Bamberg
Jahresrückblick

Jahresrückblick: Das war das Jahr 2016 in Franken

Der Fall Janina, der Fund von Peggys Leiche sowie die Anschläge in Würzburg und Ansbach - im Jahr 2016 ist in Franken viel passiert. Ein Rückblick:
Artikel drucken Artikel einbetten
Bei einem Anschlag in Ansbach im Juli 2016 wurden 15 Menschen teils schwer verletzt. Foto: News5/dpa
Bei einem Anschlag in Ansbach im Juli 2016 wurden 15 Menschen teils schwer verletzt. Foto: News5/dpa
2016 neigt sich dem Ende. Zeit, darauf zurückzublicken, was in Franken in diesem Jahr passiert ist und was die Menschen bewegt hat. Wir haben die Ereignisse chronologisch aufbereitet:


Januar 2016: Janina wird in der Silvesternacht erschossen

In Unterschleichach im Kreis Haßberge beginnt das Jahr mit einer schrecklichen Tat. Die elfjährige Janina feiert mit ihren Freunden Silvester - dann wird sie von einer scheinbar aus dem Nichts kommenden Kugel getroffen und stirbt. Der Prozess ergab, dass sich der Täter von den feiernden Jugendlichen gestört fühlte. Im Dezember wurde dann in Bamberg das Urteil gefällt: Der Täter muss wegen Mordes 12 Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.


Mai 2016: Unwetter sorgt für Überschwemmungen in Franken

Anhaltende Regenfälle und Unwetter haben in vielen Teilen Frankens für Überschwemmungen gesorgt. Teilweise hat es in weiten Teilen des Landkreises Bamberg zehn Stunden lang ununterbrochen geregnet. So traten in mehreren Ortschaften Flüsse und Bäche über die Ufer und überschwemmten Straßen und ließen Keller voll laufen. Experten sprachen von einem 500-jährigen Hochwasser.


Mai 2016: Würzburger Kickers feiern Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga

Die Würzburger Kickers kehren nach 38 Jahren in die 2. Fußball-Bundesliga zurück. Der Tabellendritte der 3. Liga machte mit dem 2:1(1:1) im Relegations-Rückspiel beim MSV Duisburg am 24. Mai 2016 den Aufstieg perfekt und schaffte damit den direkten Durchmarsch von der Regionalliga bis in die 2. Liga.


Juli 2016: Axt-Attacke in Würzburger Regionalbahn

Am 18. Juli 2016 ist ein 17-jähriger Afghane mit einer Axt auf Fahrgäste in einem Zug bei Würzburg losgegangen. Nach Angaben der Bundespolizei hatten etwa 25 bis 30 Menschen in dem Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg gesessen. Fünf Menschen wurden verletzt. Die Polizei erschoss den Angreifer als er flüchtete.
Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu der Tat bekannt. Bei dem Angreifer handele es sich um einen IS-Kämpfer, berichtete die IS-nahe Nachrichtenagentur Amak im Internet. Der Angreifer habe auf Aufrufe reagiert, die Länder der internationalen Koalition anzugreifen, die den IS bekämpfen.


Juli 2016: Bomben-Anschlag in Ansbach

Bei den Ansbach Open ist es am 24. Juli 2016 zu einem Bombenanschlag mit zwölf Verletzten gekommen. Ein 27 Jahre alter Flüchtling aus Syrien hatte in der Nähe eines Open-Air-Konzerts eine Bombe explodieren lassen, die er in seinem Rucksack versteckt hatte.
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 2000 Besucher auf dem Musikfestival. In einem Bekennervideo hat der Attentäter den Selbstmordanschlag über das IS-Sprachrohr angekündigt. Die Tat entfachte eine erneute Debatte über stärkere Sicherheitsmaßnahmen.


Juli 2016: Urteil im Prozess um die Babyleichen von Wallenfels

Im November 2015 wurden acht Babyleichen im Haus der eigenen Mutter und des Vaters in Wallenfels im Landkreis Kronach gefunden.Die heute 46-Jährige hat zugedrückt, wenn ihre Neugeborenen schrien. Vier dieser Kinder hätten leben können, sagten die Rechtsmediziner.
Deshalb hat das Landgericht Coburg im Juli 2016 die Mutter wegen Totschlags.zu 14 Jahren Haft verurteilt. Den Vater sprachen die Richter frei. Die Staatsanwaltschaft hatte gefordert, dass die Frau wegen Mordes eine lebenslange Gefängnisstrafe bekommt und der Mann wegen Beihilfe zum Mord verurteilt wird. Die Behörde legte deshalb Revision ein.


