Bum, tack, tack, bum, tack, ertönt es in einem Flur der Staatlichen Realschule in Scheßlitz. Schlagzeuger Sören ist gerade am Werk, seinem Takt folgen die Gitarristen, den Bassisten, die Keyboard-Spieler und die Sänger. Nebenan probt eine weitere Band, während es im nächsten Raum klassischer zugeht: Die Geigen hört man zuerst, dann setzen die Bläser ein. Aber Jakobs Kontrabass ist noch verstimmt, Majas Bratsche klingt noch nicht ganz so, wie sie soll. "Stell' dir vor wütend auf sie zu sein", rät Musiklehrer Walter Wautzler. Im Nebenraum geben restlichen Bläser alles.

Hochkonzentriert musizieren gerade fast 60 Kinder. Denn so sieht der Musikunterricht nicht überall aus. In der Realschule gibt es seit diesem Schuljahr eine Bandklasse sowie eine Streicher- und eine Bläserklasse und bietet so die größte Auswahl an Musikklassen im Landkreis. Die teilnehmenden Fünftklässler erlernen dabei über einen Zeitraum von zwei Jahren ein Instrument, spielen im Klassenverband und absolvieren Auftritte. Denn Musik soll hier "nicht nur theoretisch sein, gerade in diesem Fach bietet es sich so gut an, selber etwas zu tun", betont auch Tobias Fichte, der nicht nur Musik- und Englischlehrer ist, sondern auch Projektleiter von "klasse.im.puls".

Das Projekt setzt sich bayernweit für mehr "musizierende Klassenzimmer" ein, indem es teilnehmende Schulen bei der Durchführung betreut und bei der Sponsorensuche unterstützt. Außerdem finden Fortbildungsveranstaltungen statt, durch die "ein Austausch zustande kommt, der das Projekt sehr, sehr fruchtbar macht", betont Fichte. Wenn eine Schule an dem Projekt teilnehmen will, braucht es erst einmal Zeit. Denn das nötige Geld, um Instrumente zu kaufen, lässt sich leider nicht so schnell wie Teilnehmer finden, bedauert Schulleiter Ralf Motel. Die Realschule wurde hier durch die Sparkassenstiftung und der Dr.-Pfleger-Stiftung unterstützt, trotzdem "mussten wir in diesem Schuljahr leider oft das Los entscheiden lassen, weil wir fast doppelt so viele Interessierte wie Plätze hatten". Bevor dann so fleißig wie jetzt geübt werden kann, musste erst einmal entschieden werden, welches Instrument zu wem passt. Daher probierten die Schüler erstmal verschiedene Instrumente aus. "Dabei kann man meist schon beobachten, ob es passt", sagt Fichte.

"Auf den Kontrabass bin ich erst gekommen, weil ich so groß bin, aber es ist auch ein tolles Instrument", meint Jakob, der eifrig am Zupfen ist. "Die Finger tun nun auch nicht mehr weh", obwohl sie ordentlich beansprucht werden, denn Walter Wutzler ruft schon wieder: "Und jetzt schön laut!" Sören erklärt: "Ich hab früher schon öfters mal bei einem Freund am Schlagzeug gesessen, hier jetzt spielen zu können, ist richtig schön."
Dann heißt es alleine üben, zusammen proben und noch mehr üben. "In einer Schulstunde ist das gar nicht so einfach", meint Fichte. Deshalb erhalten die Schüler in kleinen Gruppen einmal die Woche Instrumentalunterricht.

Den Unterricht in ihrer Instrumentengruppe mag E-Gitarristin Julia gerne. "Wir setzen uns dann immer im Kreis und lernen neue Griffe", meint die Elfjährige. Ähnlich geht es Schlagzeuger Sören: "Takte lernen wir hier, zu Hause übe ich dann, die schneller zu spielen." Er spielt in der Band "Blizzard" die eigentlich mal "The Black Snakes" heißen sollten, "aber die Mädchen mögen Schlangen ja nicht so gerne." Auch die ersten Erfolge lassen nicht lange auf sich warten: "Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht mit dem Spielen", meint Julia, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Schüler ihre Instrumente erst seit letztem Herbst in Händen halten. Bald steht sogar schon der erste Auftritt an, aufgeregt sei sie aber noch nicht. Schließlich übt sie viel. "Jeden Tag eine halbe Stunde", meint sie stolz

"Die Schule soll ein Lebensraum sein, in dem die Kinder auch etwas ausprobieren können", betont Schuldirektor Ralf Motel, "Mit der Zeit stellen sie sich leichter darauf ein, ein Teil des Ensembles zu werden. Und sich irgendwo einzufügen ist auch ein Teil von Bildung, der normalerweise mit Müh' und Not erlernt werden muss. Hier funktioniert das über das eigene Interesse."


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