Eine Bürgerinitiative fordert eine Alternative zur problematischen Unterbringung von Flüchtlingen in Roßdach bei Scheßlitz. Doch in Bamberg tut sich wenig bis nichts.

Ein Riesenproblem: Das Auffanglager in Zirndorf platzt wegen der vielen Krisengebiete weltweit aus allen Nähten. Die Regierung von Oberfranken sucht händeringend jede Woche für 15 Asylbewerber neue Plätze. Doch ausgerechnet im dicht besiedelten Westen des Regierungsbezirks tut sich wenig bis nichts.

Die Zahlen sprechen für sich: Die Stadt Bayreuth beherbergt in ihren Mauern über 230, Hof 208, Bamberg aber nur 49 Asylbewerber. Auch der Landkreis schien lange Zeit außen vor: Bis November gab es in seinen Grenzen keinen einzigen Flüchtling, seit Kurzem sind es 32 Menschen, die in einem Hotel in Roßdach bei Scheßlitz leben.
Genau das ist der Grund, der die Bamberger Bürgerinitiative "Freund statt fremd" auf die Palme bringt. "Das abgelegene Roßdach ist denkbar ungeeignet für eine Asylbewerberunterkunft", sagt Sylvia Schaible. "Die Menschen, die hier wohnen, sind abseits jeglichen gesellschaftlichen Lebens, haben kaum Möglichkeit, aus dem kleinen Ort wegzukommen. Und die Stadt Bamberg tut nichts und sitzt das Problem aus", sagt Schaible.

Den Missstand hat "Freund statt fremd" in einem Brief an den Regierungspräsidenten Wilhelm Wenning und Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) angeprangert. Was Mitstreiter wie Mitra Sharifi oder Manuela Thomer zu dem Appell an Regierung und die Stadt Bamberg veranlasst, ist nicht allein die schwierige Lage von Flüchtlingen in der weitgehenden sozialen Isolation einer 100-Seelen-Gemeinde. Es ist vor allem die Aussicht, dass das aus der Not geborene Provisorium eine dauerhafte Lösung werden soll: "Für die Flüchtlinge wäre das schrecklich. Schon jetzt sind die jungen Menschen, mit denen ich Kontakt habe, sehr verzweifelt. Sie verarmen menschlich, weil sie dort nichts tun können", sagt Sharifi.


Suche nach Alternativen bisher ergebnislos



Auch im Landratsamt weiß man, dass Roßdach keine idealer Ort für Flüchtlinge ist. Doch die Suche des Landkreises nach Alternativen sei in sämtlichen Gemeinden ergebnislos geblieben. Die Regierung hat deshalb von ihrem Recht auf Zuweisung Gebrauch gemacht und die Landkreisbehörde nur wenige Tage vor der Ankunft der ersten Flüchtlinge in Roßdach informiert, heißt es auf unsere Anfrage in der Landkreisbehörde. Dort bestätigt man, dass die Unterkunft nicht nur eine Übergangslösung sein wird: "Wir gehen davon aus, dass die Regierung Roßdach als Gemeinschaftsunterkunft übernimmt." Immerhin: Ein Pendelbus ist nach Auskunft des Landratsamt eingerichtet. Mit ihm können die Menschen nach Scheßlitz fahren.

Doch ist es ein städtisches Problem, dass die Unterbringung von Flüchtlingen im Landkreis Bamberg auf Kritik stößt? Stadträtin Ursula Sowa (GAL) findet, dass die Stadt Bamberg nach dem im Herbst gefassten Beschluss, 150 Asylbewerber dezentral in Bamberg unterzubringen, die Suche nach geeigneten Immobilien nur zögerlich vorantreibt. Sie habe Kenntnisse, dass der Eigentümer der ehemaligen Postgebäude an der Memmelsdorfer Straße auch an einem Heim für Studenten und Asylbewerber Interesse habe. Wegen des Wahlkampfs sei das Thema auf die lange Bank geschoben worden - zum Nachteil der Betroffenen, meint Sowa.


War die Stadt untätig?



Oberbürgermeister Andreas Starke hatte sich im Stadtrat stets zu den humanitären Verpflichtungen aus dem Asylrecht und zur Gerechtigkeit unter den oberfränkischen Städten bekannt. Nun wirft man ihm vor, eben dieses Versprechen mit zu wenig Nachdruck zu verfolgen. Doch Starke hält es für falsch, der Stadt den schwarzen Peter zuzuschieben, nachdem der Landkreis bis November 2011 keinen einzigen Asylbewerber aufgenommen hatte. Die Verwaltung sei nicht untätig gewesen, sondern habe Objekte in Gaustadt und am Bahnhof geprüft. Unterkünfte zu finden, sei freilich keine leichte Sache angesichts des prekären Wohnungsmarkts. Wichtig ist Starke, festzuhalten, dass es keine Aufgabe der Stadt Bamberg ist, sondern der Regierung, für die Asylbewerber-Unterkünfte zu sorgen: "Die auf Oberfranken entfallenden Kontingente sind kein Bamberger Problem."

Doch wie lange wird sich die vornehme Zurückhaltung der West-Oberfranken noch halten lassen? Die Regierung in Bayreuth macht keinen Hehl daraus, dass die Plätze im Bezirk nach wie vor nicht ausreichen - trotz Roßdach und trotz einer vor Kurzem angemieteten Unterkunft in Weismain. Deshalb sucht Bayreuth in Bamberg nach Unterkünften, bestätigt Sprecherin Corinna Boerner. Dabei spielt es auch eine Rolle, dass das Gesetz eine der Einwohnerzahl entsprechende Verteilung der Asylbewerberzahl vorsieht.

Mitra Sharifi von "Freund statt fremd" würde sich wünschen, dass Bamberg die Sache endlich selbst in die Hand nimmt - aus Verpflichtung den Menschen in Roßdach gegenüber, aber auch aus praktischer Vernunft: "Es muss sowieso geschehen. Und wir haben schon so viel Zeit verloren. "