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Bamberg
Demonstration

Markige Worte bei Bamberger Maikundgebung

Der DGB-Kreisverband Bamberg wollte ein Signal für "mehr soziale Gerechtigkeit" setzen. Zum Rundumschlag gehörte auch eine Kampfansage gegen Deutschtümelei.
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Spruchbänder prägten den Demonstrationszug zum Gabelmann, wo die Maikundgebung weitere Interessierte anlockte.  Foto: Marion Krüger-Hundrup
Spruchbänder prägten den Demonstrationszug zum Gabelmann, wo die Maikundgebung weitere Interessierte anlockte. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Frei von der üblichen Gewerkschaftsrhetorik war die Hauptrede von Jürgen Wechsler zwar nicht. Doch dem Bezirksleiter der IG Metall Bayern gelang bei der Kundgebung zum "Tag der Arbeit" am Montag das Kunststück, Arbeitnehmerforderungen mit flammenden Aufrufen für Weltoffenheit, Toleranz und Vielfalt zu kombinieren. Die vielen Zuhörer am Gabelmann quittierten diesen Spagat mit starkem Beifall.

Traditionell hatte der einladende DGB-Kreisverband Bamberg die Maikundgebung mit einem Demonstrationszug vom Bahnhof in die Innenstadt eingeleitet. Einzelgewerkschaften und Arbeitnehmerverbände mischten sich mit ihren Bannern und Spruchbändern unter die etwa 300 Marschierer. Für weitere Aufmerksamkeit sorgte die Bamberger Sambagruppe "Bateria quem é", die mit ihrem temperamentvollen Trommelwirbel auch die letzten müden Geister aufrüttelte.


Keine Chance für Rechtsnationale

Gleichwohl schreckte der erste Paukenschlag von Redner Wechsler auf: "Wir als Gewerkschaften werden nicht zulassen, dass die Feinde unserer Demokratie mit ihrer Deutschtümelei und ihren Hasstiraden auf Flüchtlinge und Fremde unsere Gesellschaft spalten! Wir werden das nicht zulassen!" Solidarität, Freiheit, Gerechtigkeit seien die Werte der Gewerkschaften und würden nicht an Staatsgrenzen enden: "Damit unterscheiden wir uns klar von denen, die eine Alternative für Deutschland sein wollen!", betonte Wechsler. Rechtsnationale "haben in unserer Gesellschaft nichts verloren! Das ist die Botschaft einer solidarischen Gesellschaft!"

Jürgen Wechsler warb für ein starkes Europa, das nach den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft und nicht nach den Prinzipien eines freien Kapitalismus organisiert sei: "Wir brauchen einen starken Sozialstaat, der für eine gerechte Umverteilung von Oben nach Unten sorgt", forderte der Gewerkschaftler. Und beklagte befristete und prekäre Beschäftigung, Leiharbeit und schlecht bezahlte Werkverträge sowie den "wesentlich zu niedrigen" gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro: "Der verhindert auch nur die totale Ausbeutung."



Als eine der Hauptursachen der negativen Einkommensverteilung führte der Redner die "seit Jahren sinkende Tarifbindung in Deutschland" an: "Skandalös sind Arbeitgeber, die sich aus der Tarifbindung davonstehlen!" Wechsler forderte im Namen der Gewerkschaften: "Wir wollen gleichen Lohn und gleiche Arbeitsbedingungen für die gleiche Arbeit!" Das gehe nur mit mehr Flächentarifverträgen und nicht mit weniger. Er rief die Politik zum Handeln auf: "Wenn die Arbeitgeber sich nicht freiwillig einem Branchen-Tarifvertrag anschließen, dann muss der Gesetzgeber sie dazu verpflichten, einen Tarifvertrag anzuwenden."

Das Thema Arbeitszeit durfte am 1. Mai nicht fehlen: "Wir müssen da massiv auf der Hut sein, da die Arbeitgeber gerade durch die Lande laufen und allen erzählen, dass zehn Stunden Tageshöchstdauer und Ruhezeiten von elf Stunden weg müssen." Wechsler plädierte für die strikte Einhaltung des deutschen Arbeitszeitgesetzes als Schutzgesetz für die Beschäftigten. Der Hauptredner kündigte an, dieses Thema Arbeitszeit in der nächsten Tarifrunde ganz oben auf die Agenda zu setzen: "Und ich verspreche Ihnen, dass wir uns durchsetzen!"

Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) bekannte in seinem Grußwort, dass die Tradition der Maikundgebung für ihn eine besondere Bedeutung habe: "weil es einen engen Schulterschluss zwischen den Arbeitnehmern und der Kommunalpolitik geben muss". Der OB nutzte die Gelegenheit, mit einem gewissen Stolz auf das wachsende Bamberg zu verweisen. Nicht nur die Zahl der Einwohner nehme zu, sondern auch die der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze und neueingetragenen Ausbildungsverhältnisse.


Gewerbe auf dem Muna-Gelände

Als Manko erweisen sich nach Starkes Worten mangelnde geeignete Grundstücke für die Ansiedlungswünsche externer Firmen. Auf dem ehemaligen Muna-Gelände sieht der OB allerdings neue Gewerbeflächen für Unternehmen. Er gehe davon aus, dass im Sommer oder Herbst der Bebauungsplanentwurf im Konversionssenat vorgestellt und die förmliche Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit erfolgen könne.

Da passte das altbekannte und nun neu angestimmte Kampflied "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit...Hell aus dem dunklen Vergangenen leuchtet die Zukunft hervor...". Zur tagesaktuellen Gegenwart am Gabelmann gehörte das abschließende Familienfest mit Musik, Hüpfburg, Luftballons, Zauberer Clausini, kulinarischen Köstlichkeiten sowie Infoständen diverser Organisationen und Gewerkschaften.

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