Bamberg

Kann es der Winter in Franken noch?

Mit dem ersten Adventssonntag scheint endlich der Zustrom milder Luft nach Franken Schnee von gestern zu sein. Ob es nachhaltig sibirisch wird, ist zweifelhaft. Das Schneechaos Anfang Dezember 2010 war eine große Ausnahme.
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Lang lang ist's gar nicht her: Am 1. Dezember 2010 zeigte der Winter seine Krallen - und für die Männer der Straßenmeisterei in Zeil bedeutete das Schwerstarbeit rund um die Uhr. Foto: Günter Flegel/Archiv
Lang lang ist's gar nicht her: Am 1. Dezember 2010 zeigte der Winter seine Krallen - und für die Männer der Straßenmeisterei in Zeil bedeutete das Schwerstarbeit rund um die Uhr. Foto: Günter Flegel/Archiv
Den Allzeit-Wärmerekord kann man dem Jahr 2014 wohl nicht mehr nehmen. Nahezu alle Monate waren deutlich zu warm, lediglich der August leistete sich einen Ausreißer nach unten. Nur ein sibirischer Dezember könnte 2014 auf ein halbwegs normales Maß zurückstutzen. Danach sieht es aber derzeit nicht aus.

Immerhin: Mit dem ersten Adventssonntag und dem meteorologischen Winteranfang am 1. Dezember kommt ein Hauch von Kälte nach Franken. "Die Großwetterlage hat sich umgestellt", erklären die Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. Zuletzt prägte die arktische Kälte in weiten Teilen der USA das deutsche Wetter. Die Eishöhle USA produzierte auf dem Atlantik mächtige Tiefdruckgebiete, und die schaufelten mit einer südlichen und westlichen Strömung bis Ende November einen zaren Hauch von Frühling bis nach Franken; nahezu ohne Niederschläge, denn abgeregnet haben sich die milden und
feuchten Luftmassen im Stau der Alpen in Oberitalien. Land unter - kein Schnee.

"Land unter" hieß es heute vor vier Jahren in weiten Teilen Frankens. Damals hatte der Winter zum ersten Mal seit langem und seither zum letzten Mal im Dezember seine Krallen gezeigt. Klirrende Kälte und bis zu 50 Zentimeter Schnee verwandelten Franken in einen Wintertraum - Albtraum für die Autofahrer, denn die Straßen glichen tagelang Rutschbahnen.


Grimmig kalter Wintermonat

Der Dezember 2010 fiel aus dem Rahmen; die Daten der Wetterstation in Bamberg weisen dem ersten Wintermonat eher als einen zahmen Gesellen auf. 2013 gab es tagsüber immer Plusgrade und auch nachts nur wenig und keinen strengen Frost bei Tiefstwerten um minus sechs Grad; ganz anders 2010: Da bildeten die heftigen Schneefälle zu Monatsbeginn die Ouvertüre zu einem grimmig kalten Wintermonat mit Dauerfrost und nächtlichen Tiefstwerten bis minus 22 Grad!

Der Winter 2013/2014 war außergewöhnlich mild, so mild, wie es keiner der Wetterforscher auf dem Schirm hatte; nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit ist eine Wiederholung schon ein Jahr später kaum zu erwarten, eher ein normaler oder eher zu kalter Winter. Zu solchen Prognosen lässt sich aber niemand hinreißen. In den nächsten Tagen bleibt es laut Stefan Ochs in Herzogenaurach ruhig, eher neblig trüb, nicht mehr mild, aber auch nicht richtig grimmig. "Durch die großen Temperaturgegensätze zwischen den Polargebieten und den Subtropen bekommen die Veränderungen der Großwetterlagen im Winter eine ganz andere Dynamik als im Sommer", sagt Ochs. Er erinnert an den Jahreswechsel 1984/85, der einen außergewöhnlichen Temperatursturz brachte: "Am 1. Januar 1985 lag eine arktische Kaltluftmasse noch weit weg über dem Nord ural. Vier Tage später hatte sie ganz Mitteleuropa überflutet."

Im Winter 2014/15 steckt also noch alles drin, er kann sibirisch werden, auch wenn der Herbst bis zuletzt eher einem Spätfrühling ähnelte. So haben einige Leser dieser Zeitung von blühenden Rapsfeldern berichtet, aus dem milden Rheingau und anderen Weingegenden kommen Meldungen über eine zweite Blüte der Obstbäume. Das sind keine Märchen, die milde Luft bringt die Natur aus dem Takt. Nur beim "Raps" handelt es sich nicht um einen verwirrten Sommerbotschafter. Die gelben Felder, die man derzeit mancherorts sieht, sind mit Senf angesät worden; die Pflanze wird als Gründünger in den Ackerboden eingearbeitet.

Bleibt der Blick in den Hundertjährigen Kalender: Und da muss man sich warm anziehen, er kündigt einen Polarwinter an, der die Vögel tot vom Himmel fallen lässt. Nach diesem Wetterklassiker müssten die Franken allerdings heute schon Schnee schippen. Passt nicht ganz.
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