Bamberg
Jubiläum

Lindenstraße: Keiner will's gesehen haben

Herzinfarkt oder Mord? Lindenstraßen-Deutschland trauert um "Erich Schiller". In der Region Bamberg jedoch scheinen die echten Fans rar zu sein. Oder einfach nur schüchtern.
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Helga Beimer (Marie-Luise Marjan) findet den leblosen Körper ihres Mannes Erich (Bill Mockridge) im Schlafzimmer Foto: Steven Mahner/WDR/dpa
Helga Beimer (Marie-Luise Marjan) findet den leblosen Körper ihres Mannes Erich (Bill Mockridge) im Schlafzimmer Foto: Steven Mahner/WDR/dpa
Es ist, als ob man die falschen Leute kennt. "Lindenstraße? Nicht mal für Geld!", "Schrott", "Von Spießbürgern für Spießbürger", "Da ist mir die Zeit zu schade", "Diese Pseudoaktualität der Themen ist sowas von an den Haaren herbeigezogen. Brauch ich nicht!" Es hagelt Unverständnis.

Da läuft doch was verkehrt. Soll ich mich jetzt etwa schämen gefragt zu haben? Es war unvorsichtig, sich in der Redaktion in einem Nebensatz als Lindenstraßen-Gelegenheits-Zuschauerin zu outen. Zack, hat man den Auftrag an der Backe.

Einen Fanclub finden, dessen Mitglieder 30 Jahre nach dem Start der Serie nicht genug bekommen von Liebesleid und Liebesfreud, Problemen, Skandalen, Verbrechen, Intrigen und Familienglück in den fiktiven Münchner Mietshäusern.


Aber "Dschungelcamp" schauen!

Gut, dann keinen Fanclub. Wenigstens ein paar Dauer-Zuschauer, die sattelfest sind, was Serienstars und Handlungsstränge angeht. Einen Stamm-Zuschauer, der aus seiner Leidenschaft für Deutschlands erste "Soap" kein Hehl macht. Jemand, der wenigstens ab und zu sonntags um 18.50 Uhr das erste Fernsehprogramm einschaltet und das in der Öffentlichkeit zuzugeben bereit ist ...

Ganz gleich, wen ich auch frage - niemand will zu den zweikommanochwas Millionen gehören, die ihre wöchentliche 30-Minuten-Dosis Lindenstraße brauchen. Leute, von denen ich weiß, dass sie sich "Dschungelcamp" und "Bauer sucht Frau" antun. Angeblich nur des wohligen Gruselns wegen, wie weit sich Fernseh-Unterhaltung vom gerade noch Erträglichen entfernen kann.

Warum? Weil in der Lindenstraße alle möglichen Spielarten des Lebens abgebildet werden? Weil viele Themen vielleicht doch einen Tick zu nah dran sind an der Wirklichkeit?

Wer meint, das ernst nehmen zu müssen, der sollte vielleicht tatsächlich nichts dazu sagen. Die Serie muss man so akzeptieren wie sie ist - oder man lässt es ganz bleiben. Auch ein Aufruf auf unserer Facebookseite förderte keinen Fan zutage. Dann eben nicht.

Jemanden zu interviewen, der zufällig Beimer, Schildknecht oder Dressler heißt - was bringt's? Ist von Belang, was sich in den "Lindenstraßen" der Region so abspielt? Schließlich hätte die Serie ja auch Ahornallee heißen können!

Update: Und jetzt? Dieser eigentlich für Samstag geschriebene Artikel kann nun doch erst am heutigen Dienstag erscheinen, dem eigentlichen Jubiläum der Lindenstraßen-Erstausstrahlung (8. Dezember 1985).


Ach was. Jetzt doch?

Seit der Live-Übertragung am Sonntag, die selbst Kritikern einen Hauch Respekt abgerungen hat, scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Und jeder trauert um "Erich Schiller", den ersten echten Sympathieträger, den die Macher den Serien-Tod sterben ließen. Ist es plötzlich chic, sich zur Lindenstraße zu bekennen?

Vier der acht für diesen Text befragten Personen bleiben bei ihrer Meinung. Standhaft. Drei waren nicht zu erreichen. Vielleicht kennt man doch die richtigen Leute.
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