Bamberg
Orchester

Misstöne bei den Bamberger Symphonikern

Die aktuelle Spielzeit begann mit einem lauten Knall: Intendant Wolfgang Fink bleibt nur noch bis Saisonende. Wegen gravierender Differenzen mit München.
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Intendant Wolfgang Fink vor einem Plakat der Biennale. Foto: Michael Gründel
Intendant Wolfgang Fink vor einem Plakat der Biennale. Foto: Michael Gründel
Ernsthafte Sorgen um die Zukunft des Orchesters macht sich Christian Dibbern nicht. Vorsichtig stellt er seine Tasse Tee auf dem Tisch ab. Seit 35 Jahren ist er Orchestermitglied. Nein, trotz allem sei das Wohl der Bamberger Symphoniker nicht gefährdet. Trotz allem. Damit meint er den angekündigten Abschied des Intendanten Wolfgang Fink. Und dessen Differenzen mit dem Münchner Kunstministerium über die Förderhöhe der Symphoniker.

Orchestervorstand Christian Dibbern spielt bei den Symphonikern die zweite Violine. Klar, auch er ärgere sich darüber, dass nach Nürnberg ein sechsstelliger Betrag für eine "Konzertsaal-Machbarkeitsstudie" fließen soll. Geld, das die Bayerische Staatsregierung dort gerne bereitstellt. Und das die Bamberger Symphoniker, die offiziell den Titel "Bayerische Staatsphilharmonie" tragen, derzeit gut gebrauchen könnten.

"Gravierend unterschiedliche Auffassungen über die finanzielle Ausstattung des Orchesters" waren vor knapp zwei Wochen nach offizieller Formulierung der Anlass für Intendant Wolfgang Fink, seinen Abschied anzukündigen. Für 2013 sieht der Haushaltsentwurf eine Förderung der Bamberger Symphoniker in gleicher Höhe wie 2012 vor.

Der vom Orchester gemeinsam mit dem Bayerischen Kunstministerium erarbeitete Wirtschaftsplan, heißt es von der Pressestelle der Bamberger Symphoniker, wurde vom Stiftungsrat gebilligt und sah eine Steigerung vor, die den steigenden Kosten Rechnung trägt. Insgesamt beträgt der Förderbetrag etwa 11,5 Millionen Euro. Davon trägt der Freistaat 80,5 Prozent und die Stadt Bamberg 12,3 Prozent. Den Rest steuern Bezirk und Landkreis bei. Doch die Beiträge sind prozentual aneinander gekoppelt. Eine einseitige Erhöhung von Stadt oder Landkreis ist nicht möglich.

Schon in diesem Jahr fiel die Förderung des Bamberger Orchesters um 240 000 Euro geringer aus als zuvor vereinbart. "Der Wirtschaftsplan 2012 ist der erste in der Geschichte der Bamberger Symphoniker, der nicht so umgesetzt wurde, wie vom Stiftungsrat verabschiedet", sagt Wolfgang Fink.

Im Stiftungsrat ist Wolfgang Heubisch (FDP), Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, das stimmmächtigste Mitglied. "Dabei wird der Wirtschaftsplan der Bamberger Symphoniker gemeinsam mit dem Ministerium erarbeitet", sagt Fink. Es sei wichtig, diesen Mechanismus zu begreifen. "Der Wirtschaftsplan des Orchesters ist nicht der Wunschzettel eines Intendanten."

Es ist aber Aufgabe eines Intendanten, für einen ausgeglichenen Haushalt zu sorgen. "Aber das erste, was ich 2012 machen musste, war, noch nicht umgesetzte Tariferhöhungen aus 2011 umzusetzen", schildert Wolfgang Fink. "Unsere Kosten sind im Wesentlichen personelle Kosten. Wir arbeiten hier mit Vollauslastung."

