Bamberg
Lange Strasse

Lange Straße in Bamberg: Radler und Autofahrer immer noch sauer

Seit einem halben Jahr müssen sich Radfahrer und Autofahrer durch eine künstlich geschaffene Engstelle in der Langen Straße quetschen. Der erhoffte Gewöhnungseffekt ist offenbar nicht eingetreten, wie eine Umfrage zeigt.
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Fragwürdige Neugestaltung: Die Anfang 2015 geschaffene Auspflasterung zwängt 14 000 Auto- und Radfahrer auf eine vier Meter breite Engstelle in der Langen Straße.  Fotos: R. Rinklef
Fragwürdige Neugestaltung: Die Anfang 2015 geschaffene Auspflasterung zwängt 14 000 Auto- und Radfahrer auf eine vier Meter breite Engstelle in der Langen Straße. Fotos: R. Rinklef
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Es hat nicht lange gedauert gedauert, dann war unsere Veröffentlichung voll mit Kommentaren. Die Redaktion wollte auf ihrer Bamberger Facebookseite wissen, wie die Verkehrsregelung in der Langen Straße nach sechsmonatiger Praxis ankommt. Haben sich die Auto- und vor allem die Radfahrer daran gewöhnt, dass sie sich den vielbefahrenen Boulevard an einer Engstelle teilen müssen? Ist der Ärger über die Verbannung der Radler verraucht, der zu vielen bösen Kommentaren und sogar einer Drahteseldemo in Bamberg geführt hatte?

Der Rücklauf von Meinungen lässt eher das Gegenteil vermuten. Unverblümt verurteilten die Leser die Aufhebung eines offenbar funktionierenden Radwegs. Mehrfach ist da die Rede von Schildbürgerstreich. Wenig schmeichelhafte Worte findet etwa B: "Der größte Schwachsinn, der je ausgedacht wurde. Macht die Verkehrssituation nur unnötig gefährlich für Radfahrer."

Dann ist da dieser Satz zu lesen: "Es ist eine Zumutung, einen vorhandenen Radweg mit Blumenkübeln zuzustellen und nur zu warten, bis der erste schlimme Unfall passiert."

Manchmal sind Rathausentscheidungen schwer vermittelbar: Als die Mehrheit im Umweltsenat im Mai die neue Regelung nach dem Reißverschlussverfahren und mit Dutzenden auf den Asphalt gepinselten Piktogrammen bekräftigte, da gab es am Maxplatz tatsächlich noch Hoffnung, dass sich die Bamberger Verkehrsteilnehmer daran gewöhnen würden...

Doch ein halbes Jahr nach dem Auftauchen der Radfahrer abweisenden Blumenkübel stellt sich die Sicherheitsfrage in der Langen Straße wie am ersten Tag. Und nicht nur bei denen herrscht Unsicherheit, die selbst in die Pedale treten. Auch Udo Skrzypczak, Leiter der Bamberger Polizeiinspektion, kann seine Skepsis gegenüber der zwangsweisen Zusammenführung von über 9300 Autofahrern und 4200 Radfahrern am Tag auf einem kaum vier Meter breiten Straßenstück kaum verhehlen. Selbst wenn es noch nicht zu einem schweren Unfall gekommen ist: "Es gibt hier eine gewisse Gefährdung, die uns nicht gefällt", sagt Skrzypczak. Eine Verbesserung wäre aus Sicht der Polizei sinnvoll. "Wir wollen ja nicht warten, bis etwas passiert."


"Gefahrenlage beenden"

Erst im Oktober hatte die grüne Fraktion in einem Antrag gefordert "die Gefahrenlage Lange Straße umgehend zu beenden". Die GAL reagierte damit auch auf einen Antrag der CSU vom Juni, die Kurzzeitparkplätze auf der gegenüberliegenden Seite durch ein eingeschränktes Halteverbot zu ersetzen - ein ungewöhnliches Signal, nachdem die CSU stets gegen den Abbau von Parkplätzen votiert hatte. Würde es dazu kommen, entfielen 14 Stellplätze, die bei Handel, Dienstleistung und Gastronomie hohen Stellenwert genießen.

Wer sich die Situation vor Ort ansieht, stellt aber schnell fest, dass auch ohne Parkplätze die ventilartige Verengung der Langen Straße nicht aus der Welt geschafft wäre. Sie entstand Anfang des Jahres durch eine von der Hellerstraße weit in die Lange Straße hineinreichende Aufpflasterung. Damals wurden einem Plan aus dem Jahr 2012 folgend die Bordsteinkanten vorgezogen und der Gehweg verbreitert, ohne dass freilich ein erkennbarer gestalterischer Nutzen damit verbunden wäre. Wer heute der gedanklichen Linie des vormaligen Radwegs folgt, wird unsanft vom Bordstein und einer Reihe von Fahrradständern gebremst, die Einfahrt der Hellerstraße erscheint überdimensioniert.

Helmut Müller (CSU) hatte diesen Missststand schon im Mai erkannt und für eine schnelle Verbesserung plädiert - die Absenkung der frisch verlegten Bordsteinkanten. Nicht einmal seine eigene Fraktion folgte ihm.
Auch im Winter 2015 sieht es nicht nach rascher Abhilfe aus. In der Stadt hat sich quer über alle Fraktionen zwar eine Arbeitsgruppe "Lange Straße" formiert. Doch die berät über die langfristige Neugestaltung der Einkaufsstraße mit eventueller Verkehrsberuhigung und höhengleichem Ausbau ab 2017. Hintergrund: Nächstes Jahr soll mit dem Bau der Handelsquartiers "an der Mauer" begonnen werden und auch das frühere Easy Living sieht einer Sanierung entgegen.
In der Zwischenzeit müssen sich Rad- und Autofahrer mit einem Provisorium abfinden, das bei vielen auf Ablehnung stößt: "Extrem gefährlich diese neue Regelung, einmal nicht aufgepasst und der Radfahrer kommt unter die Räder", schreibt uns der Bamberger M.
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