Hirschaid
Verkehrsproblem

Kanal- und Regnitzbrücke bei Hirschaid sind schadhaft - Kommt Neubau?

Abriss und Neubau oder Sanierung: Zwischen Hirschaid und Sassanfahrt bahnt sich ein Millionenprojekt an.
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Dunkle Wolken über der Hirschaider Kanalbrücke: Das 1965 eingeweihte Bauwerk ist reparaturbedürftig. Möglicherweise muss die Brücke über den Donau-Main-Kanal sogar abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Fotos: Werner Baier
Dunkle Wolken über der Hirschaider Kanalbrücke: Das 1965 eingeweihte Bauwerk ist reparaturbedürftig. Möglicherweise muss die Brücke über den Donau-Main-Kanal sogar abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Fotos: Werner Baier
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Das Sprengkommando der Jugendfeuerwehrt hatte sich beim Faschingsumzug schon entschieden: Die Brücke über die "Renz" - das ist häschaaderisch für Regnitz - wird abgerissen, die vom röhrenden Hirsch gekrönte Kanalbrücke bleibt bestehen. Ob es so kommt?

Das wüsste auch die "Abteilungsleiterin im konstruktiven Ingenieursbau" beim Staatlichen Bauamt, Ute Becker, gern. Ob die Regnitz- und die Kanalbrücke gleichzeitig saniert oder gesperrt und abgerissen werden, ob die schadhaften Bauwerke über Fluss und Kanal nacheinander erneuert werden und wie in der Bauphase der Verkehr zwischen Hirschaid und Sassanfahrt bewältigt wird, das ist alles noch völlig offen. Einigermaßen konkret ist nur das Ziel, 2018 mit den Brückenbauarbeiten zu beginnen. Und es gibt die Selbstverpflichtung der Baubehörde, den Straßenverkehr über die Gewässer hinweg aufrecht zu erhalten - wie auch immer.

Die Staatsstraße 2260 wird im Bereich dieser beiden Brücken im Durchschnitt von 13 000 Fahrzeugen pro Tag frequentiert, weiß Bürgermeister Klaus Homann (CSU). Es müsste ihn zwar der überörtliche Verkehr zwischen Steigerwald und Frankenschnellweg nicht interessieren, doch ist die Überquerung von Donau-Main-Kanal und Regnitz für den innerörtlichen Verkehr von größter Bedeutung: Schul- und Arbeitswege, Einkaufsgelegenheiten, das Freizeitbad Frankenlagune und vieles mehr erfordern den kürzestmöglichen Talübergang. Den Fern- und Schwerlastverkehr könnte man zur Not über die B 505 und Bamberg-Süd oder über Altendorf umleiten. Diese Möglichkeit zieht auch das Staatliche Bauamt in Betracht.

Es ist der Behörde allerdings klar, dass eine Zwischenlösung geschaffen werden muss - unabdingbar allein schon zur Sicherheit der Bauarbeiter. Alles Weitere ergibt sich aus der derzeit laufenden Ermittlung des Ziellastniveaus: Vom Ergebnis ist abhängig, ob die Brücken nach einer fachgerechten Sanierung der in Jahrzehnten zu erwartenden Verkehrsbelastung genügen werden oder ob sie vollständig erneuert werden müssen.


Neue Zufahrten erforderlich

Bei einer abschnittweisen Sanierung könnte der Verkehr eingeschränkt aufrechterhalten werden; Abrisse und Ersatzneubauten würden jedoch zur Errichtung von Behelfsbrücken und der Anlegung von neuen Zufahrten zwingen. Ein Problem besteht ja darin, dass auf der Hirschaider Seite der Kanalbrücke bei der Brauerei Kraus der Platz für eine seitlich versetzte Brücke nicht reichen würde.

Behelfsbrücken für die Neubauphase müssten an ganz anderer Stelle entstehen. Dafür wäre dann auch noch Grunderwerb erforderlich, der das Vorhaben zeitlich in die Länge ziehen könnte, gibt Ute Becker zu bedenken. Wenn eine Behelfsbrücke gebaut werde, soll sie für alle Verkehrsteilnehmer ausgelegt sein, vom Fußgänger bis zum Lastzug.

Die Regnitzbrücke wurde 1960 für den Verkehr freigegeben, die Kanalbrücke überspannt die Großschiffahrtsstraße seit 1965. Bei den alle drei Jahren stattfindenden Kontrollen ergaben die Zustandseinschätzungen zuletzt: Note 2,9 für die Regnitz und 3,0 für die Kanalbrücke. Der schlechteste Wert wäre die Note 4. Sie würde sofort zur Ablastung von Tonnagen oder gar zur Sperrung führen.


Streusalz und dünne Abdeckung

Zwei Faktoren dürften ursächlich dafür sein, dass die beiden Bauwerke so stark gelitten haben: Zum einen habe man vor 60 und mehr Jahren noch nicht gewusst, dass zwei Zentimeter Betonabdeckung der tragenden Teile zu dünn sind, erklärt die Bauingenieurin. Heute werde eine vier Zentimeter dicke Schicht aufgetragen. Zum anderen zerfresse das beim Winterdienst verwendete Streusalz die Brückenelemente. Die Folge seien Abplatzungen der Betonscheiben auf den Gehwegen, Betonschäden und Rostfraß an den Übergangskonstruktionen, den Dehnfugen, und Fahrbahnschäden verschiedenster Art.

"Die Luft brennt nicht," resümiert die Abteilungsleiterin des Staatlichen Bauamtes. Aber da es in der Regel ein paar Jahre dauere, bis alles geplant und von der Regierung die finanziellen Mittel bereitgestellt werden, habe man im Vorjahr erste Überlegungen angestellt. Dieses Jahr werde noch über die umfangreichen Berechnungen vergehen. 2017 sollen die Bauwerksentwürfe gefertigt und das Genehmigungsverfahren eingeleitet werden. Vorbehaltlich etwaiger Schwierigkeiten beim Grunderwerb für die Behelfsumleitung könnte 2018 mit den Bauarbeiten begonnen werden, prognostiziert Ute Becker. Bis dahin bestehe zwischen dem Bauamt und der Marktgemeinde erheblicher Gesprächs- und Abstimmungsbedarf.


Baumaßnahmen werden Millionen verschlingen

Und auch die Bürger sollen sich mit dem Projekt auseinandersetzen dürfen, sobald einigermaßen konkrete Pläne vorliegen. Brückensanierungen oder -ersatzbauten sind ja selten unumstritten, wie man zuletzt in Bamberg beim Projekt Obere Rathausbrücke gesehen hat. Die Baumaßnahme wird Millionen verschlingen. Sollten zwei Neubauten plus Behelfsbrücken mit neuen Zufahrten erforderlich werden, sind zig Millionen erforderlich. Die Gemeinde wird nach Ansicht von Ute Becker nur mit den Kosten für die Gehsteige beteiligt werden.

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