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Bamberg
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Nach ZOB-Vorfall: Fehlt es an der Asylbetreuung in Bamberg?

Nach dem Polizeieinsatz am ZOB in Bamberg werden Forderungen nach mehr Sozialbetreuung in der Aufnahmeeinrichtung laut. Ein Moslem war der Mann nicht.
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Was kann in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken im Osten Bambergs verbessert werden?  Foto: Ronald Rinklef (Archiv)
Was kann in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken im Osten Bambergs verbessert werden? Foto: Ronald Rinklef (Archiv)

Die Tochter von Markus Ritter wollte am Freitag gegen Mittag den Bus mit der Linie 902 am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) nehmen. Doch hatte die Polizei da bereits den Bussteig großräumig abgesperrt. Ein offenbar geistig verwirrter 30-Jähriger hatte gedroht, Menschen zu töten. In der Linie 902 wurden zwei Rucksäcke des Asylbewerbers, der in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) wohnte, sichergestellt. Wie man inzwischen weiß, befanden sich darin Alltagsgegenstände und kein gefährliches Material. Der Mann wurde festgenommen. Die Ermittlungen laufen.

"Man macht sich seine Gedanken", sagt Ritter mit Abstand von einigen Tagen nach dem erschreckenden Vorfall. So sei auch die Stimmung im Bamberger Osten zu beschreiben, wo Ritter wohnt. Er ruft seit längerem mit einer Initiative auf change.org zu einer Online-Petition gegen eine Verdreifachung der Kapazitäten der AEO in Bamberg-Ost auf. Und sieht sich darin weiter bestärkt: "Ich hoffe, es bleibt ein Einzelfall, aber wir müssen aufpassen, dass uns die Sache nicht über den Kopf wächst." Man müsse weiterhin Druck auf die Landesregierung machen, die Größe der AEO auf 1500 Plätze zu begrenzen. Bei einem Ausbau sieht Ritter den sozialen Frieden innerhalb der Unterkunft und vor allem in der Stadt weiter gefährdet: "Die Interessen der Bamberger müssen im Vordergrund stehen."


Zu wenig Sozialarbeiter?

Auch für Christiane Laaser ist der Vorfall am ZOB ein Warnsignal. Und dies nicht nur in Bezug auf die Wachsamkeit der Gesellschaft und die Ausstattung mit Sicherheitskräften. Ihr geht es vor allem um die Vorbeugung von Straftaten und eine gelingende soziale Integration - das beste Gegenmittel gegen Gewalt. Doch genau bei der Integration und der Begleitung der Flüchtlinge gibt es aus ihrer Erfahrung erheblichen Verbesserungsbedarf: "Die Betreuung der Flüchtlinge hat immer noch große Lücken", klagt Laaser.

 

Sie ist Stadträtin der grünen Fraktion und hat als Vorstandsmitglied bei "Freund statt fremd" Erfahrung mit der Flüchtlingsarbeit gesammelt. Aus persönlicher Erfahrung weiß Laaser, dass der Frust bei vielen Flüchtlingen wie auch Flüchtlingsbetreuern mittlerweile groß ist. "Grund sind ein nicht besonders transparentes System, eine schleppende und vor allem zeitraubende Bürokratie." Laaser ist weit davon entfernt, Bedrohungen wie durch den 30-jährigen Senegalesen am vergangenen Freitag zu relativieren oder zu verharmlosen. Dennoch müsse man sich fragen, wie man solchen Entwicklungen vorbeugen könne.

Konkret kritisiert sie den Umstand, dass in einer wachsenden Einrichtung wie der AEO derzeit nur 2,5 Stellen für Sozialarbeiter eingerichtet sind. Das sei viel zu wenig, um Fehlentwicklungen entgegenzuwirken. Auch das Feld der psychiatrischen Erkrankungen werde nicht ernsthaft bearbeitet. Erst seit kurzem kümmert sich laut Laaser eine psychologische Fachkraft um die Menschen. "Viel zu wenig", um möglicherweise traumatisierte oder stark belastete Menschen psychologisch zu begleiten.


Täter war ein Christ

Unter den Bewohnern der Aufnahmeeinrichtung ist die Gruppe der Senegalesen mit über 100 Menschen relativ groß, unter ihnen auch Moslems. Der mittlerweile in der Psychiatrie untergebrachte 30-jährige Mann aus dem westafrikanischen Land war nach Angaben der Regierung aber kein Moslem, sondern ein Christ.


Podiumsdiskussion zum Thema Asyl

Diskussion Die Mediengruppe Oberfranken veranstaltet am Montag, 3. April, ab 18 Uhr eine Podiumsdiskussion mit dem Titel "Brennpunkt Asyl - ist Bamberg überfordert?". Ort ist das MGO-Verlagshaus in der Gutenbergstraße 1.

Teilnehmer Es diskutieren: Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke, der Leiter der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt, Thomas Schreiber, Ursula Sowa, Sprecherin des Ombudsrats, Anna Niedermaier, Geschäftsinhaberin aus dem Bamberger Osten, sowie Markus Ritter von der Initiative gegen den weiteren Ausbau der Aufnahmeeinrichtung.

Anmeldung Die Zuhörerplätze bei der Veranstaltung sind begrenzt! Wer teilnehmen will, kann sich noch am Dienstag , 28. März, per E-Mail anmelden. Die Adresse lautet: redaktion@infranken.de. Bitte geben Sie dabei Ihren Namen und Ihre vollständige Adresse an. Sie erhalten anschließend ein Bestätigungsschreiben.

Themen/Fragen Gerne können Sie uns bei der Anmeldung auch Ihre Fragen oder Anliegen rund um das Thema Flüchtlinge in und um Bamberg mitteilen. Einige ausgewählte Fragen aus der Leserschaft werden wir in die Diskussion einfließen lassen.

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