Gaustadt
Toter 32-Jähriger

Leiche in Gaustadter Schleuse: Unglück bei Junggesellenabschied

Nach dem Fund einer Leiche an der Gaustadter Schleuse ermittelt jetzt die Kripo. Was als harmloser Junggesellenabschied begann, endete mit einem Drama.
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Rettungskräfte am Sonntag an der Schleuse Gaustadt. Foto:Ronald Rinklef
Rettungskräfte am Sonntag an der Schleuse Gaustadt. Foto:Ronald Rinklef
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Ein tragisches Unglück beschäftigt die Kripo Bamberg: Am Sonntagmittag konnte ein Mann aus der Regnitz nur noch tot geborgen werden. Was wohl als harmloser Junggesellenabschied begann, endete in einem Drama.

Feuerwehr, Notarzt und Wasserwacht waren am Sonntag sofort zum Unglücksort geeilt, doch sie konnten nichts mehr für den jungen Mann im Wasser tun, ein Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. Noch am Sonntag hatte die Polizei bekanntgegeben, dass es sich bei dem Toten um einen 32-jährigen Mann aus dem hessischen Gießen handelte.

Am Tag danach gibt Alexander Czech, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, nur wenig Informationen preis: "Wir geben keine Spekulationen heraus. Es geht hier auch um eine besondere Rücksichtnahme auf Angehörige."

Eine Recherche im Rathaus der hessischen Gemeinde Lahnau aber hatte zum Ergebnis, dass der ums Leben gekommene 32-Jährige als Bräutigam seinen Junggesellenabschied in Bamberg feierte. Im Dezember wollte er demnach seine Lebensgefährtin heiraten, mit der er ein zweijähriges Kind hat.

Wie Radio Bamberg zudem berichtete, habe vom Bräutigam nach einem Clubbesuch in der Oberen Sandstraße mit Bekannten plötzlich jede Spur gefehlt.

Auf der Suche nach ihrem Freund hatte sich die Männergruppe sogar noch beim Radiosender per Telefon gemeldet, denn der 32-Jährige war auch nicht im Hotel aufzufinden.

Wie und warum der Mann ums Leben kam, dazu gibt es weiter keine Erkenntnisse. Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken schweigt zu Vermutungen, ein Sprecher verweist auf die laufenden Ermittlungen.
Eine Obduktion soll am heutigen Dienstag stattfinden, am späten Nachmittag dann rechnen die Ermittler dann mit ersten Ergebnissen.


Todessprung in die Regnitz bei Junggesellenabschied 2009 in Bamberg

Bereits vor sieben Jahren gab es einen tödlichen Zwischenfall bei einem Junggesellenabschied: Damals zogen zehn Freunde aus Schweinfurt durch Bamberg, feierten ausgelassen und tranken viel Alkohol. Einer von ihnen sprang vom Geyerswörthsteg aus rund vier Meter in die Regnitz hinab - vor den Augen zahlreicher Touristen.
Das Wasser ist an dieser Stelle nur 1,20 Meter tief. Der junge Mann war mit dem Kopf aufgeschlagen, zog sich beim Sprung ins Wasser schwerste Verletzungen an der Schädeldecke zu. Betreuer einer Jugend-Kajakgruppe konnten damals den Körper zwar bergen, alle Wiederbelebungsversuche waren jedoch vergeblich.

Das Problem "Junggesellenabschiede" verärgerte lange nicht nur die Gastronomie in Bamberg.Seitdem viele Lokale, Kneipen und Keller solche Gesellschaften nicht mehr bedienen, besuchen deutlich weniger dieser Partygrüppchen die Domstadt.


Ursachenforschung: Wo stürzte der Mann in den Fluss?

Seit rund 40 Jahren macht er den Job, arbeitete schon an der Schleuse, als die ehemalige Baumwollspinnerei Erlangen Bamberg (Erba) noch in Betrieb war. Am Sonntagmittag dann, um 12.15 Uhr, entdeckte der Mitarbeiter etwas, was ihn stutzig werden ließ. Dann die schreckliche Gewissheit: Es ist ein Mensch.

Den leblosen Körper habe der Mitarbeiter am "Rechenreiniger" der Wasserkraftanlage an der Schleuse aufgefunden, wie Michael Merk gegenüber inFranken.de sagt. Merk ist "Chief Operating Officer" von "Johannes Kraus Immobilien und Wasserkraftwerke", die die Anlage an der Gaustadter Hauptstraße betreibt. Es wäre nicht das erste Mal, dass dabei jemand in einem Bamberger Gewässer ums Leben kommt. Noch hat die Polizei aber nichts in dieser Richtung bestätigt.


Für Stadtbrandrat Matthias Moyano ist es der erste bekannte Fall einer Person, die tot in der Gaustadter Schleuse angespült wurde. Auch beim Wasserwirtschaftsamt, sozusagen dem Gewässereigentümer, ist weiter nichts bekannt. Das sagt Frank Hafner, stellvertretender Amtsleiter, gegenüber inFranken.de. Er sowie Moyano sprechen nur von Tierkadavern, die gelegentlich in Schleusenanlagen angespült würden. Marcus Petermann von der Wasserwacht Bamberg, die ebenfalls am Sonntag im Einsatz war, erinnert sich noch an den Fall eines Engländers vor zirka zehn Jahren, dessen lebloser Körper sich ebenfalls im Rechen der Gaustadter Schleuse verfangen hatte.

Doch welchen Weg nimmt das Wasser? Wie Hans Joachim Rost, Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamtes für Stadt und Landkreis Bamberg erläutert, muss auch im aktuellen Fall der 32-jährige Mann irgendwo zwischen Altem Rathaus und der Erba-Schleuse ins Wasser gestürzt sein. Oder er gelangte über den Nonnen- beziehungsweise Hollergraben in die Regnitz und wurde von dort in den Rechen der Schleuse gespült.

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