Breitengüßbach

Kehraus in Breitengüßbach

Die Bahnbaustelle bringt viel Lärm und Schmutz nach Breitengüßbach. Das kommt nicht überraschend - aber doch heftiger als viele erwartet haben.
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Ständig sind große Kehrmaschinen unterwegs, um die Straßen (hier nach Unteroberndorf) halbwegs befahrbar zu halten.Fotos: Kurz/Huth
Ständig sind große Kehrmaschinen unterwegs, um die Straßen (hier nach Unteroberndorf) halbwegs befahrbar zu halten.Fotos: Kurz/Huth
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Wer in Breitengüßbach an der Hauptstraße wohnt, hatte es noch nie besonders ruhig. Doch jetzt ist es extrem. Der Durchgangsverkehr ist mit der Vollsperrung der Bahnlinie nicht weniger geworden - eher im Gegenteil. Hinzugekommen sind die Lastwagen, die Aushub und Material von und zu den zahlreichen Bahnbaustellen von Nord nach Süd und Süd nach Nord durch den Ort fahren. Zu Lärm und Abgasen kommt der Dreck auf der Straße.
Zwar sind laufend große Kehrmaschinen zwischen Unteroberndorf und dem Kreisverkehr im Süden unterwegs. Doch sie verrühren den Lehm, den die Laster verlieren, oft nur zu einer Matschschicht. Ein Problem, das auch schon Autofahrer mitbekommen, die gar nicht durch Breitengüßbach wollen, sondern von der B 4 von Rattelsdorf kommend auf die A 73 auffahren. Pendler klagen über verschmutzte Autos, das Risiko von Lackschäden durch umherfliegende Erdklumpen ist nicht von der Hand zu weisen, ebenso eine erhöhte Unfallgefahr.

Für Pendler sind das vorübergehende Belästigungen. Für Anwohner ist die Baustelle inzwischen zur dauerhaften Belastung geworden. Seit dem Beginn der Bauarbeiten berichten Lucia de Figueiredo-Huth und Michael Huth dem Fränkischen Tag regelmäßig von ihren Erfahrungen, Erlebnissen und Beobachtungen. Seit mehr als 30 Jahren lebt das Künstlerehepaar in Breitengüßbach, direkt an der Bahnlinie - jetzt Baustelle.

"Es ist eindeutig lauter geworden", bilanziert Lucia de Figueiredo-Huth den zweiten Monat der Bauarbeiten. Derzeit wird keine 30 Meter Luftlinie vom Schlafzimmerfenster entfernt das neue Gleisbett verdichtet. "Wenn die Walze rollt, brummt und vibriert das ganze Haus", stellt sie fest - und schränkt dennoch ein: "Wir haben es hier bisher noch relativ gut erwischt. Solange sie nicht anfangen in der Nacht zu verdichten", schränkt sie mit skeptischem Blick auf die inzwischen montierten Flutlichtmasten ein.

Nur zwei-, dreihundert Meter weiter in den Straßen Untere Watt und Am Damm, stehen aktuell die großen Pfahlrammen nur wenige Meter von den Wohnhäusern entfernt. Denn für den viergleisigen Ausbau wurde die Fahrrinnen an dieser Stelle so weit verbreitert, dass sie nun unmittelbar von den Häusern bis zum Friedhof auf der anderen Seite reicht.


Lärmrichtwerte überschritten

Dass es an der Baustelle sehr laut zugeht, belegt auch eine Lärmmessung, deren Ergebnisse die Gemeinde Breitengüßbach nun auf ihrer Homepage veröffentlicht hat. Sie wurde im Zeitraum vom 11. Januar bis 11. Februar durchgeführt. Die "gemittelten Schallpegel während repräsentativer Bauarbeiten" liegen vielfach über den Grenzwerten der "Allgemeinen Verwaltungsvorschrift (AVV) Baulärm". So wurden etwa beim Abriss der Brücke in der Zückshuter Straße über 78 Dezibel (dB(A)) gemessen, bei den Wohnhäusern gegenüber vom Friedhof waren es immer noch fast 68 Dezibel.

Zum Vergleich: laut AVV-Baulärm liegt der Richtwert für reine Industrie- und Gewerbegebiete bei 70 Dezibel, für Mischgebiete bei tagsüber 60 Dezibel und für reine Wohngebiete bei 50 Dezibel. Als grober Richtwert bedeutet eine Steigerung um zehn Dezibel in etwa eine Verdoppelung des Lärms.

Die Baustelle hautnah zu spüren bekommen seit gut einer Woche auch Breitengüßbacher, die bisher in einer recht ruhigen Ecke des Ortes wohnten. Denn nach dem Abriss der Brücke in der Zückshuter Straße rollt der ganze Autoverkehr in diese Richtung nun über die Ersatzbrücke beim Kreisverkehr und von dort durch die einst ruhigen Wohnstraßen Klingenstraße und Erlein. Jetzt sollen Vorfahrtsschilder den Verkehr flüssig durchleiten.
"Das ist ja eigentlich eine 30er-Zone, aber jetzt steht da kein Schild mehr und viele rasen einfach durch", bemerkt Lucia de Figueiredo. Sie versucht durch "freiwillig Tempo 30" Rücksicht auf die geplagten Anwohner zu nehmen.
Vor dem eigenen Haus hält sich das Verkehrsaufkommen noch in Grenzen. Doch im Feierabendverkehr ist es bereits mehr geworden, da viele in Richtung Unteroberndorf bereits die verschmutzte und mit Lastwagen vollgestellte Staatsstraße meiden.


Bautagebuch

Folge 1 - Die Ruhe vor dem Sturm
Folge 2 - Der letzte Baum ist gefällt



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