Bamberg

Neue Mitglieder der Schriftstellervereinigung PEN stellten sich vor

Einen Abend widmeten die in Bamberg versammelten Autoren der Vorstellung neuer Berufskollegen.
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Vera Botterbusch liest einen Text. Im Hintegrund Tanja Kinkel Fotos: Matthias Hoch
Vera Botterbusch liest einen Text. Im Hintegrund Tanja Kinkel Fotos: Matthias Hoch
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Etwa 150 Mitglieder des PEN-Zentrums Deutschland trafen sich am Wochenende in Bamberg, tagten fleißig, verabschiedeten Resolutionen und luden die Bevölkerung zu Veranstaltungen ein, etwa zur Meinungsfreiheit in der Türkei oder zu Blasphemie und Freiheit des Ausdrucks. Und auch etliche neue Mitglieder sind während der Jahrestagung in die Autorenvereinigung - PEN ist ein Initialwort für "Poets, Essayists, Novelists" - aufgenommen worden. Am Freitagabend hatten ihre Berufskollegen und literarisch Interessierte in der Aula der Universität Gelegenheit, wenigstens ein bisschen ins Werk von 28 Neuen zu schnuppern.

Was nach strengen Regeln ablief, die Tanja Kinkel vorab erklärte. Die Autorin - vornehmlich - historischer Romane, gebürtige Bambergerin, kehrt immer wieder gerne in ihre Heimatstadt zurück. Zumal, wenn sie in ihrer Eigenschaft als Beisitzerin im Präsidium des PEN jahrelang für Bamberg als Veranstaltungsort der Jahrestagung des Verbands geworben hatte.

Drei Minuten also blieben jedem Neumitglied, drei Minuten, von "Zeitwächterin" Nina George qua Gong streng überwacht, um sich und ihr Schaffen zumindest rudimentär vorzustellen. Ein schier unmögliches Unterfangen, gab zum Beispiel Joachim Helfer zu, der an einer Romanpentalogie mit geschätzten 3000 Seiten arbeitet und deswegen zwei von ihm übersetzte Shakespeare-Sonette vortrug, was auch gut zum 400. Todestag des Giganten passte.

Es war eine interessante Abfolge unterschiedlichster Charaktere und Textsorten, die da zu sehen und zu hören war. Auffällig, dass die meisten bereits einige Erfahrung gesammelt hatten. Senior war der Münchner Markus Dosch, 85 Jahre alt, der sein Gedicht "Afrika, wir singen deine Tänze" in den Saal hineindeklamierte. Auch die aus dem "Literarischen Quartett" bekannte Sigrid Löffler hat viele Stationen eines literarischen Lebens absolviert. Sie erzählte von ihren journalistischen Anfängen, was sicher sinnvoller war, als mit empfindsamer Lyrik das Publikum zu überfordern.

Disparateste Stile wurden vorgeführt. Da fragte der Historiker Carlos Collado Seidel nach der nationalen Verortung Deutschlands. Da arbeitet Waltraud Naumann-Beyer an einer Romanbiografie der Dichterin Anna Luisa Karsch, trug Jürgen Nendza in drei Minuten drei Gedichte vor. Heraus stach Fridolin Schley mit einer Novelle über ein somalisches Mädchen.

Am Sonntag dann lasen im Foyer der Konzerthalle Alban Nikolai Herbst, Alissa Walser und Feridun Zaimoglu über Literatur und bildende Kunst. Der Öffentlichkeit verborgen blieben zunächst die verbandsinternen Sitzungen des PEN-Zentrums. Qua Pressemitteilung wurden sie jedoch zu Beginn der Woche offenbar: 50 Autoren gründeten ein neues Unterstützungskomitee für verfolgte Berufskollegen, Resolutionen wurden verabschiedet, die sich für türkische "WissenschaftlerInnen für den Frieden" einsetzten und die Abschaffung des Blasphemie-Paragraphen im Strafgesetzbuch forderten. Sie forderten eine Überarbeitung des Regierungsentwurfs zum Urhebervertragsrecht und bezeichneten die vom US-amerikanischen Supreme Court erteilte Erlaubnis für den Google-Konzern, sämtliche auf dem US-amerikanischen Buchmarkt erschienenen Bücher zu digitalisieren, als "Skandal". Auch das jüngste BGH-Urteil zur Verwertungsgesellschaft Wort sieht der deutsche PEN kritisch.
Im kommenden Jahr werden sich die deutschen PEN-Mitglieder in Dortmund treffen. Motto: "Bleib erschütterbar und widersteh".


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