Verzweifelt suchen viele Immigranten in Deutschland einen Arbeitsplatz. In Krisenzeiten kämpfen sie mit Hürden, die auch die Teilnehmerinnen der Modewerkstatt "Mode macht Mut" resignieren lassen könnten. Statt dessen aber bringen die Frauen am 25. Juni in Bamberg ihre erste Kollektion auf den Markt, die in den vergangenen Monaten im Rahmen des Programms "Soziale Stadt" - Stich für Stich - Form annahm.

"Wahre Naturtalente sind unsere türkischen Teilnehmerinnen, da traditionelle Handarbeiten in ihrer alten Heimat noch von Generation zu Generation weitergegeben werden", sagt Kerstin Waldvogel, die als Designerin die künstlerisch-handwerkliche Leitung der Werkstatt übernahm und von der aus Kirgisistan stammenden Designerin Tatjana Gershberg unterstützt wird. Ebenso flink ging Frauen aus der ehemaligen Sowjetunion, die als Näherin gearbeitet hatten, das Zuschneiden, Sticheln, Steppen und Säumen von der Hand. Seit April ließen auf diese Weise vier Immigrantinnen aus Kasachstan und Russland, zwei Teilnehmerinnen türkischer Herkunft, eine Iranerin und zwei Fränkinnen die Nähmaschinen rattern. "Alle hatten das Ziel, ihre Kreativität auszuleben", so die Projektleiterin. Und das Ergebnis des interkulturellen Teamworks wird bis 10. Juli im Wanka Tonka der Sandstraße erhältlich sein.


Studentinnen werben für den Verkauf im Wanka Tonka

Gerade fanden Modeaufnahmen mit Schülerinnen und Studentinnen statt, die für den Verkauf im Wanka Tonka werben. "Inhaberin Annett Hanelt hatte die Modewerkstatt ja ebenso wie Sonja Eichfelder als Inhaberin des Kaufhauses Schrill mit großzügigen Kleiderspenden unterstützt", berichtet Ina Wunder, die "Mode macht Mut" als Stadtteilmanagerin "Starkenfeld" begleitet. So kommen einige Teilnehmerinnen, die allein erziehend und somit auf einen Arbeitsplatz angewiesen sind, aus dem "Soziale-Stadt"-Bereich. Während andere zum knappen Familieneinkommen beitragen möchten, um ihren Kindern hin und wieder Herzenswünsche erfüllen zu können.


Aus gut erhaltener Kleidung entstand im Lauf der vergangenen Monate eine Kollektion, die sich elegant, romantisch und verspielt präsentiert. Dank Godeteinsätzen mit Rüschen aus verschiedensten Stoffen wurden die Modelle zum Blickfang. Dekorative Häkelarbeiten belegen das Geschick der Immigrantinnen, die Verwandlung ausgedienter Jeanshosen in Röcke mit eingesetzten Rüschen die Kreativität der Teilnehmerinnen.

Ein eigenes Unternehmen

Wird die erste Kollektion zum Erfolg, so profitiert davon das gesamte Projekt. "Wir investieren in eigene Nähmaschinen und anderes Equipment", berichtet die Leiterin der Modewerkstatt. "Unsere Vision ist ,Mode macht Mut' zum eigenen Unternehmen weiterzuentwickeln", so Kerstin Waldvogel.


Am 25. Juni wird erst mal auf die fleißigen Näherinnen angestoßen. Wladimir Kusnezov begleitet den Sektempfang in der Oberen Sandstraße 19 von 17 bis 18 Uhr als ehemaliger russischer Orchestermusiker auf der Geige. Das gesamte Team wird sich bei der Gelegenheit auch interessierten Fragen stellen.


Wer sich darüber hinaus über das Projekt "Mode macht Mut" informieren möchte, das vom AWO-Migrationssozialdienst getragen, von der Obersten Baubehörde gefördert und von der ARGE unterstützt wird, kann sich an die Leiterinnen wenden. Sie sind von Dienstag bis Freitag (9 bis 13 Uhr) unter der Nummer 0951/25292040 im Nähzentrum der Brennerstraße 8 erreichbar.