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Messer gegen Polizisten: Mann aus Landkreis Bamberg angeklagt

Ein 56 Jahre alter Mann ist des versuchten Totschlags in zwei Fällen und des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt.
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In Fußfesseln saß Erich E. am ersten Verhandlungstag neben seinem Verteidiger Helmut Gebhardt im Gerichtssaal. Foto: Jutta Behr-Groh
In Fußfesseln saß Erich E. am ersten Verhandlungstag neben seinem Verteidiger Helmut Gebhardt im Gerichtssaal. Foto: Jutta Behr-Groh
Vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Bamberg sitzt seit Mittwoch mit Erich E. (Name von der Redaktion geändert) ein Mann, der 56 Jahre unbescholten durchs Leben ging. Im Sommer 2016 soll er aber völlig ausgerastet sein und zwei Polizeibeamte mit einem Küchenmesser attackiert und dabei ihren Tod in Kauf genommen haben.

An das, was ihm vorgeworfen wird, hat E. angeblich keine Erinnerung. Nur vage will er noch wissen, dass an jenem Abend "was los" war unten im Haus, in dem er oben wohnt. Dass die Polizei da war, habe er im Nachhinein den Akten entnommen.


Ein Küchenmesser im Spiel

Tatort des versuchten Totschlags in zwei Fällen war die Wohnung des Angeklagten in einem Ort im südlichen Landkreis Bamberg. Genauer gesagt, das Treppenhaus vor seiner Wohnungstür im ersten Stock. In die Wohnung waren die Uniformierten gar nicht gelangt, weil E. sie - so geht es aus der Anklageschrift hervor - durch einen Spalt seiner Wohnungstür mit einem Küchenmesser auf Abstand hielt und in Richtung der Beamten stach.

Der Polizeieinsatz ging am frühen Abend des 5. Juni harmlos an: Weil E. zu Hause überlaut Musik hörte und anderer Leute Ruhe störte, war eine Polizeistreife der Inspektion Bamberg-Land am frühen Abend in die Gemeinde beordert worden. Nach einer Belehrung durch die geschlossene Wohnungstür soll er leiser gedreht haben, weshalb die Beamten wieder wegfuhren.


Ruhestörung eskalierte

Wenig später riefen Nachbarn erneut die Polizei um Hilfe, weil die Musik aus E.s Wohnung wohl mehrere Häuser weit zu hören war. Die Beamten wollten den Ruhestörer nun zur Rede stellen. Weil der nicht aufmachte, ließen sie die Tür durch die Freiwillige Feuerwehr öffnen. Als sie einen Spalt weit offen stand und ein Polizist versuchte, sie von innen weiter aufzudrücken, soll Erich E. ohne Vorwarnung mit einem Küchenmesser zwei, drei Stiche in Richtung des Beamten ausgeführt haben. Nur durch ein schnelles Zurückweichen sei der Polizist einer Verletzung entgangen, heißt es in der Anklageschrift. Sein rechter Lederhandschuh bekam einen Schnitt ab.

Nachdem sich die Situation so zugespitzt und sich E. wieder in seine Wohnung zurück gezogen hatte, rief die PI Bamberg-Land das Sondereinsatzkommandos (SEK) Nordbayern zu Hilfe. Die Beamten trafen gegen 23 Uhr ein.

Kurz nach Mitternacht entschieden sie sich zur Festnahme des Mannes. Weil er die Aufforderung, zu öffnen, ignorierte, wollten SEK-Beamten die Tür aufdrücken. Kaum war sie einen Spalt offen, soll E. wiederum mit einem Messer in Richtung der Köpfe und Oberkörper zweier SEKler gestochen haben. Beide blieben zum Glück unverletzt. Einer sei beim Versuch, sich vor dem Messer in Sicherheit zu bringen, beinahe die Treppe hinunter gefallen, trug Oberstaatsanwalt Otto Heyder aus der Anklageschrift vor. Letztlich wurde der Mann überwältigt und festgenommen. Weil sich E. heftig wehrte, muss er sich jetzt auch wegen des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verantworten.

Der Angeklagte will an das dramatische Geschehen keinerlei Erinnerung haben. Eine mögliche Erklärung dafür wäre seine Trunkenheit: Er dürfte zur Tatzeit um die 2 Promille gehabt haben. Das hat ein Sachverständiger auf der Grundlage einer Blutprobe ermittelt, die man bei E. am 6. Juni kurz vor 2 Uhr vornahm. Da hatte er noch 1,76 Promille.

Bei der Befragung durch Vorsitzenden Richter Manfred Schmidt zu Prozessauftakt deutete der Angeklagte an, dass er an dem Abend fürchtete, sein Vermieter würde kommen. Zwischen beiden muss es drei Tage vorher eine handfeste Auseinandersetzung gegeben haben.

Das "Geschrei", das er am frühen Abend des 5. Juni im Haus vernahm, will er mit dem Vermieter in Verbindung gebracht haben. Um zu hören, was unten geredet wurde, habe er seine Musik vorübergehend leiser gedreht.
Dass Polizeibeamte ihn dazu aufgefordert hatten, davon wisse er nichts.


Arbeit sein Lebensinhalt

E. hat bis zu seiner Festnahme am 6. Juni ein geordnetes Leben geführt. Die Arbeit scheint der Lebensinhalt des ledigen Industrielektronikers zu sein. Ihm ist eine Tätigkeit, die ihn erfüllt, wichtiger als ein hohes Gehalt, sagte er. 1750 Euro netto verdiente er zuletzt in einer Firma, in der er unter anderem die Auszubildenden betreute. Das Unternehmen will ihn angeblich weiter beschäftigen, sofern die Sache vor Gericht "in einem Jahr erledigt ist".

Das Verfahren wird Ende Januar fortgesetzt.

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