Bamberg
70 Jahre FT

Mundart-Abend beim Fränkischen Tag in Bamberg

Der Fränkische Tag feierte sein 70-jähriges Bestehen mit einem fränkischen Mundartabend. Dieser kam bei den 450 Gästen bestens an.
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FT-Redakteurin Anette Schreiber war die Moderatorin des Abends. Foto: RiegerPress
FT-Redakteurin Anette Schreiber war die Moderatorin des Abends. Foto: RiegerPress
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Was darf auf einer guten Geburtstagsfeier auf keinen Fall fehlen? Natürlich eine Geburtstagstorte. Auch zum 70. Jubiläum des Fränkischen Tages gab es eine solche.

Doch da der Jubilar eine Zeitung ist, sollte die Torte nicht aus Zucker, Mehl und Eiern kredenzt werden, sondern vielmehr einen schmackhaftem Augen- und vor allem Ohrenschmaus bieten. Das Rezept dazu:
Man nehme ein Festzelt, stelle es auf dem Gelände des Fränkischen Tages in der Gutenbergstraße auf, illuminiere es mit bunten Lichtern und lade 450 Festgäste ein. Dazu füge man eine mundartaffine Redakteurin, einen Liedermacher, der seine Songs ausschließlich im Dialekt zu Gehör bringt, einen humorvollen Basketballexperten, eine waschechte Bambergerin, die gerne fränkische Gschichtla erzählt und einen nicht zuletzt aus der Kultsendung Fasching in Veitshöchheim bekannten Unterfranken.

Und als Sahnehäubchen sozusagen vollende man das Ganze mit einem ungleichen Paar: eine Hochdeutsch redende Schauspielerin und einen gebürtigen Fürther. Am Ende kann man sich bei dem Rezept sicher sein: Selbst nach drei Stunden intensiven Genusses hat man kein Gramm zugenommen, aber viel Tränen vor Lachen vergossen.


Fledermaus aus dem Dekolleté

Schon bei ihrem Intro packte Anette Schreiber so manche Story aus. Doch nicht wie sonst in ihrem Redakteursleben in Schriftform, sondern in verbaler Form - ganz auf fränkisch. Sie erinnerte sich dabei an manch heitere Geschichte, beispielsweise, wie eine tierliebe Frau vor ihren Augen ein Fledermausbaby aus ihrem Dekolleté "zauberte".

Wolfgang Reichmann, ein Bamberger Bundesliga-Basketballer und Radiosportberichterstatter, hingegen setzte zum zwanzigminütigem Rundumschlag aus. Egal ob Politik, Sport oder Alltagsleben - kein Thema blieb verschont vor seinem fränkischen Humor.

Selbst das Geburtstagskind, der FT, musste herhalten, weil er doch stets so schöne eindeutig, zweideutige Überschriften zu Papier bringt. Kostprobe gefällig? "Der Straßenstrich wird umweltfreundlich" oder "Wie die letzten Zipfel gewählt werden". Mit diesen und anderen Einlagen sorgte Reichmann für reichlich Stimmung im Zelt.
Nicht minder heiter präsentierte sich auch der Burghaslacher Johann Müller. Eigentlich ist er Schreinermeister, doch in seiner Freizeit greift er gerne zur Klampfe und komponiert fränkische Songs. Dabei gab er sich mal anarchistisch, als er musikalisch die Kontrollwut der Polizei anprangerte, und mal ganz melancholisch, als er seiner Frau ein Liebeslied sang.

Als junges "Maadla vom Kaulberg" kündigte Anette Schreiber, die Moderatorin des Abends, die 85-jährige Rettl Motschenbacher an. Ihre Gschichtla sind seit vielen, vielen Jahren aus den Lokalseiten des Fränkischen Tages nicht mehr wegzudenken.

Aber ganz ehrlich: Von ihr persönlich vorgetragen, entfalten die meist aus dem Alltag heraus entstandenen Geschichten eine ganz besondere Note. Ganz gleich, ob sie das Glockengeläut auf die Schippe nahm, vom Bäcker Fick erzählte oder von peinlichen After-Seufzern (vornehm ausgedrückt für Furz) berichtete - die Gäste lachten zum Teil Tränen.


20 Minuten für jeden Künstler

Unterfränkischen Humor versprühte hingegen Wilhelm Wolpert, der des Öfteren in Veitshöchheim auf der Bühne stand. In Bamberg nahm er auf fränkisch sexsüchtige Altenheimbewohner ebenso aufs Korn wie einen Landrat, der aus einer Feuerwehrrede eine Gesangsvereinsvariante machte.

Auch seine zwanzig Minuten - jeder Künstler am Abend musste sich in diesem Zeitlimit bewegen - vergingen wie im Fluge und es gab niemanden im Zelt, der nicht herzhaft lachen konnte. Den Abschluss des bunten Abends gestalteten die Schauspielerin und Moderatorin Anja Seidel und der Fürther Günter Stössel. Beide trugen eine "zweisprachige Variante" von Max und Moritz vor. Während Seidel die hochdeutschen Texte vorlas, "übersetzte" sie Stössel ins fränkische.

Drei Stunden dauerte die Mundart-Fete und fand bei allen Besuchern sehr viel Anklang. Der Erlös der Veranstaltung kommt dem Spendenverein der Mediengruppe Oberfranken "Franken helfen Franken" zu gute.
Und der wiederum leitet den Erlös an den Bamberger Verein "Goalkids" weiter, der Kinder- und Jugendhilfe fördert und mit Sport zur Völkerverständigung beitragen möchte.


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