Bamberg
Personal

Miese Stimmung im Bamberger Rathaus?

Unzufriedenheit und hohe Fluktuation im Rathaus? Die Bamberger Allianz prangert die Unterbesetzung in einzelnen Ämtern in der Stadtverwaltung an.
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Brodelt es hinter der idyllischen Fassade? Um die Stimmung unter den Rathaus-Beschäftigten ist es laut Bamberger Allianz nicht besonders gut bestellt.  Foto: Ronald Rinklef
Brodelt es hinter der idyllischen Fassade? Um die Stimmung unter den Rathaus-Beschäftigten ist es laut Bamberger Allianz nicht besonders gut bestellt. Foto: Ronald Rinklef
Wenn es um die Kosten für das Personal im Bamberger Rathaus ging, wurde viele Jahre häufig in einem ganz bestimmten Tenor geredet: Es ging um Einsparungen, Abbau von Stellen und das Generieren so genannter Synergieeffekte. Nun könnte sich der Wind drehen. Drei Jahre nach dem letzten Sparbeschluss, demzufolge 49 Stellen gestrichen werden sollen, steht der Konsolidierungskurs selbst auf dem Prüfstand.

Den Hintergrund für den möglichen Paradigmenwechsel liefert die Bamberger Allianz (BA). Die Fraktion mit sechs Mitgliedern im Stadtrat beschäftigte sich Ende Februar in einem umfangreichen Antrag an OB Andreas Starke (SPD) mit der Personalsituation im Rathaus. Das Ergebnis aus ihrer Sicht klingt wenig schmeichelhaft: Fraktionschef Dieter Weinsheimer und der BA-Sprecher im Personalsenat, Hans-Jürgen Eichfelder, prangern eine ganze Reihe von Entwicklungen an, die zu Lasten vieler der knapp 1300 Rathaus-Mitarbeiter gegangen seien.

Die Unterbesetzung einzelner Dienststellen sei drastisch, sagt die Fraktion mit Verweis auf Stelleneinsparungen, verzögerte Wiederbesetzung von frei gewordenen Positionen und den fehlenden Ersatz von Personal im Fall von Krankheit oder Elternzeit. Abzulesen sei die Entwicklung in einer "Riesenfluktuation" und einer hohen Krankenquote, die binnen zweier Jahre um über 20 Punkte von 4,65 auf 5,5 Prozent kletterte.

Glaubt man der BA-Fraktion, die sich für ihre Aussagen auf Gespräche mit "personalkundigen Mitarbeitern" beruft, hat das Missverhältnis Methode: Mittlerweile liege Bamberg mit einem Personalkostenanteil am städtischen Kernhaushalt deutlich unter dem bayerischen Schnitt von 32 Prozent - eine Zahl, die Personalamtsleiter Peter Lutz auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigt.

Wie beurteilen die Mitarbeiter selbst ihre Lage? "Die Stadt handelt bei den Investitionen über ihre Verhältnisse und spart eklatant beim Personal. Wir möchten als Menschen gesehen werden und nicht nur als Kostenfaktor." So zitiert Stadtrat Dieter Weinsheimer Kernsätze von Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Aus Angst vor Nachteilen möchten sie anonym bleiben. Durch den Bericht der Regierung von Oberfranken werde diese Sicht untermauert: Demnach habe Bamberg im Stellenplan 191 mehr Stellen ausgewiesen als zum 30. Juni 2015 tatsächlich besetzt waren. Die Konsequenz: Manche Mitarbeiter würden jede Gelegenheit nutzen, sich andernorts zu bewerben.


Neue Leitungspositionen

Spart die Stadt auf dem Rücken der einfachen Beschäftigten? Man muss wissen: Im Umfeld der letzten Wahlen sorgte die Schaffung mehrerer hochdotierter Leitungspositionen für Schlagzeilen. Völlig abwegig scheint der Vorstoß der Bamberger Allianz nicht zu sein. Auch die Bamberger CSU hat vor kurzem mit Personalvertretern gesprochen und erkennt Verbesserungsbedarf in einigen Ämtern und Bereichen, etwa im Gartenamt. "Es gibt gute Gründe, den Konsolidierungsprozess ernstlich zu prüfen und punktuell Verbesserungen vorzunehmen. Die Stadt hat mit der steigenden Einwohnerzahl, mit mehr Verkehr und dem Flüchtlingsstrom viele zusätzliche Aufgaben zu bewältigen", sagt CSU-Fraktionschef Helmut Müller.


Kein Freibrief für neues Personal

Auch bei der SPD besteht offenbar wenig Neigung, den Antrag der Bamberger Allianz einfach abzuschmettern. Im Gegenteil, man müsse die aufgeworfenen Fragen ernst nehmen, sagt zumindest Heinz Kuntke, der eine Unterbesetzung zum Beispiel in der Bauverwaltung nicht ausschließen will. Ein Widerspruch zum Konsolidierungsbeschluss aus dem Jahr 2014 ist das für den finanzpolitischen Sprecher der SPD aber nicht: "Wir sehen den Antrag als Denkanstoß, den Einzelfall neu zu beurteilen. Ein Freibrief für mehr Personal ist das aber nicht."

Doch was ist mit dem Vorwurf der "erheblichen Unzufriedenheit in weiten Teilen der Stadtverwaltung", von der im BA-Antrag die Rede ist? Bambergs OB Andreas Starke (SPD) spricht davon, dass die Belastungen im Zuge zahlreicher Projekte und neuer Aufgaben in Teilen der Verwaltung tatsächlich bis an die Grenze gestiegen seien. Gleichzeitig warnt das Stadtoberhaupt bei stagnierenden Gewerbesteuereinnahmen allerdings davor, vom bisherigen Sparkurs abzuweichen. Auch die Streichung der 49 Stellen binnen sieben Jahren hält er für unabdingbar: "Ich werbe dafür, den Sparkurs nicht zu verlassen. Wir sind jetzt bei 75 Millionen Euro für Personal angekommen - ein Drittel der Einnahmen."

Ein weiterer Anstieg der Personalkosten schränkt laut Starke den Handlungsspielraum der Stadt ein, etwa für die Sanierung von Schulen, die Schaffung von Kitaplätzen oder die Flüchtlingsunterbringung.

Die Anfrage der Allianz soll demnächst im Personalsenat beantwortet werden, verspricht Personalreferent Christian Hinterstein. Schon heute weist er die Kritik zurück. "Eine eklatante Unterbesetzung in einzelnen Ämtern gibt es nicht. Das ist Blödsinn." Er wisse keinen Fall, in dem die Referatsleiter auf berechtigte Personalforderungen nicht reagiert hätten.
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