Spieglein, Spieglein an der Wand: Wer ist das „schönste Nachwuchsmodel Deutschlands“? „Sussan Zeck“ lautete die Antwort auf die Schneewittchen-Frage der Zeitschrift max, als die Bambergerin ihre Karriere auf dem Catwalk startete. Und seit fast vier Jahren jettet die Traumfrau nun um den Globus, deren Fotos in Magazine aus aller Welt wandern. New York, Paris, Mailand, London – Bamberg: Wir bremsten das Model bei einem Kurzbesuch aus, um es zum Leben im Sauseschritt durch die Welt des schönen Scheins zu befragen.

Interviews von Ihnen liefen auf CNN, RTL, VOX, italienischem RaiTV, FashionTV und anderen Sendern. Sie verkörpern den Traum junger Frauen, die sich nichts sehnlicher wünschen als eine Modelkarriere. Veränderte Sie das Leben im Rampenlicht?
Sussan Zeck: Verändert habe ich mich im Grunde nicht, nur weiterentwickelt – ohne dabei meine Identität aufzugeben. Ich habe gelernt, zu unterscheiden, wer ernsthaftes Interesse an mir zeigt und wer mich nur unter dem Model-Aspekt sieht. Mein Leben ist sehr facettenreich. Da hilft es, rational zu denken und sich auf unterschiedlichste Charaktere einstellen zu können. Gerade auch angesichts des großen Medieninteresses und der vielen Fragen bei kürzesten Begegnungen.
Gelingt es Ihnen bei aller Hektik noch die Sonnenseiten Ihres Berufs zu genießen?
Eine Sonnenseite meines Berufs, die ich gerade ganz bewusst genieße, ist dieses Interview.

Danke! Das ist eben Ihre Bamberg-Connection. Was waren in den vergangenen Jahren aber wirkliche Highlights zwischen Laufstegen und Fotoshootings?
Highlights waren die Shootings für ein Magazin auf dem Dach eines Skyscrapers mit Blick über New York, auf dem New Yorker Broadway und ein Nachtshooting in der menschenleeren illuminierten Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand. Nicht zu vergessen des „Teamworks“ mit dem auf meine Haarfarbe abgestimmten Kater „Mr. Grumpy“ und Aufnahmen (an einem fahrenden Bus hängend) im Pariser Künstlerviertel Montmartre. Musiker stimmten „Pretty Woman“ an – ein ergreifender Moment.
Aber es gibt Schattenseiten des Modellebens: Den Terminstress, die Rast- und Ruhelosigkeit, einsame Nächte in Hotels: Bietet dieses Leben für Sie dauerhafte Perspektiven?
Natürlich gibt es Schattenseiten wie nächtliche Probetermine für Shows, Stress und wenig Schlaf. Ich denke an einen unvergesslichen Marsch durch die griechische Einöde, nachdem mich der Taxi-Fahrer sitzen ließ, weil er den Weg zum Casting nicht kannte. Zwei Stunden lang lief ich in der Hitze bis zum nächsten Dorf.- Was die Zukunft angeht, so möchte ich mich im Grunde nicht festlegen. Man weiß schließlich nie, was einen im Leben noch erwartet.

Welche Einflüsse prägten Sie in den vergangenen Jahren, seit Sie der Chefin einer bekannten Modelagentur bei einem Besuch in München über den Weg liefen? Beflügelten Designer Ihre Karriere?
Meine erste Agenturchefin, mit der ich mittlerweile eng befreundet bin, hat meine Karriere beflügelt. Ihre Unterstützung und ihre Ratschläge waren wegweisend. Ich nehme die Dinge aber auch selbst in die Hand und verlasse mich nicht nur auf andere. Der Sixtiestrend hat meine Karriere z. B. ebenfalls gefördert, nachdem die Einflüsse meinem Look entgegen kommen.

Ist ein Geheimnis Ihres Erfolgs also die Tatsache, dass Sie lieber selbstbestimmt handeln als sich von anderen bestimmen zu lassen?
Dazu fällt mir ein Zitat Artur Rubinsteins ein: „Es gibt kein Rezept für den Erfolg außer vielleicht die bedingungslose Akzeptanz des Lebens und all dessen, was es bringt.“ Wichtig ist für mich, jeden Moment auszukosten. Je mehr das gelingt, desto reicher werden Zukunft und Vergangenheit.
Gerade erst heizte die Chefredakteurin der britischen Ausgabe der „Vogue“ die Debatte um Magermodels an, als sie sich bei großen Modehäusern beklagte, dass Kleidergrößen der Kollektionen immer kleiner würden. Ist auch bei Ihnen der Druck, auf Linie bzw. in Formate gepresst zu werden, spürbar?
Es ist schön, dass sich eine einflussreiche Redaktion diesbezüglich einsetzt. Aber unter Druck wird man nur gesetzt, wenn man diesen Druck zulässt. Ich selbst lasse mich unter keinen Umständen unter Druck setzen. Ich entscheide, welchen Job ich annehme und welchen ich ablehne. Zu viel Haut würde ich im Übrigen auch nie zeigen. Das ist ein absolutes No-Go.

