Bamberg

Kaufhaus Honer schließt, Nachfolge ist offen

Das Bamberger Kaufhaus Honer ist Geschichte: Mit dem heutigen Ladenschluss endet die fast 81 Jahre während Ära des Familienunternehmens.
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Impression vom letzten Verkaufstag im Kaufhaus  Honer am Maxplatz in Bamberg.Alle  Fotos: Michael Gründel
Impression vom letzten Verkaufstag im Kaufhaus Honer am Maxplatz in Bamberg.Alle Fotos: Michael Gründel
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Über den oder die künftigen Mieter in dem Geschäftshaus wahrt Inhaber Franz Josef Honer weiterhin Stillschweigen.

Zuletzt war es fast gespenstisch. Die Restbestände aus allen Abteilungen waren im Kaufhaus Honer zu einem Sammelsurium geschrumpft, das nur noch wenige Quadratmeter zwischen dem Haupteingang Maxplatz und der Rolltreppe füllte. Der größte Teil des Hauses glich eher einem Gebrauchtmöbelmarkt mit leeren Regalen, Schränken, Tischen, Warenständern.

Wenn die Ladentüren bei Honer am 1. September und in den nächsten Tagen noch offen sind, dann nur deshalb, weil auch sämtliche Einrichtungsgegenstände, Dekorationsartikel und ähnliches verkauft werden. Der reguläre Kaufhausbetrieb jedoch ist seit 31. August 2012 Geschichte.

Im Oktober wäre das Familienunternehmen 81 Jahre alt geworden. Geschäftsführer Franz Josef Honer (60) sah für sich und die nächste, die vierte Generation aber keine Zukunft mehr im Einzelhandel. Anfang des Jahres gab er seinen Entschluss zum Aufhören bekannt, überraschte seine Belegschaft und die Öffentlichkeit mit der Nachricht, das alteingesessene Kaufhaus würde sich nicht mehr rentieren und deshalb noch in diesem Jahr geschlossen.

Honer behält die vierstöckige Immobilie zwischen Maxplatz und ZOB und will das Haus vermieten. Wie er wiederholt zu verstehen gab, könne er sich angesichts der Toplage die Interessenten aussuchen. Entschieden hat er sich aber angeblich noch nicht. Der Geschäftsmann wörtlich zum FT: "Ich werde jeden Tag mindestens 20 Mal gefragt, was kommt." Gerüchte, dass es Wöhrl wäre, halten sich hartnäckig. In Bamberg ist bekannt, dass das Modeunternehmen schon lange nach einer Alternative zum Atrium an der Ludwigstraße sucht. Der Wöhrl-Pressesprecherin, Sabine Gladkov, ist nur so viel zu entlocken: "Das Haus Honer ist für Wöhrl eine interessante Immobilie, die wie einige weitere geprüft wird."

In den Sternen steht nicht nur, ob ein großer oder mehrere kleinere Mieter nach einem Umbau in das ehemalige Kaufhaus einziehen. Auch die meisten der rund 80 bisher bei Honer Beschäftigten stehen vor einer ungewissen Zukunft. Viele waren Aushilfen, nur etwa die Hälfte fest angestellt. Von diesen gehen 39 in die Transfergesellschaft, deren Gründung die Belegschaft ihrem Chef in einem monatelangen Nervenkrieg mit Streiks und anderen öffentlichkeitswirksamen Aktionen abgetrotzt hat.

Franz Josef Honer wird nach eigenen Angaben noch eine Zeit lang mit dem Auflösen und dem Umbau des Kaufhauses zu tun haben. Insofern stehe für ihn das Aus nicht unmittelbar bevor. Nach seiner Gefühlslage befragt, wenn eine über 80-jährige Familientradition zu Ende geht, zitierte er nur den Titel eines Karnevalsschlagers: "Alles hat ein Ende, auch die Wurst hat zwei."

Der bisherigen Betriebsratsvorsitzenden bei Honer, Elke Weidner, lag im Gespräch mit dem FT am Herzen, sich namens der Belegschaft bei allen Kunden zu bedanken, "die uns unterstützt haben" - in guten Jahren und während des Arbeitskampfes. Interessant ist ihre Beobachtung, dass sich die Stammkunden im Räumungsverkauf rar gemacht haben.

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