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LKR Bamberg
Studie

Kulturinventur im Steigerwald

Eine ausführliche Untersuchung beleuchtet die Kulturlandschaft der Naturpark-Region und bewertet die Aussichten auf einen Unesco-Welterbe-Titel.
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Im Blickpunkt: das ehemalige Zisterzienserkloster Ebrach und die einst dazugehörigen Wälder. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Im Blickpunkt: das ehemalige Zisterzienserkloster Ebrach und die einst dazugehörigen Wälder. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Was macht man, wenn ein Welterbe her soll, die Unesco für den Wald aber mehr verlangt, als ein paar Trittsteine - nämlich ein richtig großes Naturschutzgebiet. Das Schutzgebiet - idealerweise ein Nationalpark - wird aber von diversen Interessengruppen, die politisch am längeren Hebel sitzen, nicht gewollt.

Also lässt man die Natur, also den Wald als wichtigstes Pfund, mit dem man wuchern könnte, einfach stillschweigend Wirtschaftswald sein und stürzt sich auf die Kultur. Hauptsache ein Titel. Und mit dem Weltkulturerbe hat man in den benachbarten Städten Würzburg (Residenz, seit 1981) und Bamberg (Altstadt, seit 1993) hat man damit ja beste Erfahrungen gemacht. So geschehen bei der Regionalkonferenz zum Steigerwald, mit der Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) Gegner und Befürworter eines Nationalparks an einen Tisch bringen wollte.

Ganz rund lief es an dem Runden Tisch offenbar nicht, wie die weitgehende Ausklammerung des Natur-Aspekts zeigt. Dafür wurde, um sich dem Thema Kultur zu nähern, vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ein umfangreiches Gutachten in Auftrag gegeben. Herausgekommen ist die "Kulturlandschaftsinventarisation Steigerwald", durchgeführt vom Büro für Heimatkunde & Kulturlandschaftspflege aus dem hessischen Morschen. Und was die beiden Autoren Thomas Büttner und Andrea Lorenz in ihrem 470 Seiten starken Abschlussbericht nun vorgelegt haben, ist wirklich ein starkes Stück Steigerwald. Detailliert und umfassend gehen sie auf Geografie und Geschichte der Region ein.

Ursprünglich sollte die Studie nur den nördlichen Steigerwald beleuchten, als den Bereich, der für einen Nationalpark infrage käme. Schließlich wurde sie aber auf den gesamten Naturpark Steigerwald ausgeweitet, der sich seit 1988 über 1280 Quadratkilometer auf die sechs Landkreise Bamberg, Haßberge, Kitzingen, Schweinfurt, Erlangen-Höchstadt und Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim erstreckt.

Ergänzend zur wissenschaftlichen Analyse wurden auch die Ergebnisse von 20 sogenannten Landschaftswerkstätten, die in verschiedenen Steigerwaldorten stattfanden, in den Bericht aufgenommen.

Im Fokus der Untersuchung stand vor allem das ehemalige Kloster Ebrach und die Waldwirtschaft der Zisterziensermönche. Der Steigerwald soll damit nicht reines Naturrefugium betrachtet werden, wie es sich die Nationalparkbefürworter wünschen, sondern als vom Menschen geprägte Kulturlandschaft, die weitere Bewirtschaftung nicht nur erlaubt, sondern geradezu verlangt, so die Intention der Auftraggeber.

In diesem Punkt zeigt "Kulturlandschaftsinventarisation" jedoch klar auf, dass der Weg zum Welterbe nicht nur steinig und steil, sondern auch alleine keinesfalls zu bewältigen ist. "Die Chancen, einen Weltkulturerbe-Titel für den Steigerwald respektive für die Klosterlandschaft Ebrach zu erlangen, sind bei einer alleinigen Bewerbung ... als gering einzuschätzen", schreiben die Autoren. Insbesondere seien die "Einwirkungen des Klosters Ebrach auf die Kulturlandschaft nicht als außergewöhnlich zu bewerten, sondern finden zahlreiche regionale Entsprechungen und fügen sich in die Regelhaftigkeiten der kulturlandschaftlichen Entwicklung Mitteleuropas ein.

Ihr Fazit: "Nach dem derzeitigen Kenntnisstand kann weder das Kloster Ebrach noch eine mit dem Fokus auf den Mönchgau zu umreißende Klosterlandschaft respektive des Klosterwaldes, der im Wesentlichen in der Hand des BaySF-Forstbetriebs Ebrach liegt, für sich alleine genommen einen außergewöhnlichen universellen Wert in Anspruch nehmen." Eine Chance besteht der Studie zufolge nur mittels einer angehängten Bewerbung an vergleichbare Kandidaten in Tschechien oder Österreich. Das gleiche gilt auch für eine in der Wertigkeit nicht ganz so hoch anzusetzende Bewerbung um ein Europäisches Kulturerbe-Siegel.

Dennoch stellen die Autoren zusammenfassend fest, "dass sich der Steigerwald durch eine sehr hohe kulturlandschaftliche Vielfalt auszeichnet, die eng an die naturräumlichen Gegebenheiten gebunden und damit im höchsten Maße Eigenart prägend ist." Drei dieser Steigerwälder Eigenarten wird die Chance auf einen Platz im Bundesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes zugesprochen: der Tradition des Rechtlerwesens und der bäuerlichen Gemeinschaftswälder", den Bürgerwehren sowie der Baumfelderwirtschaft und Dörrobstherstellung (Fatschenbrunner Hutzeln) sowie den Bürgerwehren. Bei allen dreien bliebe der Land Bamberg allerdings außen vor.

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