Bamberg
Jubiläum

"Lohi" Bayern: Bamberg eine der ersten Beratungsstellen

Vor 50 Jahren wurde die "Lohi" Bayern gegründet - ein Verein, der die Steuererklärung für Arbeitnehmer macht.
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Andreas Reichert ist Leiter der Beratungsstelle in Bamberg am Wilhelmsplatz. Er sagt: "Wir sind für die ,Normalsterblichen‘ da.  Foto: Ronald Rinklef
Andreas Reichert ist Leiter der Beratungsstelle in Bamberg am Wilhelmsplatz. Er sagt: "Wir sind für die ,Normalsterblichen‘ da. Foto: Ronald Rinklef
Es ist eine Geschichte, die so auch in Bamberg hätte spielen können: Zehn Leute verabreden sich in einer Kneipe und debattieren, wie sie nicht nur ihre eigene Situation, sondern auch die anderer Arbeitnehmer verbessern können. Die Frage: Wie bekommen Angestellte, Beamte oder Rentner eine Steuererklärung zu günstigen Konditionen? Die Antwort: "Indem man einen Verein gründet, der den - damals noch Lohnsteuerjahresausgleich - für seine Mitglieder erledigt", sagt Andreas Reichert.

Er ist Leiter der Beratungsstelle der "Lohnsteuerhilfe Bayern e.V." in Bamberg. Die liegt nicht im Nebenzimmer eines Gasthauses, sondern am Wilhelmsplatz. Dort erzählt der 42-Jährige von der Geschichte eines Vereins, der heute in Bamberg über 4000 Mitglieder hat. Damit gehört man laut Reichert zu den besten Kunden beim Finanzamt.

Vor 50 Jahren in München gegründet, ist die Grundidee die gleiche geblieben: "Wir sind für die ,Normalsterblichen‘ da", sagt der Bamberger Chef.
Die "Lohi" ist einer jener Vereine, die Arbeitnehmern bei der Steuererklärung helfen - ausgenommen sind explizit Gewerbetreibende oder Selbstständige. "Das dürfen wir gar nicht", merkt Reichert an. Grund sind steuerrechtliche Vorgaben.

Ein weiterer Unterschied zur klassischen Steuerberatung ist die Rechtsform. Die Lohi ist ein eingetragener Verein, nicht etwa eine Kanzlei, eine Gesellschaft oder Societät.


Freistaat war die Keimzelle

Bundesweit hat Lohnsteuerhilfe-Verein rund 560 000 Mitglieder, in Bayern etwas mehr als 200 000. Dass der Freistaat "die Keimzelle" war, sehe man noch heute anhand der Beratungsstellen auf der Landkarte, so Reichert. Die zeigt auch bei Bamberg einen roten Punkt, gewissermaßen schon einen leicht ausgeblichenen. Denn die Bamberger Lohi ist eine der älteren, wenige Jahre nach der ersten bayerischen Gründung in München eröffnete 1973 die Bamberger Anlaufstelle.

Woher kommen die heute über 4000 Mitglieder? Die meisten über Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Mitglieder sind es auch, die den Verein überhaupt finanzieren. "Die Beiträge sind sozial gestaffelt und einkommensabhängig", erläutert Andreas Reichert. Wer seine Steuererklärung von der Lohi machen lassen möchte, muss zu aller erst Mitglied werden. Der Beitrag setzt sich aus einem Grundbetrag von 45 Euro zusammen, hinzu kommt ein Steigerungsbetrag von 2,50 Euro pro volle 1000 Euro Brutto-Einkommen. Beispiel: Bei einem Jahresgehalt von 30 000 Euro kostet die Lohi-Mitgliedschaft 120 Euro pro Jahr.


Überraschungen dabei

Manches Mitglied hat schon mal eine Überraschung im Gepäck, Stichwort Selbstanzeigen. "Es kann vorkommen, dass jemand erwähnt, er habe da was vergessen bei seiner Steuererklärung", merkt Reichert an. Werden die Zahlen dann beim Finanzamt korrigiert, ist ein Strafverfahren abgewendet. Dann gibt es da auch noch Depots im Ausland oder vermietete Wohnungen... "Ich bin seit über 20 Jahren im Steuerrecht. Es kommen die unglaublichsten Sachen auf den Tisch", merkt der Beratungsstellen-Leiter an. Welche, das darf er aufgrund der Verschwiegenheitspflicht nicht sagen.

Was er aber sagt: "Wir nehmen den Menschen die Angst vor Formularen."
Und dann erzählt er doch einen kleinen Schwank. Es ist die Geschichte einer älteren Dame, die mit Hut und im Mantel im Büro stand. "Sie drückte mir einen Umschlag in die Hand, Verdacht auf Steuerhinterziehung. Die Dame wusste nicht, worum es geht, ihr Mann hatte das immer erledigt."
Also hat man sich gemeinsam durch 13 Jahre Steuererklärung "durchgewühlt" und am Ende war alles halb so wild. Die Steuerhinterziehung hatte sich erledigt - und die Seniorin war glücklich.
Reichert: "Das nächste Mal, als sie mit Hut und im Mantel im Büro stand, hatte sie fünf Tafeln Schokolade dabei."
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