In diesem Jahr habe er das Spiel noch mit sich machen lassen, sagt Fink. "Aber ich bin es meinem Orchester schuldig, alles zu tun, um dessen Status als eines der besten Orchester in Deutschland nicht zu gefährden."
Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) sagt, "die Bamberger Symphoniker müssen sich dann Sorgen machen, wenn der Freistaat die erforderliche finanzielle Ausstattung nicht sicherstellt".

Durch das Einfrieren der Förderhöhe wird aber bereits 2013 eine Deckungslücke von mehr als 400 000 Euro entstehen. Starke hat deshalb an alle Landtagsfraktionen einen Brief geschrieben, worin er um die Bereitstellung des Geldes bittet. Er sieht die Bamberger Symphoniker gegenüber anderen Kulturvorhaben in Bayern klar benachteiligt. "Sogar die CSU-Landtagsfraktion hat die Beschwerden aus vielen Regionen, wonach München mit seiner Vielzahl an Museen, Orchestern und Institutionen bevorzugt werde, aufgegriffen."

Sind es die Geldbeträge, um die es geht, wert, den Status des Bamberger Orchesters als "Kulturbotschafter Bayerns" aufs Spiel zu setzen? Toni Schmid, zuständiger Abteilungsleiter im Bayerischen Kunstministerium reagiert auf diese Frage äußerst gereizt: "Da kann ich nur lachen. Wir können doch nicht einfach die Gelddruckmaschine anwerfen." Im Ministerium nehme man die Vorwürfe zwar gerne zur Kenntnis, gibt aber zu bedenken, dass die Bamberger Symphoniker 2012 bayernweit das einzige Orchester seien, das überhaupt mehr Geld bekommen habe. In Bamberg habe niemand das Recht, einfach irgendeinen Förderbetrag zu fordern. Und solche Stimmen seien ihm, so Toni Schmid wörtlich, "völlig egal". Dass Intendant Wolfgang Fink nun seinen Weggang angekündigt hat, bezeichnet Schmid als dessen "gutes Recht".

Derweil läuft bereits die Suche nach einem Nachfolger für Wolfgang Fink. "Wir haben Gespräche am Laufen", sagt Toni Schmid. Bei diesen Gesprächen hat auch das Orchester ein Wort mitzureden. Orchestervorstand Christian Dibbern sagt, die Zeichen stünden bereits gut. "Ein Intendantenwechsel ist nichts Ungewöhnliches, und trotz aller Irritationen für alle Seiten auch eine Chance für Neues."



Kommentar "Leuchtturm in Bamberg"


von Monika Beer

Der Freistaat Bayern", schreibt Wolfgang Heubisch, der bayerische Kunstminister, in der aktuellen Saisonbroschüre, "kann mit Stolz auf die Bamberger Symphoniker blicken." Und er vergisst nicht zu erwähnen, welche Wertschätzung dem "Kulturbotschafter Bayerns in der Welt" allerorten entgegengebracht wird. Nur in der Landeshauptstadt, bei ihrem mit Abstand wichtigsten Geldgeber, scheinen sie momentan keinen so guten Stand zu haben. Anders lässt sich nicht erklären, warum der kompetente und sonst so kooperative Intendant Wolfgang Fink seine Vertragsverlängerung zur Disposition gestellt hat. Wegen einer Summe, die offenbar genehmigt war und die sich in Hinblick auf die gerade veröffentlichten kulturellen Leuchtturmprojekte der Staatsregierung ausnimmt wie die berühmt-berüchtigten Peanuts.

Aber vielleicht ist noch nicht aller Tage Abend. Und man besinnt sich in München darauf, dass die einzige Bayerische Staatsphilharmonie per se ein Leuchtturmprojekt ist, das man nicht an der ausgestreckten Hand verhungern lassen sollte. Wo sonst gibt es im Freistaat noch eine Institution, die mit einer ähnlich großen künstlerischen Qualität und Strahlkraft und einem derart kleinen und beispielhaft aktiven Team im Hintergrund tatsächlich weltweit geschätzt und verstanden wird?
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