Bamberg
Gerichtsurteil

Messerattacke in Bamberg: Tatverdächtiger bereits früher auffällig

Ein 35-Jähriger ist vom Amtsgericht Bamberg wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Er steht wohl bald wieder vor Gericht: wegen einer tödlichen Messerattacke in einer Schuhhaus-Passage in der Langen Straße. Er gilt laut Zeugen als "ungewöhnlich aggressiv".
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Gegen den Mann, der am Montag vom Amtsgericht Bamberg verurteilt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft Bamberg auch wegen des gewaltsamen Todes von Michael G. in einer Passage in der Langen Straße. Die Anklage in dem Verfahren ist noch nicht erhoben.  Foto: Archiv
Gegen den Mann, der am Montag vom Amtsgericht Bamberg verurteilt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft Bamberg auch wegen des gewaltsamen Todes von Michael G. in einer Passage in der Langen Straße. Die Anklage in dem Verfahren ist noch nicht erhoben. Foto: Archiv
Der 35-Jährige schweigt vor Gericht. Zu den Vorwürfen will er nichts sagen, auch nicht zu seinen persönlichen Verhältnissen. Nadine Schiffers, Richterin am Amtsgericht Bamberg, sah am Montag deshalb keine Gründe, eine Bewährungsstrafe auszusprechen. Er sei von den Zeugen als "ungewöhnlich aggressiv" geschildert worden, so die Richterin in der Urteilsbegründung. Der Mann muss nun unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung für eineinhalb Jahre hinter Gitter. Auch das Messer, das bei dem 35-Jährigen gefunden wurde und das er womöglich bei den ihm zur Last gelegten Taten einsetzte, wird eingezogen.

Ein Messer spielt auch in einem viel gravierenderen Fall eine Rolle: Denn dem Verurteilten wird in einem anderen Verfahren vorgeworfen, Ende Juni in einer Passage in der Langen Straße den 35 Jahre alten Michael G. mit Messerstichen im Brustbereich getötet zu haben.
Eine Anklage hat die Staatsanwaltschaft Bamberg laut Sprecher Christopher Rosenbusch noch nicht erhoben. Frühestens Mitte Januar könnte das der Fall sein. Der 35-Jährige sitzt wegen der Vorwürfe derzeit in Untersuchungshaft.


Am Boden getreten

In der Verhandlung am Montag ging es um Taten, die sich Monate vor der tödlichen Messerattacke ereignet hatten. Der 35-Jährige soll im September vor einem Jahr auf der Kerwa in Reckendorf einen heute 20-Jährigen attackiert haben. Die Gründe wurden in der Verhandlung nicht ganz klar. Laut Zeugenaussagen soll der Beschuldigte den Mann zu Boden gebracht und dann ins Gesicht getreten haben. Das Opfer erlitt eine Platzwunde und verspürte nach eigenen Angaben infolge des Angriffs noch mehrere Wochen Schmerzen. Der Geschädigte war sechs Wochen krankgeschrieben.

Ein 22 Jahre alter Zeuge schilderte, er habe den Beschuldigten nach der Attacke festgehalten und aufgefordert zu gehen. Das soll der Bamberger auch getan haben, doch sei er zweimal zurückgekommen: "Beim letzten Mal hat er ein Messer gezogen", sagte der Zeuge vor Gericht. Der 35-Jährige soll mit dem Messer nach ihm geschwungen haben - der 22-Jährige habe einen Schritt zurück gemacht. Da das T-Shirt des Zeugen bei der Aktion vermutlich einen Schnitt abbekommen hatte, nahm Staatsanwalt Peter Bauer neben gefährlicher Körperverletzung auch Sachbeschädigung und Bedrohung in die Anklage auf.


Aggressiv aufgetreten

Nach Angaben des Zeugen ist ihm das Auftreten des Beschuldigten gut in Erinnerung geblieben: "Ich habe noch nie gesehen, dass jemand so aggressiv gegenüber jemanden anderen ist!" Ob der Angreifer zu dem Zeitpunkt alkoholisiert war, konnte nicht mehr festgestellt werden.

In einer weiteren Situation ist der Mann erneut durch sein aggressives Auftreten aufgefallen. Am 24. Januar war er mit seiner Freundin vor die Wohnung eines Mannes in Bamberg gefahren, der wohl Schulden in Höhe von rund 200 Euro bei dem Angeklagten hatte. Möglicherweise ging es um Rauschgift. Die beiden Männer kannten sich von einem Spielothek-Besuch, an dem Januar-Abend trafen sie nun wieder aufeinander.

Der Beschuldigte hatte einen Baseballschläger dabei - offenbar wollte er so das Geld eintreiben. Sein Kontrahent saß gerade im Auto mit seiner Mutter und seinen beiden Kindern im Alter von sieben und zwölf Jahren. Diese sollen Angst bekommen haben, als sie den Baseballschläger gesehen haben. Doch der 35-Jährige konnte ihn nicht einsetzen: Der Vater der Kinder schlug dem Mann sofort ins Gesicht. Das sagte der Zeuge aus.


Wieder ein Messer gezogen?

Als der Angeklagte auf dem Boden lag, soll er ein Messer gezogen und versucht haben, den Zeugen am Bauch zu treffen. Zumindest hat dieser nach der Auseinandersetzung ein kleines Loch in seiner Jacke festgestellt. Verletzt wurde er nicht. Erst als eine Nachbarin vom Balkon rief, dass sie die Polizei hole, ist der Angeklagte laut Zeugenaussagen verschwunden. Bevor er mit dem Auto wegfuhr, soll er noch in Richtung des Zeugen gedroht haben: "Wenn ich dich erwische, stech ich dich ab!"

Der Staatsanwalt sah das Auftreten des Beschuldigten als versuchte Nötigung und Bedrohung an. Strafverschärfend komme hinzu, dass "der Angeklagte wusste, dass Kinder anwesend waren", so Bauer. Der Anklagevertreter forderte ein Jahr und neun Monate ohne Bewährung.

Pflichtverteidiger Thomas Drehsen plädierte dagegen auf Freispruch. Für ihn war beim Vorfall an der Reckendorfer Kerwa nicht erwiesen, dass es sich bei dem Täter um seinen Mandanten handelte. Ebenso sei nicht belegt, dass sein Mandant in beiden Fällen ein Messer gezogen hatte.

Das Gericht sah das anders und verurteilte den Mann. Wird das Urteil rechtskräftig, muss er ins Gefängnis.


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