Zapfendorf
Kampagne

Junge Zapfendorfer fiebern mit

Der brasilianische Bischof Frei Wilmar Santin rüttelte Schüler der Grund- und Mittelschule auf.
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Mit großem Interesse verfolgten die Zapfendorfer Schulkinder die Erzählungen von Bischof Frei Wilmar Santin, der sich gern mit ihnen zum Foto aufstellte. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Mit großem Interesse verfolgten die Zapfendorfer Schulkinder die Erzählungen von Bischof Frei Wilmar Santin, der sich gern mit ihnen zum Foto aufstellte. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Es ist mucksmäuschenstill im abgedunkelten Saal der Grund- und Mittelschule Zapfendorf. Die elf-, zwölfjährigen Buben und Mädchen der 5. und 6. Klasse verfolgen aufmerksam den Film über Pablo, einen quirligen Jungen (9) hoch im Norden Brasiliens. Mit großen Augen sehen die fränkischen Schüler, wie Pablo barfuß Fußball spielt, auf Mango-Bäume klettert, gerne in die Schule geht und im Fluss Tapajós herumplantscht. Der kleine Brasilianer und seine Familie sind mit ihrem einfachen, aber gutem Leben im Dorf Pimental glücklich. Doch Gefahr droht!

Die jungen Zapfendorfer fiebern mit. Auch so kann Religionsunterricht aussehen, der heute so ganz anders von den verantwortlichen Lehrern - Pfarrer Kornelius Holmer (evangelisch) und Schwester Mechthild Thürmer (katholisch) - anberaumt ist.
Auf Vermittlung von Michael Kleiner, Weltkirche-Referent im Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg, steht mit Frei Wilmar Santin ein leibhaftiger Bischof für den Unterricht der besonderen Art zur Verfügung. Bischof Santin aus der brasilianischen Prälatur Itaituba am Amazonas ist wiederum auf Einladung des Bischöflichen Hilfswerkes Misereor in Deutschland.


Recht auf Wasser und Wohnung

Unter dem Leitwort "Das Recht ströme wie Wasser (Amos 5,24") steht die Fastenaktion 2016, die Misereor erstmals international und ökumenisch durchführt. Der Rat der christlichen Kirchen in Brasilien (Conic) ist Partner der Kampagne, in der die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte der indigenen Völker und Flussanrainer im Mittelpunkt stehen. Conic stellt dabei das Recht auf Wasser und Wohnung ins Zentrum. Da passt es, dass Bischof Santin das Aktionsmotto aus dem Alten Testament vervollständigt: "Das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach."

Welche Gefahr droht nun Pablo? Der Film erzählt die dramatische Geschichte weiter. Nur wenige Kilometer von Pimental entfernt soll in den Fluss Tapajós ein Mega-Staudamm zur Stromerzeugung für die Industrie gebaut werden. Der sich bildende See würde Pimental überfluten, und Pablo dadurch sein Zuhause verlieren. Die Dorfbewohner organisieren mit Hilfe der Pfarrer Protestmärsche und juristische Aktionen gegen diese Pläne: "Sie zeigen Flagge für Gerechtigkeit!", erklärt Bischof Santin den Zapfendorfer Schulkindern, die ihm gebannt an den Lippen hängen.

Der 63-Jährige berichtet von Zig Staudämmen, die im Amazonasbecken entstehen sollen. Diese bedrohen die Existenz der "Ribeirinhos" (Flussanrainer) und des indigenen Volkes der Munduruku. "Sie haben schon immer hier gesiedelt, um im Einklang mit der Schöpfung zu leben", während Großinvestoren nur ökonomische Interessen in den Vordergrund stellen würden. Bischof Santin führt weitere Umweltschäden in seiner Heimat an, "die sogar in Deutschland Auswirkungen haben". Nämlich die Abholzung des Regenwaldes am Amazonas, "die grüne Lunge der Welt". Durch die gerodeten Flächen für industrielle Landwirtschaft würde sich die Verdunstungskapazität um ein Vielfaches verringern. Die Folge sei eine extreme Trockenheit in entfernt liegenden Städten wie Sao Paulo und Rio de Janeiro. Das Stichwort "Klimawandel" fällt.

Bischof Santin geht auf die vielen Fragen der Schüler ein, aus dem Portugiesischen übersetzt von Misereor-Dolmetscherin Petra Dietrich oder sogar auf Deutsch. Ohne Scheu wollen die jungen Zapfendorfer von ihrem priesterlichen Gast auch wissen, ob er Familie habe, wie alt er sei, oder ob er Pablos Dorf überhaupt kenne. Die beiden Schülersprecherinnen Tina (9. Klasse) und Michelle (8. Klasse), die freiwillig diese Schulstunden wahrnehmen, müssen über diese unverhohlene Neugier ihrer jüngeren Kameraden schmunzeln.

Konrektorin Martina Gunzelmann bedankt sich im Namen der Zapfendorfer Schule bei Bischof Santin für seinen informativen Besuch. Äbtissin Mechthild Thürmer übergibt ihm aus der Wachswerkstatt ihrer Abtei Maria Frieden Kirchschletten eine Kerze mit dem Emblem des "Jahres der Barmherzigkeit". Bischof Santin: "Zur Gerechtigkeit kommt die Barmherzigkeit." In der Fastenzeit, die auf Ostern vorbereite, "sollen wir bessere Menschen werden und den Glauben leben ...".

Ausführliche Informationen zur Fastenaktion 2016 finden sich unter href="http://www.misereor.de" title="www.misereor.de">www.misereor.de.

Weltkirche-Referent Michael Kleiner hat im Rahmen einer Studienfahrt für Multiplikatoren aus bayerischen Diözesen Brasilien abseits der Touristenpfade kennengelernt. Er kommt gern in Pfarreien, um über seine Erfahrungen in Wort und Bild zu berichten. Bei Interesse, brasilianische Eindrücke aus erster Hand zu bekomment, kann man ihn kontaktieren: E-Mail: michael.kleiner@erzbistum-bamberg.de, Tel. 0951 / 5021600.



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