Der Unwille war Bürgermeister Edwin Mahr (BG/ÜWG) deutlich anzuhören. "Es kann doch nicht sein, dass wir jetzt auch noch solche Register ziehen." Gemeint war die Überwachung des ruhenden Verkehrs, die - so Mahr - "auf dem flachen Land" eigentlich nicht nötig sein sollte. "Eigentlich" und "sollte". Doch offenbar ist in Viereth-Trunstadt "jetzt der Punkt erreicht", an dem auch der Bürgermeister nur noch die Möglichkeit sieht, die Parkmoral durch Knöllchen zu heben.

Und so schlug Mahr dem Gemeinderat beim Tagesordnungspunkt "kommunale Verkehrsüberwachung" vor, künftig nicht nur Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen, sondern einen einjährigen Test mit der Parküberwachung zu beschließen.

Mehrfach habe man im Gemeindeblatt an die Bürger appelliert, habe Anwohner angeschrieben und sie gebeten, ihre Besucher auf bestehende Parkregelungen hinzuweisen, führte Mahr aus. Doch es habe alles nichts gebracht. Die Parkverstöße nähmen überhand.

Bisher habe man bei Behinderungen durch Falschparker nur die Möglichkeit, die Polizei zu rufen. Mahrs Vorschlag, es testweise mit dem Einstieg in die Parküberwachung zu versuchen, fand im Gemeinderat nach kurzer Diskussion eine breite Mehrheit. "Appelle an die Vernunft helfen nichts. Wir müssen es probieren", meinte beispielsweise Alwin Will (ÜWG).

Bei drei Gegenstimmen beschloss das Gremium, zum nächstmöglichen Zeitpunkt - zunächst testweise für ein Jahr - in die kommunale Überwachung des ruhenden Verkehrs einzusteigen. Die Kosten dafür betragen laut Geschäftsleiter Gerd Franke knapp 7000 Euro. Dafür werden zwölf Monate lang, jeweils zehn Stunden pro Monat, Parküberwacher in Viereth-Trunstadt künftig bei Verstößen Knöllchen an Falschparker verteilen.

Dass diese nicht immer glücklich sein werden, darüber ist sich der Bürgermeister im Klaren. "Den Stress werden wir haben", meinte er im Hinblick auf die im Rathaus zu erwartenden empörten Protest erwischter Parksünder.

Tempo 86 statt 30


Fortgeführt wird in Viereth-Trunstadt die im September 2006 gestartete Geschwindigkeitsüberwachung im Gemeindebereich. Die Verlängerung um ein Jahr beschloss der Gemeinderat, nachdem Geschäftsleiter Franke die aktuellen Zahlen vorgelegt und erläutert hatte. "Es bringt was, aber es kann noch besser werden", stellte der Bürgermeister dazu fest. Denn über die Jahre hinweg ist die Zahl der gemessenen Verstöße doch leicht Rückläufig.

So gab es 2007, im ersten Jahr der Geschwindigkeitskontrollen, von knapp 39 000 gemessenen Fahrzeugen noch 2993 Geschwindigkeitsüberschreitungen, davon 187 Raser im Bußgeldbereich - eine Quote von 7,71 Prozent. Bereits im Folgejahr sank diese 5,34 Prozent. Und im laufenden Jahr - gerechnet wird immer von September bis August - waren es bei bislang mehr als 42 000 Messungen noch 1721 Verstöße (darunter 82 im Bußgeldbereich) und eine Quote von 4,05 Prozent.

Angesichts der Tatsache, dass darunter aber auch Raser waren, die es etwa auf Spitzenwerte von 96 Stundenkilometern in der Vie rether Hauptstraße (erlaubt: 50) oder sogar 86 Stundenkilometer im Tempo-30-Bereich der Weiherer Straße brachten, fiel der Beschluss zur Fortführung einstimmig.

Dazu trug sicher auch bei, dass selbst unter den ortsansässigen Temposündern die Einsicht noch nicht bei allen gereift ist. So berichtete Bürgermeister Mahr von einem Schreiben an ihn, in dem ein Geblitzter drohte: "Wenn diese Abzocke weitergeht, dann..." Dass sich die Gemeinde an den Kontrollen keine goldene Nase verdient, merkte Geschäftsleiter Franke an. Die kommunale Verkehrsüberwachung arbeite allenfalls kostendeckend.

Auf die Frage des Bürgermeisters, ob es Diskussionsbedarf gebe, meinte Gisela Becker (UW): "Das muss man nicht diskutieren." "Der Rückgang reicht nicht", stellte er ihr Fraktionskollege Philipp Mohr fest. Und Horst Dippold (CSU) gab gleich ein Ziel vor: "Solange es nicht auf ein Prozent runtergeht, sollten wir weitermachen." Regina Wohlpart (BG) regte dann noch an, mit Schildern auf die Kontrollen hinzuweisen.