Hammer und Schlauch sind für Ranch-Chefin Birka Trebes derzeit unverzichtbare Arbeitsmittel: Die Selbsttränken der Little Mountain Ranch funktionieren bei zweistelligen Minusgraden nicht mehr. Deswegen saufen die über 20 Pferde und Ponys seit etlichen Tagen aus Bottichen. Jeder Bottich fasst 50 Liter. Die Gefäße müssen nicht nur befüllt, sondern immer wieder auch vom Eis befreit werden. Denn "die Tiere brauchen selbstverständlich auch bei Kälte Wasser", erklärt die 40-Jährige. Eigentlich zwar weniger als bei hohen Temperaturen. Dafür lässt sich zu Eis gefrorenes Wasser nicht verwenden, ja es muss sogar entsorgt, also frei gehackt und weggefahren werden. Drei Stunden länger schuftet die Godeldorferin jeden Tag länger, nur wegen der sibirischen Kälte.
Der Mehraufwand beginnt bereits bei der Kleidung. Nicht weniger als sechs verschiedene Schichten setzt die Godeldorferin der Kälte entgegen. Schließlich werkelt sie von früh bis abends im Stall und in der Reithalle. Den Pferden hingegen mache die Kälte weniger aus, "bis minus 40 Grad haben die kein Problem", weiß sie. Die Älteren werden eben mit Decken ausgestattet. Ansonsten kommen die Tiere bei den momentanen Temperaturen eben nicht so lange nach draußen auf die Koppeln wie sonst.

Heizung in den Schuhen


Nicht ganz so hart im Nehmen sind dagegen oft Pferdebesitzer. Sie verbringen jetzt meist weniger Zeit bei ihren Tieren, weiß Westernreiterin Birka Trebes. Für sie sei es schon ein bisschen befremdlich, wenn sich einer über die Kälte beschwert und sagt, er müsse jetzt schnell wieder heim. Wo sie doch den ganzen Tag und damit viel länger friere. Irgendwann hilft auch die batteriebetriebene Fußheizung in den Schuhen nicht mehr. Und die Hände? "Die frieren an den Metallriegeln fest, wenn man vorher was mit Wasser gemacht hat", merkt sie fröstelnd an, in Handschuhen habe sie zu wenig Gefühl. Die Mehrarbeit zehre schon an einem, sagt sie. Im 100 Meter langen Schlauch muss das Wasser ständig fließen, sonst friert es ein. "Pausiert" der Schlauch, wird er im Reiterstübchen aufgewärmt. Jeder Stallbetreiber entwickle seine Winterstrategie, sagt Birka Trebes, schnappt sich den Hammer und klopft den nächsten Bottich frei.
Mit ein paar Tricks schafft es auch die Lisberger Pferdezüchterin Lucie Lang ihren rund 45 Pferden und Ponys drei Mal täglich frisches Wasser vorzusetzen. Von ihrer Heizung im Wohnhaus zapft sie über einen Zulauf jedes Mal so um die 200 Liter ab. Die haben eine Temperatur von 65 Grad Celsius. Bis sie im umfunktionierten Milchfass landen, sind es dann noch 35 Grad. In 20-Liter-Eimern gelangt das Wasser vom Heizungsraum zum Fass und wird zu den drei Stalltrakten, die zwischen 20 und 150 Meter vom Wohnhaus entfernt sind, gebracht. Dann wird das Wasser wiederum mit 20-Liter-Eimern zu den Bottichen der Pferde getragen, wo es mit 20 Grad ankommt. "Warmes Wasser mögen die Tiere jetzt sehr gerne." Für alle, die mit dem Tränken befasst sind, stelle das freilich eine beschwerliche Prozedur dar.
Anders sieht die Situation bei den Landwirten aus, die relativ moderne Ställe und entsprechende Kälteschutzvorrichtungen haben. "Es ist ja nicht erst heuer kalt", betont Heinrich Faatz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes. Bei Erlau hat er einen Außenklimastall für seine Milchkühe, denen gehe es auch bei diesen Temperaturen gut. "Ich habe noch nicht gemerkt, dass die einen Liter weniger Milch geben." Das täten sie, würde sie irgendetwas stören. Damit Kälte und Frost der Flüssigkeitszufuhr nichts anhaben können, ist sein Stall mit beheizbaren Tränkebecken versehen. Die unterirdisch verlaufenden Leitungen sind frostfrei verlegt, und die letzten 30 bis 40 Zentimeter Leitung an der Oberfläche verfügen über Rohrbegleitheizungen. Diese Finessen sind durchaus notwendig. Denn in einem Außenklimastall ist es, wie der Name besagt, drinnen genauso warm oder kalt wie draußen. Da Kühe Steppentiere sind, wie Faatz betont, fühlen sie sich wohl. Am liebsten mögen sie Temperaturen zwischen minus fünf und plus zehn Grad. Momentan fressen sie nur ein bisschen mehr, weil die Kälte einen höheren Energiebedarf zur Folge hat.