Bamberg
Nachruf

Mitbegründer der Collibri-Buchhandlung: Rudi Sopper ist tot

Rudi Sopper hat als Buchhändler, Verleger, Autor und Politiker entscheidend dazu beigetragen, Bamberg aus der Provinzialität zu führen. Am vergangenen Freitag ist er im Alter von erst 62 Jahren gestorben.
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Rudi Sopper in Bamberg Foto: Archiv
Rudi Sopper in Bamberg Foto: Archiv
Wer ihn kannte, war von dieser Persönlichkeit beeindruckt: prinzipientreu, doch nie verbissen, menschlich anständig, dabei immer konsequent und niemals an irgendwelchen Ämtern oder Funktionen klebend. Neben der Familie trauert ein großer Kreis von Freunden, Bekannten und Weggefährten um Rudolf Sopper, der am vergangenen Freitag im Alter von 62 Jahren gestorben ist.

Nach einer ersten Berufsausbildung kam der nahe Regensburg geborene und aufgewachsene Sopper 1973 zum Studium nach Bamberg. Man tut ihm sicher nicht unrecht, ihn als Post-68er und zeitlebens undogmatisch Linken zu bezeichnen, der so manche Wendungen und Anpassungen einstiger Genossen niemals mitvollzog. Bald schon engagierte er sich im damals noch existierenden AStA, war an allerhand aufmüpfigen Aktivitäten in der Stadt zumindest beteiligt.

Er schloss sein Pädagogikstudium mit dem Diplom ab, sah sich aber außerstande, im real existierenden Schulsystem zu arbeiten. 1978 gehörte er zu den Mitbegründern der Buchhandlung Collibri, zuerst in der Kapuzinerstraße, die zum Anlaufpunkt der linksalternativen Szene wurde und nicht zufällig ein zentraler Vertriebsort der Stadtzeitung "Dä Goblmoo", die Sopper mitgründete, die bis 1983 existierte und zum Nukleus der "Bamberger Alternative" (später GAL) geriet. Für die zog Sopper 1984 in den Bamberger Stadtrat ein, damals noch argwöhnisch beäugt als Störenfried und Revoluzzer.

Der war er mitnichten, sondern ein beharrlich an seinen Zielen festhaltender Organisator, der z. B. auch maßgeblich an der Besetzung des abbruchgefährdeten alten E-Werks, heute VHS, teilgenommen hatte - bis heute sind die damals verurteilten jungen Leute nicht rehabilitiert. Günter Wallraff hatte Sopper nach Bamberg geholt oder eine Politrocktruppe wie die "Schmetterlinge", hatte "Goblmoo"-Pressefeste mitveranstaltet. Das wies schon auf seine mittleren Jahre: Als Kopf der Collibri-Buchhandels-GmbH in der Austraße organisierte er "Herbstlesen" mit prominenten Autoren wie Cees Nooteboom oder Jan-Philipp Reemtsma. Die Collibri-Verlagsbuchhandlung verlegte u. a. schön gestaltete Bücher über "Bambergs unbequeme Bürger" oder die 68er-Bewegung in Bamberg, mit ein Grund für die Verleihung des Bamberger Kulturförderpreises an Sopper 2003. Daneben erzielte er als OB-Kandidat der Bamberger Grünen Achtungserfolge, saß insgesamt acht Jahre für sie im Stadtrat. Allerdings trennten sich seine und die Wege der Grünen, als er mit dem Kurs der einst Alternativen nicht mehr einverstanden war - er war eben kein opportunistischer Charakter à la Joschka Fischer & Co.

Längst war Rudi Sopper selber Autor geworden mit von Gerd Bauer illustrierten Kinderbüchern und - zusammen mit Rainer Lewandowski - einem Theaterstück über den "Burgfrosch Balthasar" (die Burg ist die Bamberger Altenburg). Mit Gerhard C. Krischker verfasste er ein Theaterstück über die 68er-Bewegung in der Provinz, das am E.T.A.-Hoffmann-Theater uraufgeführt wurde.

Der wirtschaftliche Niedergang und schließlich die Insolvenz der Buchhandlung Collibri, seines Lebenswerks (sie wurde von Thomas Zölch-Buba neu gegründet und arbeitet im alten Geist weiter), traf ihn schwer. Zuletzt arbeitete er im pädagogischen Bereich. Auf die Nachricht seines Todes reagierten alte Freunde und Bekannte mit Bestürzung. Er hatte die heutige Künstlerhausdirektorin Nora Gomringer ermuntert zu schreiben, er war ein politischer Weggefährte des Bamberger Autors Thomas Kraft gewesen, der ihn in seinem Roman "Alles Tarnung" erwähnt und ihn als "kleine(n) Mann mit der leisen Stimme und dem Kämpferherz" charakterisiert.

In der Tat hat Rudi Sopper als (nicht nur) Kommunalpolitiker, als Kulturschaffender und -organisator entscheidend zur Modernisierung Bambergs beigetragen. Als er in die Stadt kam, war die noch zutiefst konservativ-provinziell geprägt. Gegen viele Widerstände und Ressentiments setzten Menschen wie er auf Liberalität und Toleranz und erreichten schließlich ein anderes gesellschaftliches Klima in Bamberg. Dazu kamen noch sein einnehmender Charakter, seine für einen Politiker vielleicht zu ausgeprägte Ehrlichkeit und auch Nachgiebigkeit, die ihn sympathisch machten. Die Beisetzung findet auf Wunsch der Familie im engsten Kreis statt.
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