Stadelhofen
Historie

Kapelle in Schederndorf: außen schlicht, innen schick

Am 11. September feiert Erzbischof Ludwig Schick in Schederndorf einen Festgottesdienst. Anlass ist das 125-jährige Weihejubiläum der Kapelle.
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Am 11. September wird in Schederndorf gefeiert. Anlass ist das 125-jährige Weihejubiläum der auf das Patrozinium der allerseligsten Jungfrau Maria zu Lourdes geweihten Kapelle. Foto: privat
Am 11. September wird in Schederndorf gefeiert. Anlass ist das 125-jährige Weihejubiläum der auf das Patrozinium der allerseligsten Jungfrau Maria zu Lourdes geweihten Kapelle. Foto: privat
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Die weite Entfernung zur Pfarrkirche, der im Winter beschwerliche Weg dorthin und der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus war für die damals 181 Bewohner im Jahr 1886 genug Begründung für einen Kapellenbau. Im März 1883 hatte man bereits mit der Sammlung von Geldern begonnen und sich dabei auf ein Gelübde eines mittlerweile verstorbenen Mitbürgers bezogen.

23 Namen weist die Sammelliste auf mit Beträgen zwischen 15 und 400 Mark. Vom Bamberger Architekt Gustav Haeberle (1853-1930) wurde der erste kolorierte Bauplan mit aufklappbaren Bildteilen gezeichnet. Ein Jahr später folgte der nicht berücksichtigte Plan des Memmelsdorfer Zimmermeisters Johann Herrmann (1848-1887).
Nach bezirksamtlicher Baugenehmigung im Februar 1886 wurde die Kapelle mit Fünfeck-Chor von Maurern aus Steinfeld mitten im Dorf auf Gemeindegrund aus Kalksteinquadern und hölzernem Dachreiter, dieser 1908 massiv ausgeführt, errichtet.

Die äußere Baugestalt der Kapelle mit nur drei Fensterachsen in neugotischer Form, dem überdachten Eingang und einem Dachreiter mit goldenem Kreuz ist schlicht. Aber im Inneren erwartet den Besucher eine kunst- und kulturgeschichtlich herausragende Ausstattung mit Ornamentmalerei und Altarschnitzkunst.
Mit dem Hollfelder Maler- und Tünchermeister Johann Hofmann (1854-1914) hatte damals Bürgermeister Johann Will, "Oekonom und Wirth", den Innenanstrich unter anderem mit Zierlinien und Fries und einem vom Sockel ausgehenden Teppichmuster abgestimmt.


Der Hochaltar

Wenige Monate vor der Kapellenweihe am 30. September 1888 wurde im Februar ein Vertrag mit dem Bamberger Bildhauer Georg Löwisch (1860-1943) über einen Hochaltar im gotischen Stile aus weichem Holz geschlossen und in 22 Punkten dessen farbige Fassung festgelegt. So waren viele Teile - Türmchen, 256 Kraupen, 36 Kreuzblumen - glänzend und matt in echtem Dukatengold auszuführen, der ganze Altarbau polichromisch und die drei Figuren policromirt mit Glanz und Goldsäumen.

Die Nischen für die Figuren sollten damastizirt, also mit einem teppichartigen Hintergrund, und das Antependium und die Predella mit Ornamentmalereien verziert werden. Ferner verpflichtete sich der Bildhauer, sechs versilberte Leuchter, drei Kanontafeln, ein Pult und Kruzifix in stilgerechter Ausführung dazuzugeben.
Als der dreigliedrige neugotische Altar - 2,60 Meter breit und fünf Meter hoch - mit Lourdesmadonna und Johannes Evangelist (Evangelienseite) sowie Josef (Epistelseite) Ende August 1888 in Bamberg ausgestellt wurde, wurde ihm hohes Lob zuteil, da er sich "durch Reinheit des Stils, durch Sauberkeit und Feinheit der Arbeit wie durch geschmackvolle Fassung" auszeichne.


Eigenleistung durch die Bewohner

1887 wurde eine Bronzeglocke (226,5 Pfund) von der Gießerei Lotter in Bamberg gekauft, später kam eine weitere dazu. Beide mussten 1942 für kriegswichtige Zwecke abgegeben werden und wurden eingeschmolzen. 1949 wurden bei Lotter zwei neue Glocken aus reiner Glockenbronze gegossen.

Vom Königsfelder Schreiner Georg Ott stammen die Kirchenstühle. Mit der geschwungenen Kommunionbank auf Kalksteinsockel und dem eindrucksvollen Kreuzweg in Öl auf Blech gemalt von 1913 war der Kapellenbau zunächst unter Dach und Fach. Kunstfertigkeit strahlt die Kassettendecke über Landhaus und Chor aus. 1913 war zudem von der Sakramentenkongregation in Rom die Aufbewahrung des Allerheiligsten in der Kapelle gestattet und von einem Gürtler die heute noch verwendete silberne Ewiglicht-Lappe gefertigt worden.

Als 1938 eine Sakristei nach dem Plan von Maurermeister Preißinger angebaut wurde, kam es zu einer Überarbeitung des Altargehäuses mit grüner und 1960 mit grauer Farbe. Die bunten Altarfiguren wurden vergoldet und versilbert, aber glücklicherweise die einzigartigen Pflanzenmotive in den Maßwerkfüllungen und die Vergoldung der Architekturteile nicht übermalt. Über 50 Jahre blieb dieser Zustand bestehen. Dann besann sich die Gemeinde zurück. 1991/92 wurden Figuren und die ornamentgeschmückten Nischen, 2015 der komplette Innenraum mit Rekonstruktion der Sockelmalerei zum alten Glanz zurückgeführt.

Die Kosten von über 10 000 Euro trugen die Dorfgemeinschaft Schederndorf, das Erzbischöfliche Ordinariat Bamberg und die Gemeinde Stadelhofen gemeinsam. Zusätzlich leisteten die Ortsbewohner über 100 Stunden unentgeltliche Arbeit. Dem zweiten Vatikanischen Konzil entsprechend war 1980 ein Zelebrationsaltar, dem Hochaltar angepasst, geschaffen worden. Ein 1991 eingerichtetes Harmonium verschönert seitdem den Gesang der Gläubigen und wird zum 125-jährigen Weihejubiläum zur größeren Ehre Gottes erklingen.
Dr. Josef Urban

Feier Der Gottesdienst mit Erzbischof Ludwig Schick findet am 11. September um 10 Uhr in Schederndorf, in der Pfarrei Stadelhofen, statt.
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