Bamberg
Interview

Kräutermischungen sind ein Problem in Franken

In Franken häufen sich Fälle, bei denen junge Mengen Kräutermischungen rauchen. Diese "Legal Highs" sind nicht nur gefährlich, sondern oft auch illegal.
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Foto: Boris Roessler/dpa
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Fast täglich wird im Polizeibericht von Notarzt-Einsätzen wegen des Konsums von Kräutermischungen gesprochen. Speziell in Forchheim häufen sich diese Einsätze in letzter Zeit.

Häufig wird behauptet, dass Kräutermischungen geraucht werden, weil Marihuana illegal sei. Polizei und Staatsanwaltschaft dementieren dies. Der Konsum von Marihuana sei nicht gesunken. Bei den meisten Konsumenten handelt es sich um Misch-Konsumenten. Oft sei es aber auch Neugier.

Christopher Rosenbusch, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Bamberg, Markus Reznik, Betäubungsmittelbeauftragter der Staatsanwaltschaft Bamberg und Volker Braun vom Kommissariat IV der Kriminalpolizei Bamberg beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Kräutermischungen.


Welche Substanzen werden als Kräutermischungen bezeichnet?
Volker Braun: Kräutermischungen sind eine Untergruppe von synthetischen Drogen, speziell von neuen psychoaktiven Substanzen. Das sind mehrere Gruppen, die man da unterscheidet. Eine davon ist die Gruppe der synthetischen Canabinnoide, die landläufig als Kräutermischungen bezeichnet werden. Das Wort deutet ja schon darauf hin, wo es her kommt, es geht um eine synthetische Gewinnung des Wirkstoffs aus den Cannabis-Produkten. Dadurch, dass dieser chemisch gewonnen wird, ist der Wirkstoffgrad wesentlich höher.

Wieso sind diese synthetischen Cannabinoide dann legal, wenn die Wirkung um ein vielfaches höher ist als beim illegalen Cannabis?
Markus Reznik: Es ist nur zum Teil die Wahrheit, dass das legal ist. Man muss da unterscheiden. Es gibt einige Wirkstoffe, die bereits illegal sind und unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, andere, die wieder ganz neu auf den Markt gekommen sind, die noch nicht in dieses Anlage des Betäubungsmittelgesetzes aufgenommen worden sind, die sind dann derzeit noch legal. Es dauert immer eine Zeit, bis die Stoffe aufgenommen sind und wenn es dann soweit ist, kommen wieder neue auf den Markt.

In Forchheim soll es einen Laden geben, der "Legal Highs" verkauft. Ist der Polizei das bekannt?
Braun: Natürlich kennt die Forchheimer Polizei den Laden. Sie werden zum Beispiel auch bei Notarzt-Einsätzen dazu gerufen, wenn die Konsumenten völlig hilflos sind. Die Notärzte sind im Übrigen auch ratlos, denn sie wissen oft nicht, was sie den Konsumenten als Gegenmittel geben sollen. Das Problem sind mögliche Wechselwirkungen, die man nicht abschätzen kann, wenn man nicht weiß, was genau der Patient geraucht hat.

Wenn dieser Laden aber doch bekannt ist, wieso wird dort nicht eine Razzia gemacht?
Braun: Sollte es aus polizeilicher Sicht Anhaltspunkte geben, dass es in diesem Laden tatsächlich illegalen Substanzen zu kaufen gibt, würde das sicher passieren.

Aber dass es die verbotenen Substanzen sind, muss erstmal gesichert sein?
Braun: Momentan wissen wir immer erst im Nachhinein, ob etwas illegal war oder nicht.

Wenn man die "Legal Highs" kauft, weiß man nicht, was drin ist. Die Menschen kaufen sie vermeintlich legal und können dann aber für illegale Drogen verhaftet werden?
Rosenbusch: Der Begriff "Legal High" ist natürlich auch missverständlich. Jeder, der sich so eine Mischung besorgt, muss sich bewusst sein, dass er nicht erkennen kann, was drin ist und dementsprechend auch nicht weiß, ob es wirklich noch nicht illegal ist.

Braun: Bei Besitz einer solchen Kräutermischung geht die Polizei von einem Anfangsverdacht aus. Die Mischung wird sichergestellt und ein Ermittlungsverfahren wird eingeleitet. Dann übernimmt die Staatsanwaltschaft.

Auch bei Gerichtsverhandlungen, zum Beispiel am Amtsgericht, sind die Kräutermischungen regelmäßig Gegenstand, obwohl die Mischungen ja nicht per se illegal sind. Wieso?
Reznik: Es gibt zwei Möglichkeiten. Einmal durch die Auswirkungen, also wenn die Kräutermischungen den Nutzer in einen Rauschzustand versetzen und sie dann zum Beispiel Auto fahren, dann ist das Trunkenheit im Verkehr. Das ist die eine Sache. Die andere Sache ist, wenn jemand mit einer Kräutermischung erwischt wird, die bereits illegal ist.Dann ist der Besitz strafbar, wie bei anderen Drogen. Da ist es auch so, dass bereits eine geringe Menge zu erheblichen Strafen führt. Es wird bei Gericht dabei zwischen geringer und nicht geringer Menge unterschieden. Die nicht geringen Mengen sind dabei genau festgelegt. Nur um einen Vergleich zu haben: Bei Methamphetaminen, also Crystal, spricht man ab fünf Gramm von einer nicht geringen Menge. Bei synthetischen Cannabinoiden hat der Bundesgerichtshof teilweise die Grenze der nicht geringe Menge bei zwei Gramm festgesetzt.

Kann man das dann auch mit der Gefährlichkeit gleichsetzen? Crystal ist schließlich eine sehr gefährliche Droge und bei Cannabis spricht man ja von einer weichen Droge.
Reznik: Ja, denn es gibt genaue Parameter, nach denen man das definiert und dazu gehört eben auch die Gefährlichkeit. Dadurch, dass die Cannabinoide synthetisch hergestellt sind, ist die Wirkung eben auch sehr stark. Und unberechenbar.

Mit welcher Strafe ist zu rechnen?
Reznik: Wenn tatsächlich der Wirkstoff in nicht geringer Menge vorhanden ist, reden wir von einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren.

Neben Besitz und Trunkenheit im Verkehr - gibt es da noch andere Auffälligkeiten? Zum Beispiel Gewalttaten unter dem Einfluss von Kräutermischungen?
Reznik: Teilweise werden die Leute aggressiv, allerdings haben wir bei den Kräutermischungen vermehrt festgestellt, dass die Leute in einen hilflosen Zustand geraten. Sie können sich häufig überhaupt nicht mehr kontrollieren. So flüchten zum Beispiel immer wieder Patienten aus dem Krankenhaus.



Informationen zu NPS

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