Entscheidung des Bundes in dieser Legislaturperiode um 3250 Stellen aufgestockt werden. Weshalb die neue Bundespolizeischule in Bamberg zunächst mit 800 Schülern starten wird. Bis 2018 ist sukzessive ein Ausbau auf dann bis zu 2200 Bundespolizeianwärter vorgesehen.

Über den dazu nötigen Platz verfügt man in Bamberg. Die Bundespolizei kann ein großes Areal im Osten Bambergs, ein früheres Kasernengelände, nutzen. Innerhalb von nur sechs Monaten wurden unter Federführung des staatlichen Bauamts Bamberg knapp 30 Millionen Euro investiert. Mehr als 100 Firmen haben dabei gleichzeitig Leitungen für EDV und Strom verlegt, Küchen eingebaut, Schießanlagen und Lehrsäle vorbereitet.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Auch die jungen Polizeianwärter, die gestern ihre Unterkünfte bezogen, sind begeistert. Sie profitieren dabei von der Großzügigkeit, die sich die Amerikaner bei der Unterbringung ihrer Soldaten leisteten. "Stuben" gibt es in Bamberg keine, die Anwärter sind in geräumigen Wohnungen untergebracht, bilden Dreier-Wohngemeinschaften. Jeder angehende Polizist verfügt über ein eigenes Zimmer, auch eine gemeinsame Küche ist vorhanden.

Genutzt werden kann auch eine supermoderne, erst vor wenigen Jahren errichtete große Sporthalle, inklusive großzügiger Außensportanlagen. Rund 100 Hektar nutzt die Bundespolizei nach eigenen Angaben. Bei der Größe braucht's schon Busse, damit die jungen Leute rechtzeitig in die Lehrsäle oder zum Schießstand kommen.


Geschichte und Organisation der Bundespolizei



Gründung Am 16. März 1951 wurde der Bundesgrenzschutz (BGS), eine Sonderpolizei des Bundes, gegründet. Seine Hauptaufgabe: Die Sicherung der innerdeutschen Grenze. Im Juli 2005 erfolgte die Umbenennung in Bundespolizei.

Aufgaben Grenzpolizeilicher Schutz des Bundesgebietes zu Lande, zu Wasser und aus der Luft. Dazu u.a. bahnpolizeiliche Aufgaben, Sicherung des Luftverkehrs und die Bekämpfung der organisierten Kriminalität insbesondere im Schleusungswesen.

Organisation Die Bundespolizei ist dem Bundesinnenministerium unterstellt. Das Präsidium der Bundespolizei hat seinen Sitz in Potsdam. Ihm nachgeordnet sind neun Polizeidirektionen. Hinzu kommt die Bundespolizeiakademie in Lübeck, der wiederum sechs Aus- und Fortbildungszentren (darunter Bamberg) zugeordnet sind.

Ausbildung Die Ausbildung für den mittleren Polizeivollzugsdienst ist in zwei Abschnitte à zwölf Monate und einmal sechs Monate gegliedert, die gesamte Dauer beträgt also zweieinhalb Jahre. Am Ende erfolgt die Laufbahnprüfung und die Ernennung zum Polizeimeister.


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