Bamberg
Adventsaktion

Nach einem Jahr im Frauenhaus wieder voll Zuversicht

Das Bamberger Frauenhaus ist seit 30 Jahren eine Zufluchtstätte für Frauen und Mütter. Zwei Bewohnerinnen waren bereit, von sich zu erzählen.
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Frau Y. ist eine der beiden Frauenhaus-Bewohnerinnen, die zu einem Interview bereit waren, aber unerkannt bleiben wollen.Foto: Ronald Rinklef
Frau Y. ist eine der beiden Frauenhaus-Bewohnerinnen, die zu einem Interview bereit waren, aber unerkannt bleiben wollen.Foto: Ronald Rinklef
"Ich hasse zwölf Uhr, ich hasse Wochenenden! Weil sie immer mittags gekommen sind, weil sie immer am Wochenende daheim waren!" Tränen stehen der blonden Frau in den Augen, als sie von ihrem früheren Leben berichtet. Ein Leben wie das einer Sklavin muss es gewesen sein.

Obwohl sie zweimal täglich warm für alle gekocht und auch sonst alles getan habe, was der Ehemann und seine Eltern von ihr verlangt hätten, sei sie nur erniedrigt, gedemütigt, bedroht und geschlagen worden.

Es fällt der Frau noch im Abstand von fast einem Jahr erkennbar schwer, über ihr Martyrium zu sprechen. Sie lebt seit Monaten im Bamberger Frauenhaus, wo wir sie auch trafen. Mit ihr saß - neben Frauenhaus-Leiterin Ursula Weidig - eine zweite Bewohnerin am Tisch im Besprechungszimmer.

Auch sie ist zweifache Mutter, auch sie ist aus einer Ehe geflüchtet, in der sie vom Mann und Vater ihrer Kinder wie der letzte Dreck behandelt worden sein muss. Rückblickend stellt sie fest: "Mein Kleinster hat den Vater gar nicht kennen gelernt. Es ist gut, dass ich den Absprung vorher geschafft habe."


Sie glauben wieder an sich

Die beiden Frauen fühlen sich nach fast einem Jahr im Bamberger Frauenhaus wieder stark und gefestigt genug, um ihr Leben und das ihrer Kinder selbst in die Hand zu nehmen. Sie haben mit Hilfe des Frauenhaus-Teams so viel Abstand zu ihrem alten Leben und so viel neuen Lebensmut gewonnen, dass sie zu einem Interview mit der Reporterin der Lokalredaktion bereit waren. Zur Bedingung machten sie absolute Anonymität, auch zum Schutz der Kinder. Deshalb nennen wir unsere Gesprächspartnerinnen nachfolgend Frau X und Frau Y.


Anderen Frauen Mut machen

Frau X. hat sich zu dem Gespräch bereit erklärt, "um anderen Frauen, denen es schlecht geht, Mut zu machen". Durchschlafen, Ruhe haben und die Tür hinter sich zumachen zu können - das sei für sie im Frauenhaus anfangs das Wichtigste gewesen, sagt sie: "Ich bin froh, dass es das Frauenhaus gibt. Man wird respektiert hier."

In der kleinen Wohnung, die sie zuvor mit Mann, Kindern und seinen Eltern teilte, habe sie nie allein sein, nicht einmal nachts die Schlafzimmertür schließen dürfen. Habe sie die Wohnung einmal verlassen können, um etwa mit den Kindern zum Arzt zu gehen, habe sie hinterher quasi ein Protokoll über die Zeit ihrer Abwesenheit geben müssen. Sie habe keinen Schlüssel, kein Geld, keine Ruhe bekommen. Sieben Jahre habe sie es ausgehalten und am Ende sich geschämt und selbst "runter" gemacht. Den Absprung schaffte sie mit Hilfe des Jugendamts.

Am Ende ihrer Schilderung sagt Frau X. etwas, das ein Lächeln in das Gesicht von Ursula Weidig zaubert: "Jetzt bin ich mir sicher, dass ich eine starke Frau bin!" Die zweifache Mutter hat eine Ausbildung begonnen, eine Wohnung in Aussicht und will bald den Führerschein machen.

Auch Frau Y. berichtet, dass sie sich nach knapp einem Jahr im Bamberger Frauenhaus wieder in der Lage fühle, allein für sich und ihre Kinder zu sorgen: "Seit ich hier bin, sehe ich vieles in einem anderen Licht."


Ihre Ehe war die "Hölle"

Es gehe nicht nur ihr viel besser, sondern auch ihrem Sohn. Das Kind sei nachts vom Vater eingesperrt worden und habe in der Folge unter Angstzuständen gelitten. Inzwischen schlafe das Kind wieder allein. Es habe noch Weinattacken, aber: "Man merkt, diese Verzweiflung ist nicht mehr da."

Auch die eigene Verzweiflung scheint die Mittzwanzigerin, die von ihrer kurzen Ehe als "Hölle" spricht, überwunden zu haben. Der Mann muss ihr das ganze Selbstvertrauen genommen und sie ständig erniedrigt haben: "Da war das Handtuch mehr wert als die Person, die er geheiratet hat."

Selbst eine Risikoschwangerschaft mit dem zweiten Kind habe ihn nicht davon abgehalten, sie seelisch und körperlich weiter zu misshandeln. Um Weihnachten 2015 sei die Lage so eskaliert, dass Nachbarn den Vermieter und die Polizei alarmierten. Nach jenem Vorfall flüchtete die hochschwangere Frau Y. mit ihrem Erstgeborenen ins Frauenhaus. Dort hat sie - nach eigenen Worten zum ersten Mal - erlebt, dass ihr geglaubt und geholfen wurde. "Hier wird mir Mut gemacht. Ich hatte den Glauben an mich verloren. Jetzt schaue ich nach vorne."


Seit 30 Jahren Zufluchtsort

Frau X. und Frau Y. sind zwei von knapp 2000 Frauen, die in den vergangenen 30 Jahren im Bamberger Frauenhaus eine sichere und geschützte Wohnmöglichkeit auf Zeit gefunden haben. Allen Bewohnerinnen (und ihren Kindern) wird in der akuten Krisensituation bei der Wahrnehmung ihrer Ansprüche und Interessen geholfen.

Über rein praktische Hilfe hinaus gibt das Frauenhaus-Team den Frauen auch immer wieder Zuversicht, Mut, Hoffnung und Orientierung.


Adventsaktion des Vereins "Franken helfen Franken"

Der Fränkische Tag und der Verein "Franken helfen Franken" möchten das Frauenhaus unterstützen und bitten um Spenden für die bevorstehende Neugestaltung. Bitte geben Sie als Verwendungszweck "Frauenhaus Bamberg" an.

Jeder gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe Oberfranken, zu der der Fränkische Tag gehört. Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen sowie ihre Internetangebote viele Menschen. Das will sie nutzen, um Hilfsbedürftige und Hilfsorganisationen zu unterstützen. Seit der Gründung im Jahr 2009 wurden bislang annähernd 300 000 Euro weitergereicht. Mehr Informationen und weitere Kontaktdaten finden Sie unter der Adresse www.franken-helfen-franken.de.

Das Spendenkonto: Sparkasse Bamberg; IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01, BIC: BYLADEM1SKB.


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