Sie brachte jahrzehntelang Wein und Bier an die Tische der Weinstube Pizzini in der Oberen Sandstraße 17, hatte für jeden Gast ein nettes Wort übrig. Sie lehnte am Schanktresen, nahm interessiert und kenntnisreich an den Gesprächen über Kunst und Politik teil, die am kleinen Stammtisch geführt wurden.

Wer nicht zum engeren Kreis gehörte, musste jedes Mal an der illustren Runde vorbei, wenn er ein gewisses Örtchen aufsuchen wollte. Nicht zuletzt deshalb kannte Wally Mück fast alle ihre Gäste. Im Alter von 94 Jahren ist sie vor wenigen Tagen verstorben. Generationen von Pizzini-Gängern werden ihr nachtrauern, auch wenn sie in den letzten Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten konnte und kaum mehr in der Öffentlichkeit zu sehen war: Sie wird ihren Gästen und Nachbarn in guter, in bester Erinnerung bleiben.

Das Pizzini wirkt wie aus der Zeit gefallen. Der Bamberger Schriftsteller Andreas Reuss nannte das Künstlerlokal einmal eine "Weinhaus-Poesie". Gegründet wurde die Weinstube 1905 von Wally Mücks Großvater, dem Südtiroler Weinhändler Carlo I. Pizzini. Im Jahre 1913 übernahm Vater Carlo II. das Lokal und richtete es so ein, wie man es heute noch kennt.

Wally Mück - eine in der Karolinenstraße geborene waschechte Bambergerin - hat die Weinstube 1968 von ihrer Mutter nicht einfach nur übernommen und fortgeführt, sie hat ihr Seele und Herzblut gegeben. Andreas Reuß hat in einem Beitrag zum 100-jährigen Bestehen des Pizzinis im Juli 2005 geschrieben, der Charme "einer Familie aus uralten Zeiten" habe dazu beigetragen, dass sich seit den 1950er Jahren der Künstlerstammtisch bildete.


Treffpunkt der Künstler

Reuß zählt auf, wer daran (unter anderem) gesessen hat: Klaus Doldiger, Franz Josef Degenhardt, Otto Mulsow, Ottmar Mohring, Hannes Rischert, Alexej Borutscheff, Anton Rauh, Karlheinz Bauer, Karlheinz Hirle, Volker Hinninger, Gerhard Böhm, Anna Löffler-Winkler, Erika Bauer, Maria Billek, Jochen Löber, Sepp Fischer, Ernst Rössner, Josef Sauer vom Simplizissimus und Franz Dülp.

Reuß weiß außerdem: "Deren Nachfahren und Freunde kehren immer wieder zurück, um die einmalige Sammlung von Bildern zu bewundern, die häufig im Lokal entstanden. Vom Theater kamen Hans Bernhard Theopold, Heiner Reddemann oder Sabine Becker, Ulrich Tukur spielte im Pizzini Klavier und der Verleger Hans Meisenbach war täglicher Stammgast."

Die große Anziehungskraft der Weinstube auf Künstler jedes Genres ist ohne das künstlerische Interesse der Wirtin Wally Mück nicht denkbar. In der Nachkriegszeit, als das Lokal um 18 Uhr schließen musste und sie am Abend Zeit hatte, besuchte sie Konzerte, Theater- und Kinoaufführungen. Und sie malte auch manchmal - aber nicht, weil sie sich für eine Künstlerin hielt, sondern einfach "als Verschnaufpause".