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Jugendherberge "Wolfsschlucht": Förder-Antrag ist unterwegs

Die ehemalige Jugendherberge könnte dank eines bundesweiten Investitionsprogrammes zu einem "erlebnispädagogischen Kompetenzzentrum" werden. Eine Diskussion gab es im Bausenat trotzdem: Es musste schnell gehen.
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Jugendherberge "Wolfsschlucht". Foto: Stadt Bamberg
Jugendherberge "Wolfsschlucht". Foto: Stadt Bamberg
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Das war eine knappe Kiste: Am Freitag (13.11.2015) läuft die Bewerbungsfrist für ein "Zukunftsinvestitionsprogramm" der Bundesregierung aus, am heutigen Donnerstag hat die Stadt Bamberg ihren Brief abgeschickt. Inhalt: Ein Antrag, der erläutert, warum ausgerechnet die "Wolfsschlucht" prädestiniert für die Förderung sein soll.

Das Programm zur "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur sowie soziale Infrastruktur" könnte dafür sorgen, dass die alte Jugendherberge, die seit 2013 leer steht, mit neuem Leben erfüllt wird. Angedacht ist ein "erlebnispädagogisches Kompetenzzentrum".


Wohngruppen mit Jugendlichen

Einerseits soll deutschen Jugendlichen ein Zuhause gegeben werden, denen ein stabiles Elternhaus fehlt. Andererseits sollen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nicht nur beherbergt, sondern auch integriert werden. Beide Zielgruppen sollen in der "Wolfsschlucht" in Wohngruppen zusammenleben.

Mitten in diese Überlegungen hinein platzte der Projektaufruf für das Förderprogramm des Bundes. Gerade einmal etwas über vier Wochen hatten Kommunen Zeit, ihren Antrag bis zum morgigen Stichtag einzureichen. Finanzreferent Bertram Felix wollte sich vor dem Abschicken der Papiere unbedingt "politische Rückendeckung" holen.

Die bekam er auch vom Bau- und Werksenat, allerdings nicht uneingeschränkt. Den Grünen etwa waren noch zu viele Fragen offen. Petra Friedrich zeigte sich skeptisch: "Die ,Wolfsschlucht‘ liegt weg vom Schuss. Wie soll dort Integration von Jugendlichen stattfinden?" Außerdem sprach sie von einer möglicherweise "explosiven Zusammensetzung" von Jugendlichen. Sie und Fraktionskollegin Ursula Sowa forderten: Das Thema muss in den Familiensenat.

Auch Michael Bosch von den Bamberger Realisten war "nicht ganz so euphorisch" und plädierte für eine "Fachsenatssitzung", stellte aber gleichermaßen fest: "Wir sollten heute beschließen, sonst ist es zu spät."

Hintergrund: Die Bausenatssitzung fand Mittwochabend statt, der Familiensenat tagte am Donnerstagnachmittag - doch zu dieser Zeit wollte die Stadtverwaltung das Schreiben schon auf dem Postweg wissen, damit es auch ja zum Bewerbungsschluss am Freitag im Briefkasten des entsprechenden Bundesinstituts in Bonn landet.
Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) kündigte bereits im Bausenat am Mittwoch an, dass man mit dem Beschluss den Weg für den Antrag frei mache. "Dass wir uns in den Fachsenaten noch Gedanken machen, ist klar."

In jedem Fall wird das Projekt "erlebnispädagogisches Kompetenzzentrum" auch noch in der Vollsitzung des Stadtrats behandelt werden, merkte Finanzreferent Felix an. Diesen Beschluss brauche man für das Zukunftsinvestitionsprogramm, könne ihn aber nachreichen.

Was finanziell auf die Stadt zukommt, sollte das "Kompetenzzentrum" auserwählt werden, rechnet Felix vor: Er schätzt die Kosten auf rund vier Millionen Euro, vom Bund könnte es Zuschüsse in Höhe von 3,6 Millionen Euro geben. Eigenanteil der Stadt wären somit 400.000 Euro.

Damit die Jugendeinrichtung den Zuschlag bekommt, muss sie eine Reihe von Kriterien erfüllen. So muss das Projekt zum Beispiel zwischen 2016 und 2018 realisiert werden. Felix glaubt, bis zum Sommer 2018 könnte das "erlebnispädagogische Kompetenzzentrum" seinen Betrieb aufnehmen.


Entscheidung für ein Projekt

"Wir drücken die Daumen für die Fördermittel und begrüßen die Prioritätensetzung", sagte Birgit Dietz (CSU). Sie spricht die Entscheidung des Ältestenrates auf nur ein einzureichendes Projekt an, um die Chancen zu verbessern. Die "Sanierung des Sportzentrums Gaustadt" wurde nicht gemeldet.

Heinz Kuntke von der SPD war wohl der glühendste Verfechter der Lösung, die sich für die ehemalige Jugendherberge im Hain anbahnt: "Das ist mit das Beste, was ich in den letzten Monaten hier erlebt habe!" Und in Richtung Bürgerblock-Stadtrat Norbert Tscherner lobte Kuntke: "Das ist mit Ihr Verdienst, dass das jetzt in Richtung einer tollen Geschichte geht."

Tscherner hatte vor zwei Jahren mit Mitstreitern 7500 Unterschriften zum Erhalt der Herberge als "Haus für die Jugend" gesammelt. Er hatte gegenüber dem Oberbürgermeister bereits seine Zustimmung zu dem neuen Konzept gegeben. "Etwas Besseres kann ich mir für die Jugend gar nicht vorstellen!" Wie auch Birgit Dietz zeigte sich Tscherner erfreut über die Wahl des Don-Bosco-Jugendwerks als voraussichtlichen Betreiber.

Herbert Lauer (FW) konnte sich einen Seitenhieb auf Sozialministerin Emilia Müller (CSU), die das Projekt offenbar "positiv" beurteilt, nicht verkneifen: "Nicht, dass sie wieder einen Rückzieher macht." Auch Michael Bosch (BR) merkte an: "Da muss man vorsichtig sein."

Beide beziehen sich wohl auf die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Bamberg-Ost. Im August hatte unter anderem die Ministerin zugesagt, dass maximal 1500 Asylbewerber untergebracht werden sollen. Mittlerweile ist von bis zu 4500 die Rede.

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