Bamberg
Verkehr

Lange Straße: Bamberger Stadtrat unter Beschuss

Wohl nie zuvor in der Geschichte Bambergs ist derart heftig über einen Radweg diskutiert worden wie über die Auflösung des Streifens in der Langen Straße. Nun gibt es sogar erste Verschwörungstheorien über einen ideologischen Hintergrund: Sollte am Ende Bamberger "Kampfradlern" eins ausgewischt werden"?
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Das übliche Getümmel zur Hauptverkehrszeit in der Langen Straße. Wird es mit der neuen Verkehrsregelung auf Dauer gutgehen? Das fragen sich viele Bamberger.  Foto: Ronald RinklefDas übliche Getümmel zur Hauptverkehrszeit in der Langen Straße. Wird es mit der neuen Verkehrsregelung auf Dauer gutgehen? Das fragen sich viele Bamberger.  Foto: Ronald Rinklef
Das übliche Getümmel zur Hauptverkehrszeit in der Langen Straße. Wird es mit der neuen Verkehrsregelung auf Dauer gutgehen? Das fragen sich viele Bamberger. Foto: Ronald RinklefDas übliche Getümmel zur Hauptverkehrszeit in der Langen Straße. Wird es mit der neuen Verkehrsregelung auf Dauer gutgehen? Das fragen sich viele Bamberger. Foto: Ronald Rinklef
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Wann ist zuletzt in Bamberg derart heftig über einen Radweg diskutiert worden - und derart negativ? Die Entscheidung des Umweltsenats, allen Protesten vieler Verkehrsteilnehmer zum Trotz, den vielbefahrenen Radweg in der Langen Straße aufzulassen und Radfahrer und Autofahrer gemeinsam durch eine vier Meter breite Engstelle zu zwingen, hat vor allem in den sozialen Netzwerken einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Nachzulesen ist die verbale "Breitseite" gegen die Bamberger Volksvertreter und ihr umstrittenes Beharrungsvermögen unter anderem auf der Facebook-Seite von "Bamberg - meine Stadt". 90 Kommentare beschäftigen sich hier mit den Veränderungen in der Langen Straße. Und die Diagnose fällt verheerend aus. Begriffe wie Schildbürgerstreich, Unsinn und Verschlimmbesserung sind noch die harmloseren.

Glaubt man den Einträgen, hat es bereits mehrere strauchelnde Radler und auch einen Unfall gegeben. Thomas Amm bestätigt gegenüber dieser Zeitung, dass ihn "wegen der Verkehrsplanung" im dichten Verkehr ein Autofahrer abdrängte. Um eine Kollision zu vermeiden, musste Amm ausweichen und stürzte auf den Gehweg. Glücklicherweise ist der Unfall noch glimpflich ausgegangen.

Unzufriedenheit allerorten

Die Unzufriedenheit mit der neuen Verkehrsregelung ist auch auf infranken.de mit Händen greifbar. In unserer nicht repräsentativen Umfrage stimmen von 298 Nutzern 78 Prozent gegen eine gemeinsame Fahrbahn mit Autofahrern in der Langen Straße. Nur ein einziger Kommentator verteidigt die neue Regelung und lobt die Stadträte: "Seit Langem mal wieder eine vernünftige Entscheidung im Stadtrat - à la bonne heure, Heller und Deuber!", frohlockt Andreas Stenglein. Meist gibt es aber harsche Kritik. Nur ein Zitat von vielen: "Wählen Sie diesen ... Stadtrat sofort ab! Das ganze Sortiment sollte ausgetauscht werden. Hatte es nicht erst eine tote Radfahrerin in Bamberg gegeben?"

Auch die Erklärung von CSU-Sprecher Franz-Wilhelm Heller, lässt Mutmaßungen über einen ideologischen Hintergrund der Entscheidung ins Kraut schießen. Er hatte am Dienstag gesagt, dass nur für solche Radfahrer Nachteile entstünden, "die meinen an Autofahrern rechts vorbeifahren zu müssen". Leser F. unterstellt, dass ein Exempel statuiert werden sollte: "Ihm stinkt, wenn Radfahrer am Stau vorbeiziehen, sie einen Vorteil aus ihrem geringen Raumanspruch ziehen."

Vor Ort scheinen sich die Wogen zu glätten

Es ist auch die klare Mehrheit gegen den Radweg, die Fragen aufwirft. Nachdem sich die Grünen mit ihrer Forderung, die Parkplätze wegzunehmen und den Verkehr sofort zu beruhigen, nicht durchsetzen konnten, war Stadtrat Michael Bosch (BR), der einzige, der gegen die Zusammenführung so vieler Verkehrsteilnehmer in einer Engstelle votierte. Dieses Ergebnis verwunderte vor allem deshalb, weil am Vortag mit Helmut Müller und Klaus Stieringer die Spitzen sowohl der CSU- als auch der SPD-Fraktion ihre Sympathien für eine bürgernahe und weniger umstrittene Regelung geäußert hatten.

Freilich sitzen die beiden nicht im Umweltsenat. Dieter Weinsheimer, Fraktionschef der Freien Wähler, sprach am Mittwoch von einer Klatsche gegen gewisse Kampfradler.

Wenigstens vor Ort scheinen sich die Wogen allmählich zu glätten. Ulrike Beckstein vom gleichnamigen Kaffeehaus spricht davon, dass sich die Zahl der irregeführten Gehwegradler allmählich reduziert. Ihre Hoffnung ist, dass die Stadt den Plan, die neuen Piktogramme bis zum Schönleinsplatz fortzuführen, bald in die Tat umsetzt, so dass sich die Verkehrsteilnehmer nicht erst in der Engstelle auf den Mischverkehr einstellen können, sondern bereits am Anfang der Straße. Auch weitere Blumenkübel auf dem Radweg könnten ihrer Meinung nach hilfreich sein, um Pedalisten vom falschen Weg abzuhalten.
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