Juli 2016: Leiche der vermissten Peggy gefunden

15 Jahre nach dem Verschwinden der neunjährigen Peggy herrscht seit Juli 2016 Gewissheit: Bei den in Thüringen gefundenen Kinderknochen handelt es sich um das Skelett der vermissten Schülerin aus dem oberfränkischen Lichtenberg.
Sogar bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" wurde der Fall aufgerollt. Daraufhin gingen 80 neue Hinweise ein. Im Oktober gab es dann eine überraschende Wendung des Falls: Am Fundort der sterblichen Überreste der ermordeten Peggy wurden DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt an einem Gegenstand gefunden worden.
Doch wenig später räumen die Ermittler ein, dass ein Meterstab die DNA-Spur verunreinigt haben könnte. Dieser kam in beiden Fällen zum Einsatz und ist wohl nicht richtig gereinigt worden.


Oktober 2016: Urteil im Chefarztprozess in Bamberg

Ein ehemaliger Bamberger Chefarzt hat zwischen 2008 und 2014 zwölf Frauen zwischen 17 und 28 Jahren unter Medikamente gesetzt und sie dann vergewaltigt. Seine Opfer sind Patientinnen, aber auch Angestellte des Krankenhauses. Er redete ihnen ein, an einer medizinischen Studie teilzunehmen, bevor er seine Taten an den Bewusstlosen mit Videos und Fotos dokumentiert.

Im Prozess vor dem Landgericht Bamberg ist der Angeklagte Heinz W. im Oktober 2016 zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Damit liegt das Urteil gegen den Chefarzt im Strafmaß zwischen den Plädoyers, die einerseits die Höchststrafe von 15 Jahren und andererseits Freispruch forderten. Gegen das Urteil haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung Revision eingelegt.
Auf der Anklagebank der 51-jährige Gefäßmediziner Heinz W., ein Mann, der bis zum Ende gegen die Missbrauchsvorwürfe ankämpfte. W. sieht sich als Opfer einer Vorverurteilung durch Ermittlungsbehörden und Medien. Stets beteuerte er, dass sein Interesse am Unterleib der zwölf Nebenklägerinnen rein medizinischer Natur sei.




Oktober 2016: "Reichsbürger" erschießt Polizisten im Landkreis Roth

Ein sogenannter Reichsbürger hat bei einer Razzia im mittelfränkischen Georgensgmünd auf Polizisten geschossen - vier Beamte wurden verletzt, einer von ihnen starb an den schweren Verletzungen. Der Reichsbürger hatte das Feuer auf die Beamten eröffnet, als diese in sein Haus eindrangen. Der Jäger galt bei den Behörden als nicht mehr zuverlässig.
"Reichsbürger" erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an. Stattdessen behaupten sie, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort. Häufig legen sie dabei die Grenzen von 1937 zugrunde. Daher sprechen sie dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab und akzeptieren auch amtliche Bescheide nicht.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert nach den Schüssen des sogenannten Reichsbürgers ein härteres Vorgehen gegen diese Gruppierung. Im Rahmen der Ermittlungen kamen zudem beunruhigende Details ans Licht: Es wurden in den eigenen Kreisen der Polizei viele Reichsbürger entdeckt.Zudem gab es Debatten über eine Verschärfung des Waffenrechts und den Entschluss des Verfassungsschutzes, die Reichsbürger stärker zu beobachten.



November 2016: Pflegeskandal im Schloss Gleusdorf

Im Laufe des Herbsts kamen immer mehr ungeklärte Todesfälle im Seniorenheim Schloss Gleusdorfin Untermerzbach im Landkreis Haßberge ans Licht. In dem Heim sollen Senioren wegen schlechter Versorgung gestorben sein. Die Staatsanwalt Bamberg prüft insgesamt fünf ungeklärte Todesfälle.

Zum Beispiel wurde einem Bewohner die ärztliche Hilfe verweigert wurde, nachdem er gestürzt war. Deshalb wurden der Pflegedienstleiter und die Geschäftsführerin wegen Totschlagverdachts verhaftet.
Es wandten sich immer mehr Zeugen an die Öffentlichkeit. Sie berichteten von Schlägen, Bedrohungen und Schwindel.Die Heimbewohner wurden sanktioniert und drangsaliert, es steht ein Vorwurf des Missbrauchs im Raum. Die Krankenversicherungsprüfer haben die Kritik an ihrer Arbeit zurückgewiesen.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren