Bamberg
Urlaubs-Lesetipp

Lesetipp "Fränkische Verbrecher": Aus Frankens krimineller Vergangenheit

"Fränkische Verbrecher" aus sieben Jahrhunderten lässt Benedikt Grimmlers Buch aufleben. Unglaublich, aber wahr sind viele Fälle bis hin zur Jagd auf den "Werwolf von Neuses", der letztendlich am Galgen baumelte. Auch eine Giftmischerin und diverse Attentäter meuchelten. Anbei eine Leseprobe.
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"Hier, Du Verräter des Vaterlandes" rief Carl Ludwig Sand und ermordete den Dichter August von Kotzebue.  Repro: Sutton Verlag
"Hier, Du Verräter des Vaterlandes" rief Carl Ludwig Sand und ermordete den Dichter August von Kotzebue. Repro: Sutton Verlag
Die Reisezeit naht. Lektüren sind gefragt, die einem am Strand unter sengender Sonne die Langeweile vertreiben. Allen Krimifans empfehlen wir wärmstens ein Buch, das einmal nicht im 21. Jahrhundert spielt, sondern sich mit der kriminellen Vergangenheit des homo franconius befasst. Zeit wird's, nachdem sich unser Landstrich mittlerweile auch über einen eigenen "Tatort" und eine boomende Regionalkrimiszene als Zentrum des Verbrechens stilisiert. Also rein ins Vergnügen, das uns üble Schurken aus längst vergangenen Tagen bereiten.

Aus Archiven

Bis 1330 reichen die Fälle zurück, die Benedikt Grimmler als Literaturwissenschaftler über Jahre hinweg in Archiven und an Originalschauplätzen recherchierte. Ja, von der guten alten Zeit kann keine Rede sein, wie eine Giftmischerin, Betrüger, Terroristen, Attentäter, sogar ein Werwolf Lesern auf über 100 Seiten versichern.

Bleiben wir gleich beim schaurigen Geschehen um die Bestie, die im 17. Jahrhundert Mittelfranken durchstreifte. So wurden im Ansbacher Raum 1685 ein elfjähriger Bub beim Pferdehüten und eine junge Frau bei der Feldarbeit von einem aggressiven Wolf getötet. Klar, bliesen daraufhin alle zur Jagd auf die Bestie, die sich aber partout nicht zur Strecke bringen ließ. Auf diese Weise entstand wohl das Gerücht, dass das Tier vom Teufel besessen oder gar der verblichene Bürgermeister Michael Leicht - dem Grabe entronnen - sei. Irgendwann aber gelüstete es den vermeintlichen Wiedergänger nach einem Hahn. Und schon saß der Wolf in der Falle, der von seinen Häschern in einem stillgelegten Brunnen gesteinigt wurde. Damit aber nicht genug. So sorgten die Ansbacher Behörden dafür, dass man dem Tier das Fell abzog und es am Galgen als Menschen - samt Perücke, Gesichtsmaske und Bart - öffentlich zur Schau stellte. Dabei waren die Zeiten längst vorbei, in denen man Tiere noch per Gerichtsverfahren (!) zur Rechenschaft zog.

Mit Arsen

Weniger blutig, aber noch eifriger als Bürgermeister Petz meuchelte Anna Margaretha Zwanziger Anfang des 19. Jahrhunderts: Eine Nürnberger Wirtstochter, die zur Serienmörderin wurde, nachdem sie mit ihrem Mann in jungen Jahren ein stattliches Vermögen verschleuderte. Als er an Trunksucht starb, verdingte sich die Zwanzigerin als Dienstmagd. Das stank der Nürnbergerin aber offenbar so, dass sie die Gattin ihres Dienstherrn vergiftete, um deren Stelle einzunehmen. Der Plan scheiterte, woraufhin sich die Täterin munter weiter durch noch diverse Haushalte im Kulmbacher und Bayreuther Raum mordete. Von Bamberg aus wurde Anna Margaretha Zwanziger 1811 zum Tod verurteilt und starb in Kulmbach in einem Aufsehen erregenden Spektakel: 350 Soldaten mussten im Zentrum der Stadt für Ordnung sorgen, nachdem sich eine "unermeßliche Volksmenge" einfand, die die Enthauptung der Serienmörderin sehen wollte. Glücklicherweise kam das Ende der Zwanzigerin, die zuvor noch bekannt hatte, es "würde ihr nicht möglich sein, die Giftmischereien zu unterlassen".

Überhaupt rollen die Köpfe in Benedikt Grimmlers Buch, das das historische Geschehen keineswegs nur streift, sondern umfassend aufarbeitet. Schon Ritter Arnold von Uissigheim, mit dem das Verbrechen im lieblichen Taubertal seinen Anfang nimmt, starb 1336 per Schwerthieb. Verdient hatte auch er's, nachdem der abgehalfterte Edelmann einen Haufen Getreuer um sich scharte und als König Armleder Jagd auf Juden machte. Was die Menschen nicht daran hinderte, ihn zeitweise noch als Märtyrer zu verehren.

"Verräter des Vaterlandes"

Springen wir zu den politischen Attentätern der Neuzeit: Beginnend beim Theologiestudenten (!) Karl Ludwig Sand, der August von Kotzebue am 23. März 1819 in Mannheim erdolchte (was den Dichter zumindest in bleibender Erinnerung hielt). "Hier, Du Verräter des Vaterlandes" rief der verblendete Wunsiedler Burschenschaftler dabei, der Kotzebue als vermeintlichen Feind aller national und liberal eingestellten Studenten sah. Nur erwies er gerade ihnen einen Bärendienst, nachdem man dererlei Tendenzen daraufhin im nach-napoleonischen Deutschland entschieden bekämpfte - nicht zuletzt über ein Verbot der Burschenschaften .

Zwei Schwerthiebe beförderten den Attentäter ins Jenseits, der sich zuvor noch vergeblich umbringen wollte. Nur ließ Sand dabei die Entschlossenheit, mit der er Kotzebue ins Grab brachte, vermissen. Verehrt wurde er von zahllosen Gesinnungsgenossen dennoch, wie der Autor berichtet. So zerlegte die Menge die Hinrichtungsstätte vor dem Heidelberger Tor nach den entscheidenden Hieben "binnen Kurzem in ihre Einzelteile". Quasi-Reliquien in Form von "aufgewischtem Blut, Haaren, Fetzen der Kleidungsstücke und Splittern des Hinrichtungsstuhls" seien eben äußerst gefragt gewesen.

Mit den Nürnberger Aktivitäten der RAF endet das Geschehen, das zuvor noch über andere Täter die dunkle Geschichte unserer Heimat beleuchtete. Aber lesen Sie alles Weitere selbst - am Strand, auf dem Balkon oder am Baggersee.

Hier geht's zur Leseprobe


Auf einen Blick

"Fränkische Verbrecher - Die spannendsten Kriminalfälle 1330-1975" von Benedikt Grimmler erschien im
Sutton Verlag und ist im Handel unter ISBN: 978-3-95400-506-2 erhältlich.

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