Bamberg
Feierlichkeiten

Mit Kommentar: "Tag des Bieres" in Bamberg mit Satire

Bamberger Brauer präsentieren am Maxplatz zum "Tag des Bieres" die Vielfalt des heimischen Gerstensaftes.
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Zeitweise war richtig viel los: Der "Tag des Bieres" lockte Besucher auf den Maxplatz, obwohl das Wetter unberechenbar war. Foto: RiegerPress
Zeitweise war richtig viel los: Der "Tag des Bieres" lockte Besucher auf den Maxplatz, obwohl das Wetter unberechenbar war. Foto: RiegerPress
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Etwas hartgesotten mussten die Freunde des Bamberger Gerstensaftes beim Bierfest am Maxplatz schon sein. Denn das Wetter zeigte sich in den letzten drei Tagen nicht von seiner besten Seite. Während es am Freitag noch halbwegs schön war, regnete es fast den ganzen Samstag über mehr oder minder stark, und am Sonntag schneite es um die Mittagszeit sogar. Dennoch fand die Veranstaltung großen Anklang. Die aufgestellten Bierbänke waren durchweg gut besetzt. Selbst dem Dauerregen am Samstag trotzen viele meist jüngere Besucher.

Anlass der dreitägigen Biergeselligkeit war das 500-jährige Jubiläum des Bayerischen Reinheitsgebotes beziehungsweise des 527. Bambergers, wie Bürgermeister Christian Lange (CSU) beim traditionellen Bieranstich betonte. Das Jubiläumsfass selbst hatte hingegen Alt-Bürgermeister und erster Bierordensträger Werner Hipelius angezapft. Und zwar mit drei gekonnten Schlägen.

Den diesjährigen "Bierorden" bekam Professor Ludwig Narziß überreicht, der auch die Festansprache hielt. In dieser setzte der Brauwissenschaftler sich unter anderem mit der Entstehung des Reinheitsgebotes auseinander und erläuterte, warum wir dieses auch heute noch bräuchten.


Satire am Gabelmann

Ein paar Meter weiter, am Gabelmann, nutzen Vertreter der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative ("Die Partei") das Jubiläum für eine satirische Kundgebung. Ziel dieser war die Abschaffung der Biersteuer auf fränkische Biere. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hatte man zahlreiche hochrangige Redner eingeladen.

So beispielsweise sollte der Hauptredner und Stargast der Veranstaltung Citymanager Klaus Stieringer sein. "Wir haben ihn eigens eingeladen. Zum einen, weil uns seine Redebeiträge aufgefallen sind, und zum anderen wollten wir ihm die Chance geben, seine Abschiedsrede zu halten. Schließlich wird er dringend in Ost-Berlin beim Bau des Flughafens gebraucht", sagte Lars Vegas vom Bamberger Kreisverband der Partei.

Allerdings konnte Stieringer die Einladung nicht annehmen, da er, wie der "seriöse Politiker" Vegas betonte, bereits mit seinem Umzug nach Berlin beschäftigt sei. Daher hielt Vegas eine Rede, "die Stieringer so ähnlich, oder komplett anders hätte vorgetragen können":

"Als Hauptanbieter von Trinkveranstaltungen hier in Bamberg, ist es mir eine große Ehre, bei dieser Kundgebung reden zu dürfen, und das, obwohl ich schon lange bei der CSU bin. Ich möchte bei der Gelegenheit auch meinen engen Freund und Weggefährten Helmut Müller ganz herzlich grüßen", ließ Vegas ihn sagen. Allerdings könne man das Problem der Steuerfreiheit auf fränkische Bieren heute nicht lösen. Als Ersatz dafür schlug er vor, sich im Stadtrat für eine Verschiebung der Sperrzeiten auf 13 bis 18 Uhr stark zu machen.

Kommentar unseres Mitarbeiters Harald Rieger

Ein Hauch von alten Zeiten

Viele Bamberger, die übers Wochenende das Bierfest am Maxplatz besucht haben, werden sicherlich ein bisschen wehmütig an alte Zeiten zurückgedacht haben, als es noch die Biertage an gleicher Stelle gab. Zusammen mit den Bamberger Gärtnern waren diese oftmals ein rauschendes Fest, dennoch ganz gediegen und entspannt. Leider wurden sie vor mehr als zwei Jahrzehnten eingestellt. Lediglich einmal im Jahr taten sich danach die Bamberger Brauereien zusammen, um den "Tag des Bieres" zu feiern.

Allerdings war dies kein angemessener Ersatz zu den Biertagen. Anstatt auf dem Maxplatz, wurde zeitweise rund um den Gabelmann gefeiert. Mit einem kleinen Bierzelt, in dem nur mit Mühe die Bierfässer der Bamberger Brauereien Platz fanden, und auch für die Besucher gab es nur wenige Sitzgelegenheiten. Inzwischen wechselte man wieder zum Maxplatz zurück. Auch das Zelt wurde (ein klein wenig) größer und es gab mehr Sitzplätze. Insgesamt entstand eine Ultra-Light-Version der Bamberger Biertage. Vor einigen Jahren versuchte dann das Stadtmarketing die Biertage wieder aufleben zu lassen. Ein kläglicher Versuch, der gehörig scheiterte.

Aber hinter dem Konzept standen auch nicht die Brauereiinhaber selbst (sie lieferten nur das Bier) sondern ein vom Stadtmarketing beauftragter General-Caterer, der zu Bamberg kaum einen Bezug hatte und dessen einziges Ziel es war, möglichst viel Geld zu scheffeln. Mit dem diesjährigen Bierfest jedoch ist es dem Verein der Bamberger Brauereien gelungen, eine beachtenswerte Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Es entstand ein optisch schönes Bild, die Besucher hatten viel Platz zum Sitzen, die Ausstellung war sehenswert und auch die Musik passte. Selbst übertroffen haben sich zudem die Bamberger Brauereien beim Ausschank.

Anstelle des Minizeltes der Vorjahre, entstand Bambergs längste Biertheke mit knapp 25 Metern Länge. Respekt! Vor allem war es ein wahrer Augengenuss, auf dem Maxplatz bunte Schirme mit den unterschiedlichen Logos der Bamberger Brauereien zu sehen. Und ohne einer Nürnberger Brauerei allzu nahe treten zu wollen: Unter einem grünen Keesmann-, einem beigen Schlenkerla- oder einem braunen Mahrsbräu-Schirm, um nur drei völlig ohne Wertung zu nennen, fühlt man sich als Bamberger halt einfach wohler.

Selbst wenn das Wetter wie am Samstag nicht ganz so mitspielte. Daher, liebe Bamberger Brauer, lasst dieses Fest keine einmalige Sache bleiben. Denn genauso feiert man in einer Stadt - die stolz auf ihre Brauereien ist und die sich rühmt, die wahre Hauptstadt des Bieres zu sein - den "Tag des Bieres"!
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