Bamberg
Erlebnis

Kraulend durchs Welterbe

Die Traumstadt Bamberg lässt sich auf vielerlei Wegen erkunden - aber vom Wasser aus? Zwei Langstreckenschwimmer stürzten sich in die Fluten.
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Martin Tschepe und Conny Prasser erkunden Bamberg vom Wasser aus - und haben offensichtlich viel Spaß dabei. Fotos: Christian Hübner/Martin Tschepe
Martin Tschepe und Conny Prasser erkunden Bamberg vom Wasser aus - und haben offensichtlich viel Spaß dabei. Fotos: Christian Hübner/Martin Tschepe
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Nach eineinhalb Stunden im Wasser wird's hart. Die Strömung im Main-Donau-Kanal wird stärker und stärker. Kein Wunder, wir kraulen seit ein paar Kilometern immer in Richtung Staustufe. Und weil es ordentlich geregnet hat, ist ein Stauwehr geöffnet. Die Wassermassen schießen stromabwärts, kommen direkt von vorne.

Egal, die Conny und ich, wir kraulen weiter, immer weiter. Conny Prasser will im Sommer die Doppelbelt-Querung angehen, als erste Frau überhaupt. Und ich habe vor, mit meinem Schwimmfreund Dierk Jensen in der Nordsee von Insel zu Insel zu kraulen, von Pellworm, wo Dirk aufgewachsen ist, möglichst bis nach Sylt, wo ich zur Schule gegangen bin. Bei diesem Freiwassertraining - einmal rund um Bamberg - können die Conny und ich die Gegenströmung also gut brauchen, Bedingungen fast wie im Meer.

Wie kommt man bloß auf die (Schnaps)Idee, im Kanal und in der Regnitz einmal um die mittelalterliche Stadt in Oberfranken zu schwimmen? Der Christian ist schuld. Christian Hübner. Der Informatiker aus Bamberg hat vor ein paar Jahren den Ärmelkanal bezwungen. Trainiert habe er dafür auch in der Regnitz, das hat der Christian bei unserem ersten Treffen erzählt, beim Saarschwimmen in Mettlach 2015. "Komm mal nach Bamberg, dann schwimmen wir zusammen", hat der Christian damals vorgeschlagen. Gerne.

An diesem sonnigen Tag in Bamberg ist der Christian leider heftig erkältet, er will lieber nicht ins 18 Grad warme Regnitzwasser. Also begleitet er uns am Ufer mit dem Rad. Weist den Weg, dirigiert uns - vorbei an den Schleusen und später mitten durch die imposante Altstadt.


Nur keinen Ärger einheimsen

Ist das überhaupt erlaubt, das Schwimmen in der Regnitz und im Kanal? Wir haben lieber niemanden gefragt. Wir kennen uns aus mit Flussschwimmen - halten uns immer ganz nah am Ufer, bekommen bei dieser tollen, gut elf Kilometer langen Trainingseinheit jedenfalls keinen Ärger. Dafür von manchen Passanten mitunter ein bisschen Applaus.

Die letzten Meter bis zum Wehr sind geschafft. Wir krabbeln über glitschige Stufen aus dem Kanal. Machen ein paar Fotos. Trinken, essen etwas. Laufen um das Wehr herum und steigen wieder ins Wasser. Jetzt ist die Strömung kaum mehr zu spüren. Noch geschätzt einen weiteren Kilometer - und wir biegen rechts ab, hinein ins Vergnügen, in die Regnitz, die sich fast von allein schwimmt.

Mit der Strömung sausen wir in Richtung Altes Rathaus. Zunächst vorbei an einem Wäldchen. Am Ufer sitzt ein Mann und angelt - und staunt, als er uns entdeckt. Wir kraulen vorbei an der Hainbadestelle, es ist also nicht generell verboten, das Schwimmen und Baden in der Regnitz. Andere Schwimmer treffen wir aber keine. Ein paar Badegäste liegen in der Sonne.

Ein freundlicher Fährmann erklärt uns mitten in der Stadt, dass wir nun nur noch ein paar hundert Meter schwimmen und dann aussteigen sollen. Das nächste Wehr. Der Christian passt uns ab, geleitet uns - jetzt zu Fuß - durch ein paar Gassen zur nächsten Einstiegsstelle. Die Fußgänger staunen nicht schlecht: eine Frau und ein Mann im Schwimmdress mitten in Bamberg?


Fotos vom Wasser aus

Die Schwimmstrecke durch Klein-Venedig, die ehemalige Fischersiedlung der Stadt, wird zum Höhepunkt dieses Schwimmausflugs im Bayerischen. Grandios. Wir stoppen kurz. Schießen vom Wasser aus ein paar Erinnerungsfotos vor dieser einmaligen Häuserfront mit Gärtchen direkt am Ufer.

Und weiter. Noch eine Staustufe umlaufen. Nach rund zehn Kilometern erreichen wir wieder den Kanal, biegen rechts ab - und sind wieder in der Gegenströmung. Nochmal einen Kilometer Krafttraining - dann sind wir zurück beim Ruderklub, wo wir gestartet sind.

Martin Tschepe ist Redakteur der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer des SV Ludwigsburg. Auf swim.de berichtet er gelegentlich von seinen Schwimm-Abenteuern.
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