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Bamberg
Klimawandel

Klimawandel macht den Frühling in Bamberg sonniger

Bamberg profitiert von einem Wetterphänomen, das auffallend häufig wiederkehrt: Lang anhaltende Hochdrucklagen mit viel Sonne versüßen das Frühjahr. Doch der klimatologische Mallorca-Trend im Lenz hat auch eine dunkle Seite.
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Trend in der Wetterküche? Der tiefblaue Himmel über dem Alten Rathaus spannt sich seit einigen Jahren vor allem im Frühling. Die Sommer waren dagegen zuletzt häufig verregnet.  Foto: RR
Trend in der Wetterküche? Der tiefblaue Himmel über dem Alten Rathaus spannt sich seit einigen Jahren vor allem im Frühling. Die Sommer waren dagegen zuletzt häufig verregnet. Foto: RR
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Wenn Gärtner Hans-Jürgen Eichfelder in den Boden seiner Felder greift, dann rieselt die schwarzgraue Erde fein durch seine Finger. Staubtrocken sind die Fluren in diesem Frühjahr im Bamberg - wieder einmal hat es lange Zeit fast nichts geregnet: Wo unter Folien die ersten Radieschen reifen, geben seit Wochen die Sprinkleranlagen zischend den Takt vor. "Ohne Wasser aus unseren Brunnen geht nichts", sagt Eichfelder.

Für die Spaziergänger und Sonnenanbeter, die am Mittwoch bei erstmals 24 Grad Parkanlagen und Straßencafés der Stadt bevölkerten, stellt sich die Sachlage buchstäblich ungetrübt dar. Nach einem langen und trüben Winter ist der Sonnenschein, den der April auf Bambergs Straßen schickt, Balsam für die geschundene Seele. Nur zu gerne hat man sich daran gewöhnt, dass dem extremen Lichtmangel um die Jahreswende das andere Extrem auf den Fuß folgt: viel Sonne - mit Trockenheit und Wind gepaart.

Der Blick in die Statistik der Bamberger Wetterwarte bestätigt die Beobachtungen aufmerksamer Zeitgenossen. In der sonst eher turbulenten mitteleuropäischen Wetterküche mit häufig durchwachsenen Sommern und ebensolchen Herbst- und Wintermonaten ist es ausgerechnet der Frühling, der zu einer sicheren Wetterbank geworden zu sein scheint, nicht zuletzt auch der angeblich wetterwendische April. So kam es in den letzten fünf Jahren in Bamberg immerhin vier Mal zu bis zu vier Monate anhaltenden Trocken- und langen Sonnenscheinperioden in dieser Zeit.

Die diesjährige Bilanz mit gerade mal 44 Litern Niederschlag in zweieinhalb Monaten ist fast schon der Normalfall: Auch 2010, 2011 und 2012 fielen zwischen Februar und Mai oft nur die Hälfte der normalen Niederschläge - oder weniger. Einzig das Jahr 2013 mit Dauerregen und Mai-Hochwasser schlug aus der Art.

Mallorca in Franken? Zumindest im Frühling hat man eine gute Chance, mitteleuropäisches Dauergrau abzuschütteln, wovon etwa die Macher des Weltkulturerbelaufs in Bamberg regelmäßig profitieren. Sechs Mal fand das Lauf-Ereignis am ersten Sonntag im Mai in Bamberg statt. Sechs Mal strahlte die Sonne vom makellosem Himmel.

Von Bambergs sicherem Frühjahrshoch kann auch Johannes Lüers von der Uni Bayreuth ein Lied singen. Seit einigen Jahren beobachtet der Klimaforscher, wie die Landschaften in der Mitte Deutschlands mit wachsender Regelmäßigkeit im Frühling austrocknen. Kärgliches Wachstum auf sandigen Böden, sinkende Grundwasserspiegel als Folge hoher auch windbedingter Verdunstung, manchmal sogar Waldbrandgefahr in Nadelholzgebieten sind die Folge, wenn Hochdruckgebiete häufig das Regiment übernehmen. Ein zweischneidiges Schwert: Was die Gärtner in Bamberg wegen ihrer Brunnen locker wegstecken, was Radfahrer und Spaziergänger frohlocken lässt, bringt Landwirte heuer wieder ins Schwitzen.

Frankens Frühlingsgefühle haben noch eine zweite dunkle Seite: Sie könnten nur der Anfang einer aus dem Takt geratenen Wettermaschine sein. Meteorologe Lüers nennt sie ein "deutliches Zeichen", dass der menschengemachte Einfluss die Stabilität des Klimas schneller verändert als es die Experten vorhergesehen haben. "Die Fühjahrstrockenheit in Franken ist kein Zufall mehr. Die Zirkulationsmuster unseres Wetters haben sich verändert", sagt Lüers.
 

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