Litzendorf
Bürgerversammlung

Melkendorf sucht nach Lösungen

Zum Thema "Unterbringung von Flüchtlingen" lud Bürgermeister Wolfgang Möhrlein in die alte Schule Melkendorf ein. In Sachen Brauerei Winkler ist noch keine Entscheidung gefallen.
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In den Räumen der schließenden Brauereigaststätte Winkler sollen Asylbewerber untergebracht werden. Foto: Joseph Beck
In den Räumen der schließenden Brauereigaststätte Winkler sollen Asylbewerber untergebracht werden. Foto: Joseph Beck
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Das Interesse war gewaltig: Der ehemalige Schulraum war zum Bersten voll, sodass auch der angrenzende Raum noch schnell mit Lautsprechern zum Mithören angeschlossen wurde und auch der Gang genutzt wurde. Bürgermeister Möhrlein (CSU) begrüßte die Anwesenden zur Bürgerversammlung und stellte Uta von Plettenberg vom Landratsamt Bamberg vor. Sie ist als Geschäftsstellenleiterin zuständig für die Unterbringung von Flüchtlingen. Ebenfalls vom Landratsamt gekommen war Steffen Nickel, Geschäftsstellenbereichsleiter zentrale Steuerung.

Als Punkte sollten zunächst die Flüchtlingsthematik und getrennt davon im zweiten Teil das Thema Brauerei Winkler behandelt werden.
Da beide zu eng mit einander verbunden sind, ließ sich dieser Gedanke aber im Laufe des Abends oft nicht voneinander trennen.

Laut Nickel sind im Landkreis Bamberg zurzeit 1030 Asylbewerber in 21 Gemeinden in 24 dezentralen Unterkünften untergebracht. In diesen verbleiben sie, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen ist. Obendrein verfügt der Landkreis noch über zwei Notunterkünfte für bis zu 300 Plätze. Diese sind für kurzfristige Fälle gedacht, wenn zum Beispiel unerwartet Busse mit Flüchtlingen ankommen. Nach der Registrierung und ärztlichen Untersuchung werden die Menschen nach etwa einer Woche weiter in dezentrale Häuser auch in andere Bundesländer weitergeleitet. Zehn Häuser im Landkreis sind außerdem für unbegleitete Jugendliche reserviert. Nach dem Königsberger Schlüssel für die Zuteilung der Flüchtlinge muss der Landkreis jede Woche 29 Flüchtlinge unterbringen.


Flüchtlinge aus vier Ländern

Wie Uta von Plettenberg erklärte, werden nach Melkendorf voraussichtlich Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Afghanistan und Somalia kommen.

Bürgermeister Möhrlein erinnerte daran, dass vor 20 Jahren in seinem Heimatort Tiefenellern die Regierung von Oberfranken über Nacht viele Flüchtlinge untergebracht habe, ohne dass die Gemeinde eingebunden gewesen sei. "Das jetzige Modell mit Einbindung der Gemeinden zeigt, dass es erfolgreich und ordentlich laufen kann." Die Bürgerversammlung habe den Zweck, eventuelle Ängste der Bevölkerung abzubauen und sachlich zu informieren. Im Vorfeld habe der Gemeinderat Melkendorf vier Mal in öffentlicher und geheimer Sitzung teils kontrovers über das Thema Asyl diskutiert. Andere anvisierte Unterbringungsmöglichkeiten in der Gemeinde als die jetzt vorgesehenen seien nach örtlichen Besichtigungen ausgeschieden.

Auf die Frage einer Bürgerin, wie konkret die Situation der Brauerei Winkler sei, sagte Möhrlein, dass noch kein Vertrag unterschrieben sei. Der zukünftige Investor habe die Absicht geäußert, nach der Übergangszeit des Gebäudes als Asylbewerberunterkunft gegebenenfalls in die Brauerei und die Gastronomie investieren zu wollen.


Gedankenspiele

Der Bürgermeister brachte auch die Variante ins Spiel, dass die Gemeinde selbst das Winkler-Areal kaufen könnte. Da die Gemeinde es jedoch nicht selbst als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung stellen könne, müsste sie es verpachten. Mit den Einnahmen könne es dann möglich sein, künftig einen touristischen Glanzpunkt zu schaffen - Stichwort Bierkultur. Auf diese Weise, so Möhrlein, habe man immer noch selbst die Möglichkeit zu steuern und einzugreifen. "Dazu brauche ich aber euch Melkendorfer! Denn nur euch traue ich so etwas zu", appellierte das Gemeindeoberhaupt an die Anwesenden. Über seine Idee sollten sich alle Bürger über Weihnachten Gedanken machen. Und: Wenn doch alles schieflaufe, könne man auf dem Gelände immer noch Häuser bauen lassen und bekomme sein Geld wieder herein.

Später revidierte der Bürgermeister allerdings seine Gedankenspiele wieder - der ebenfalls anwesende Zweite Bürgermeister und die Gemeinderäte im Saal äußerten sich dazu nicht.
Die Aufnahme Melkendorfs in das "Städtebauliche Entwicklungskonzept" war eine weitere genannte Variante. Mit der Sanierung der Otterbachstraße könne dann auch die Restaurierung des alten Tanzsaales begonnen werden. Einige Anträge auf Abstimmung gingen in der lebhaften Debatte schließlich unter.

Nach fast vier Stunden beendete Wolfgang Möhrlein offiziell die Bürgerversammlung. Spätestens bis zur ersten Gemeinderatssitzung Mitte Januar sollen aber konkretere Pläne und Ideen vorliegen, denn ewig hinauszögern lasse sich das Ganze nicht.

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