Bamberg
Computerbetrug

Lehrstück vor Bamberger Amtsgericht: Die Pin war immer in der Börse

Eine Verhandlung vor dem Bamberger Amtsgericht offenbarte, dass viele Leute im Geldbeutel auch die Pin für ihre Karten aufbewahren.
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Als Telefonnummer getarnte Pin: Patrick B. ist mit solchen einfachen Verschlüsselungen nicht zu überlisten. Symbolfoto: Gertrud Glössner-Möschk
Als Telefonnummer getarnte Pin: Patrick B. ist mit solchen einfachen Verschlüsselungen nicht zu überlisten. Symbolfoto: Gertrud Glössner-Möschk
Diese Verhandlung vor dem Bamberger Schöffengericht war ein Lehrstück für Jedermann. Ein Dieb stiehlt Geldbörsen, wo immer er Gelegenheit dazu hat: in Hotels und Gasthäusern, in der Baumschule, im Baumarkt, in der Sozialstation, in Geschäftsräumen.

Ausnahmslos in jedem Portemonnaie findet er die zu den Bank- oder Kreditkarten gehörenden Pin-Nummern - mal im Original, mal getarnt als Telefonnummer oder aber rückwärts aufgeschrieben. Fast jedes Mal hat er an einem Geldautomaten damit Erfolg.


51 Mal am Automaten

"Es wurde ihm sehr einfach gemacht", konstatierte Staatsanwalt Thomas Heer in seinem Plädoyer, und mit Blick auf die im Gerichtssaal anwesende Schulklasse gab Richterin Marion Amann ihrer Hoffnung Ausdruck, dass dieser Fall eine Warnung für alle sein möge, mit Geheimnummern nicht leichtfertig umzugehen.


Elf Mal hat der 34 Jahre alte Patrick B. (Name von der Redaktion geändert) aus Magdeburg in der Zeit vom 28. November 2011 bis 19. Mai 2015 zugegriffen und 51 Mal Geld an Automaten abgehoben. Seine Beute betrug insgesamt 34 000 Euro. Das Geld hat der arbeitslose, aber aus vermögendem Hause stammende Mann weniger zur Sicherung seiner Existenz gebraucht, sondern in erster Linie genutzt, um sich damit ein "besseres" Leben zu machen: Er leistete sich dafür ein schönes Auto und kaufte Drogen.

Obwohl er über viele Jahre von Lübeck bis Niederbayern unbehelligt auf Beutezug gehen konnte, nannte der Staatsanwalt die Vorgehensweise dilettantisch: Beim Geldabheben hat sich Patrick B. nie maskiert oder getarnt. Es gab zahlreiche Aufnahmen von Überwachungskameras, auf denen er eindeutig zu erkennen war.


Funkzellendaten überprüft

Das wenig professionelle Vorgehen war es auch, das die Polizei auf seine Spur brachte. Ein Kriminalbeamter aus Schweinfurt erklärte im Zeugenstand, wie es zur Festnahme des äußerst mobilen und überwiegend in Bayern aktiven Täters kam.

Als B. am 19., 20., und 21. Mai 2015 in Hofheim, Stegaurach, Ansbach und Bamberg mit einer gestohlenen Karte Geld abheben wollte, dabei drei Mal Erfolg hatte und 7500 Euro erbeutete, fiel einem Polizeikollegen auf, dass es sich um einen Serientäter handeln muss, der auch schon in Niederbayern aktiv war. Daraufhin wurden Funkzellendaten überprüft und festgestellt, dass zu den jeweiligen Abhebezeiten in Hofheim und Ansbach dieselbe Mobilfunknummer eingeloggt war.

Über diese Nummer kam die Polizei auf den Namen des Täters, konnte an Hand der Funkdaten ein Bewegungsbild rekonstruieren und feststellen, dass der Mann häufig in Bayern unterwegs war. Außerdem fanden sich auf Facebook Fotos, auf denen Patrick B. mit Brillen zu sehen war, die er sich mit einer gestohlenen Kreditkarte gekauft hatte. Die Durchsuchung seiner Wohnung und Finanzermittlungen brachten die endgültigen Beweise.

Danach aber hat er es den Ermittlern leicht gemacht: Schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt legte er ein umfassendes Geständnis ab und begann unverzüglich mit der Wiedergutmachung. Dafür setzte er die kleine Erbschaft seiner Großmutter ein. Vom Schaden hat er mittlerweile ein Drittel beglichen und in einigen Fällen sogar über den reinen Geldverlust hinaus "Schmerzensgeld" bezahlt.

Zu Beginn der Verhandlung und am Ende der Beweisaufnahme beteuerte Patrick B., dass er die Taten bereue. In den letzten acht Monaten, die er in Untersuchungshaft verbracht habe, sei er zu dem Schluss gekommen, in Zukunft "einfach nur ein normales Leben" leben zu wollen.

Seine Reue, die Wiedergutmachung des Schadens und sein Geständnis rechnete ihm das Schöffengericht bei der Strafzumessung als Milderungsgründe an. Es gab aber auch Umstände, die zu Lasten des Angeklagten wogen, beispielsweise die 14 Vorstrafen, die im Bundeszentralregister aufgelistet sind, darunter mehrere Fälle von Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie Diebstahl.

Wenig Verständnis zeigte das Schöffengericht dafür, dass er manche Taten während seiner Bewährungszeit verübte. Eine neuerliche Aussetzung zur Bewährung komme deshalb nicht mehr in Frage. Der Angeklagte habe "den ganzen Vorschuss verbraucht", sagte Richterin Amann.


An der untersten Grenze

Aus prozessualen Gründen mussten zwei Gesamtstrafen gebildet werden: Sie lauteten auf ein Jahr und sechs Monate sowie ein Jahr wegen Computerbetrugs und Betrugs.

Das Schöffengericht blieb damit an der untersten Grenze dessen, was Staatsanwaltschaft und Verteidigung in einem so genannten Rechtsgespräch vor Beginn der Beweisaufnahme vereinbart hatten. Die Richterin schloss mit einem Appell an Patrick B.: "Das Gericht hofft, dass Sie etwas dazugelernt haben."
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