Viele Anfänger lassen sich auch diesbezüglich unter Druck setzen und scheitern dennoch. Welche anderen Fallstricke sehen Sie im Model-Business?
Generell scheitern viele Newfaces am Mangel an Referenzen. Der Wert eines internationalen Models wird an Magazin-Fotostrecken, Covern und Kampagnen gemessen. Namhafte Laufsteg-Shows können Türen öffnen. Katalog-Jobs und Jobs auf regionalen Ebenen steigern den Marktwert eines Models nicht. Auch falsche Erwartungen sind ein Problem. Man muss damit zurecht kommen, permanent auf sich alleine gestellt zu sein. Viele desillusionieren Kritik und tägliche Absagen. Es ist ihnen zu anstrengend, sich mit drei oder vier Models Zimmer zu teilen, kaum Privatsphäre zu haben und in Fremdsprachen zu kommunizieren.

Sie strebten keine Modelkarriere an, als Sie am E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium noch fürs Abi büffelten. Man entdeckte Sie per Zufall. Wie werten Sie als internationales Model den Einstieg via Castingshow? Werden „Germany\'s Next Topmodels (GNTM)“, die in den Medien als Anfänger omnipräsent sind, von Insidern akzeptiert? Oder läuft ein Newface nach dem anderen in der Klum\'schen Modelschmiede vom Band, um später ein Schattendasein zu fristen?
Ich halte schon Begriffe wie Topmodel oder Supermodel völlig überzogen. Sie sollten sparsamer eingesetzt werden. Da ich selbst auf Seiten der Jury das Finale des Wiener „Elite Model Look“ begleitete, bekam ich einen hochinteressanten Einblick in Ablauf und Organisation eines Castingwettbewerbs, der jedoch nicht mit GNTM zu vergleichen war. Generell denke ich sehr kritisch über Modelcastings – darüber, Träume und Illusionen junger Menschen zu vermarkten. Erwartungen werden meistens nicht erfüllt, persönliche Interessen dem Showeffekt untergeordnet.
Es ist also ein keineswegs realistisches Bild, das „Germany\'s Next Topmodel“ vermittelt?
Nein, sicher nicht. Zumal es kaum Konkurrenz bei den gezeigten Castings gibt, bei denen normalerweise rund 500 Models mit internationalen Referenzen um Jobs konkurrieren. Ich würde von einer klischeehaften Darstellung der Branche sprechen. Und ob sich die Teilnehmerinnen nach der Sendung als Newfaces behaupten, ist individuell verschieden. Ich habe mit der Gewinnerin von „Norwegens Next Topmodel 2006“ in einer WG gelebt, sie wurde von allen akzeptiert, hat ein enormes Potenzial und internationale Erfolge. Eine Ausnahme. Von den deutschen „GNTM“-Gewinnern habe ich bis heute noch keine getroffen.
Unter internationalen Models funktioniert das Teamwork, obwohl der Konkurrenzdruck in der Branche groß ist.
Ja, wirklich. Ich habe vor kurzem auch eine Models-Union zum Austausch und Kontaktieren aller internationalen Models gegründet. Mittlerweile haben wir Mitglieder aus aller Welt bis hin zu den USA, Japan, Neuseeland und Australien.

Zurück nach Bamberg: Gerade haben Sie Eltern, Verwandte und Freunde bei einem Besuch getroffen. Sehen Sie Bamberg noch als Ihre Heimat? Geben Ihnen Ihre Wurzeln Halt beim Reisen von Casting zu Casting, von Fotoshooting zu Fotoshooting und von einer Catwalk-Show zur nächsten?
Sicher wird Bamberg meine Heimat bleiben. Ich bin hier aufgewachsen und verbinde viel Positives mit dieser wunderschönen Stadt. Ganz besonders liebe ich den Duft vom frischen Nougatzopf in der Bäckerei Beckstein und die Bierkeller im Sommer . . . Ansonsten fühle ich mich an Orten zu Hause, an denen enge Freunde leben.

Gibt es neben Freunden einen Freund, den Mann an der Seite von Sussan Zeck?
Privatleben heißt Privatleben, weil es privat ist. Mein Freund ist übrigens nicht aus der Modebranche.