Melancholische Musik, schwarz-weiße Szene: zwei Heroinjunkies bereiten ihren Schuss vor, dazu läuft Johann Sebastian Bach - krasse Bilder. "Liebe Eva, mein Gewissen erlaubt es mir nicht dir zu helfen, solange du dich nicht von Herrn Krämer trennst. Dieser Mann liebt dich nicht, er missbraucht deine Seele. Dein Vater", liest Eva Baumann, gespielt von Anna Maria Mühe, gleich am Anfang in einer weiteren Einstellung ihrem Freund Jo Krämer (Max von Thun) vor - harte Worte.

"In der Welt habt ihr Angst" ist ein Film über unerschütterliche Liebe, über nicht erwiderte Liebe, über väterliche Liebe und das ganz normale Chaos von zwei Junkies, die sich auf Entzug befinden - mitten in der kleinbürgerlichen Idylle Bambergs. Ein klassisches Melodram mit viel Pathos, toller Musik und hervorragenden Schauspielern.

"Der war hier für Bamberg gedreht, die Geschichte funktioniert nicht in Berlin, New York oder London", sagt Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Hans W. Geißendörfer nach der Vorstellung: "Wenn man als Junkie auf kalten Entzug geht, hat man in Berlin eine Chance, weil man anonym bleiben kann. Wenn man aber Junkie in Bamberg ist, besteht die Gefahr, dass man immer Junkie bleibt." Der 69-jährige Filmemacher war vor allem von der Kulisse, die sich ihm in Bamberg "mit den Hügeln, Kirchen und Türmen" bietet, begeistert. Sieben Wochen wurde in der Weltkulturerbestadt gedreht.

Max von Thun hatte zwei Wochen lang in München in einer Anlaufstelle für Süchtige gearbeitet, um sich auf seine Rolle als Junkie vorzubereiten und hat sich viel von Suchtkranken erzählen lassen: "Da habe ich weit mehr als nur für den Film gelernt. Eigentlich gibt es für den Junkie immer nur den nächsten Schuss. Dass ist die Sinnsuche von Süchtigen." Er und seine Filmpartnerin Anna Maria Mühe mussten für den Film mächtig abnehmen - zerfallen und fertig sehen beide im Film aus.

Das neuste Werk Geißendörfers lebt von der hervorragenden Leistung der beiden Hauptdarsteller und von Axel Prahl, der einen Altphilologen spielt. "Dieser Film ist sehr altmodisch gemacht. Er wurde auf 35 mm gedreht. Einfach mit ner Handkamera durch die Gegend hinter zwei Junkies herzulaufen, dass wollte ich nicht", berichtet Geißendörfer. Das Bamberger Publikum wusste das alte Handwerk zu schätzen und zeigte sich zufrieden: Erika Janßen (66) haben vor allem die Schauspieler gefallen: "Der Film ist super. Mir hat das gefallen, dass der Schluss offen bleibt. Da kann man sich wunderbar etwas drauf vorstellen." Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt, zeigte sich begeistert: "Der Geißendörfer geht im Moment als Botschafter durch die ganze Nation und erzählt, wie wunderbar Bamberg ist - das ist natürlich echte Werbung für die Stadt und unbezahlbar."