Bamberg

Kritik am Mohrenhaus in Bamberg: die Reaktionen im Netz

Nach unserem Bericht über die Anfeindungen gegen das Mohrenhaus in Bamberg: Inhaber bekommen in den sozialen Netzwerken und auf InFranken.de Zuspruch.
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Die Reaktionen auf die Anfeindungen gegen das Mohrenhaus an der Oberen Brücke in Bamberg fallen eindeutig aus. Foto: Ronald Rinklef
Die Reaktionen auf die Anfeindungen gegen das Mohrenhaus an der Oberen Brücke in Bamberg fallen eindeutig aus. Foto: Ronald Rinklef
Die Diskussion ums Mohrenhaus hat auch unsere Leser auf inFranken.de und auf Facebook beschäftigt. Eine deutliche Mehrheit stellt sichnach unserem Bericht hinter die Inhaber. Die Nutzer kritisieren die auf dem Rücken des alteingesessenen Geschäfts an der Oberen Brücke geführte Rassismus-Debatte. Wie berichtet, sahen sich die Inhaber des Mohrenhauses Anfeindungen wegen des angeblich diskriminierenden Namens ausgesetzt.

CSU-Stadtrat Gerhard Seitz bedankt sich für die Klarstellung über die Wortherkunft des Begriffs "Mohr", der vom heiligen Mauritius abstammt.
Seitz verurteilt die von Kritikern unsachlich geführte Diskussion: "Auch wenn die öffentliche Diskussion zum Mohrenhaus schon lange zu erwarten war, political correctness geht und ist anders." Seine Stadtratskollegin Daniela Reinfelder (BuB) sieht es ähnlich: Sie bedankt sich über Artikel und Kommentar und gratuliert den Mohrenhaus-Betreibern fürs Durchhaltevermögen. "Wir leben gerade in einer seltsamen Phase. Bleiben wir dran, unseren Kindern und der Jugend Werte und Respekt zu vermitteln und dummes Geschwätz auszuhalten!", schreibt Reinfelder.


"Mohrenhaus nicht rassistisch"

So wie die Stadträte sehen es die meisten Leser, ohne den Bogen zu überspannen. Sigrid A. schreibt auf unserer Facebookseite: "Was soll denn das, es war schon immer das Mohrenhaus und wird es bleiben. Ich persönlich hatte noch nie einen bösen Hintergedanken dabei... Bei meiner Mutter in Bayreuth gibt es seit vielen Jahren die Mohren-Apotheke in der Innenstadt, da hat noch nie jemand Anstoß daran genommen."

Thomas L. schreibt: "Das Mohrenhaus hat eine tolle Bedeutung und gehört zu Bamberg dazu und ist nicht rassistisch!!" Und Evelyn N. würzt die Diskussion mit einem ironischen Kommentar: "Coburg braucht dann auch dringend ein neues Stadtwappen..."

Völlig ernst ist es dagegen Waltraud R.: "Das ist keine Diskussion, das ist einfach ,Gschmarrie‘. Entweder haben diese Dummköpfe Drogen genommen oder sie sind gelangweilt. Im zweiten Fall sollen die in den Wald gehen und Holz machen!"

Die Mehrzahl der Leser fand den Kommentar unserer Redaktion zu dem Thema mit der Überschrift "Dümmer geht's nimmer" passend. Rainer P. hätte dagegen auf den Kommentar verzichten können, der Artikel habe ausgereicht: "Die einen wissen jetzt, dass Mohr keine Herabwürdigung, sondern ein tradierter, ehrenwerter Begriff ist; andere müssen sich nach einem alternativen Schimpfwort umsehen. Insofern hatte der Trubel also auch sein Gutes. Was die Reaktionen aber auch zeigen ist, dass das positive Beispiel des Begriffes ,Mohr‘ kein Freibrief sein kann, sich nicht fortlaufend und immer wieder mit der eigenen Sprache kritisch und hinterfragend auseinander zu setzen."

P. schreibt weiter: "Für mich gilt immer zu schauen, wie der Begriff konnotiert ist und welche Absicht damit verfolgt wird. So habe ich z. B. absolut kein Problem mit einem Zigeunerschnitzel. Ich habe ein Problem damit, wenn jemand die unterschiedlichsten Volksgruppen pauschal und abwertend als ,Zigeuner‘ bezeichnet."

Arnd R. positioniert sich ähnlich: "Auch ich bin ein Freund des Mohrenhauses und nicht begeistert von übertriebener, falsch verstandener political correctness." Er findet grundsätzlich den Kommentar unserer Redakteurin gut, weist aber auch auf ein Problem der Debatte hin: "Was mich allerdings an der Diskussion nervt, ist, wie der Kommentar von Frau Gertrud Glössner-Möschk leider den Trägern rechten Gedankenguts schon wieder ein Forum bietet, gegen ,Gutmenschen‘, ,Genderismus‘ und ähnliches zu hetzen."

Georg G. findet wichtig, dass eine solche Debatte geführt wird: "Etwas Rassistisches als solches zu bezeichnen halte ich nicht für verwerflich. Die Art und Weise ist diskutabel und die Diskussion beginnt schon mit den verschiedenen Auffassungen von Rassismus."


Gästeführerin berichtet

Eine ergänzende Erklärung für die Symbolfigur an der ehemaligen Apotheke, aus der später das Mohrenhaus wurde, liefert Kunsthistorikerin Christine Freise-Wonka per Mail: "Der Mohr als Apothekenpatron kommt vermutlich aus der Dreikönigsverehrung. Caspar, der jüngste der drei Könige, der Mohr, brachte Myrrhe, ein wichtiger Bestandteil in vielen ,Composita‘ (Pflanzenmischungen zur medizinischen Behandlung)." Die Stadtführerin berichtet von ihren Erfahrungen. Auch die Touristen würden demnach keinen Anstoß am Mohrenhaus nehmen: "Ich werde als Gästeführerin auch auf den Namen angesprochen, aber immer mit dem Unverständnis für die Abschaffung solcher angeblich rassistischer Bezeichnungen."

Kommentare (20)

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