Bamberg
Premiere

König Ödipus rappt Kreon in Grund und Boden

Eines uralten Stoffs hat sich das Bamberger "Theater im Gärtnerviertel" angenommen. Sophokles' "König Ödipus" in der Textfassung von Bodo Wartke wird jedoch zum Vergnügen, ohne dass das Drama in Klamauk abgleitet.
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In Mehrfachrollen brillieren im "König Ödipus" des Theaters im Gärtnerviertel Olga Seehafer und Stephan Bach Fotos: Werner Lorenz
In Mehrfachrollen brillieren im "König Ödipus" des Theaters im Gärtnerviertel Olga Seehafer und Stephan Bach Fotos: Werner Lorenz
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Das ist schwere Kost, seit zweieinhalbtausend Jahren, und Schweres meidet der an Leichtes gewöhnte Zuschauer von heute gern. Wie also den antiken Tragödienstoff um den unglückseligen Ödipus, der unwissentlich den eigenen Vater tötet und die Mutter heiratet, einigermaßen verdaulich auf die Bühne bringen? Das Theater im Gärtnerviertel (TiG) hat mit bescheidenen Mitteln ganz Erstaunliches geleistet, was die Premiere von Sophokles' "König Ödipus" in der Regie von Nina Lorenz am Freitagabend bewies.

Bildende und darstellende Kunst

Viel dazu beigetragen hat auch der Spielort: Das Atelier Bernd Wagenhäusers in der Gertraudenstraße mit Heavy-Metal-Skulpturen, archaischen Formen, schwerem Gerät, passt wie eigens dafür gefertigt zu dem Spiel um Schicksal und Schuld, Verblendung und Vorsehung. Ein steiler Treppenaufgang fungiert dann auch wie eine Art Deus ex machina ...

Doch keine Angst, den Tragödienstoff lockern immer wieder Ironie und Witz auf, wobei die tiefere Bedeutung nicht verloren geht. Dafür sorgt die verwendete Textfassung. Die stammt vom Klavierkabarettisten Bodo Wartke, der in der Region u. a. als Moderator von "Songs an einem Sommerabend" bekannt geworden ist. Wartke spielt in einem Soloprogramm alle Rollen des antiken Dramas selbst und musiziert noch dabei. Etwas größer ist die Besetzung des TiG schon, wobei Jóhannes Klütsch am Schlagwerk dezent und doch energisch die schrecklichen Ereignisse begleitet.

Stephan Bach und Olga Seehafer übernehmen jeweils mehrere Rollen, die sie blitzartig wechseln - eine Meisterleistung! Signalisiert wird das durch minimale Veränderungen der wallenden, antikisierenden Kostüme (Nikola Voit). So wird in Blitzesschnelle aus Ödipus die Königin Iokaste, aus dem König Polybos die Sphinx, die Stephan Bach ganz wunderbar gibt. Wartke lässt in seinem meist gereimten Text mit jambischen Rhythmus die Vorgeschichte der Handlung auch erzählen, so dass man der verwickelten Geschichte leicht folgt.

Die Aufgabe von Regie und Ensemble war, den mit Pointen gespickten Wartke-Ödipus nicht zum Klamauk verkommen zu lassen. Denn die Versuchung ist schon groß: Da reimen sich Blümchen und Bienchen auf Kaninchen, da antwortet Ödipus auf "mit Billigung von Apoll" "na toll", da heißt es "Iokaste - wat haste?". Vor allem im zweiten Teil jedoch bricht sich gebührender Respekt vor Sophokles' Urfassung mit vielen Zitaten Bahn: Die Balance ist gelungen, aus der Tragödie wird eine Tragikomödie.

Es sind aber auch Kabinettstückchen genug enthalten. Der über seine Obsession klagende Ödipus ("Ich glaube, ich habe einen Komplex") wird ergänzt durch einen Gospel-Song ("Theben hat den Blues") in der Manier von "Go Down Moses" oder einen Rap zwischen Kreon und Ödipus. Stephan Bach läuft wie gewohnt zu wahrer Bühnen-Wucht auf, und Olga Seehafer steigert sich zu einer kongenialen Partnerin. Wenn am Schluss der geblendete Ödipus mit einer von Wagenhäuser gefertigten Maske dasteht, die zu den aktuellen Exponaten passt, kann man mit dem frenetisch klatschenden Publikum nur sagen: großes kleines Theater.

Weitere Vorstellungen
8., 13., 14., 18., 20., 21., 25., 27. März, jew. 20 Uhr Karten beim bvd, Tel. 0951/9808220, E-Mail info@bvd-ticket.de; Betten Friedrich, Obere Königstr. 43, Tel. 0951/27578


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