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Bamberg
Gericht

Ist Bamberger Angeklagter Mitglied einer Einbrecherbande?

Ein 40-jähriger Ungar steht wegen schweren Bandendiebstahls in Bamberg vor Gericht. Neun Mitglieder seiner Gruppe sind schon 2013 verurteilt.
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Der Angeklagte L. sitzt zwischen seinem Nürnberger Verteidiger Thomas Dohnany und der Dolmetscherin im Gerichtssaal. Foto: Jutta Behr-Groh
Der Angeklagte L. sitzt zwischen seinem Nürnberger Verteidiger Thomas Dohnany und der Dolmetscherin im Gerichtssaal. Foto: Jutta Behr-Groh
Er soll Mitglied jener ungarischen Bande gewesen sein, die 2012 zwei Mal in das Lager eines Bamberger Reifenhandels eingebrochen ist und reiche Beute gemacht hat. Der 40-jährige L. fehlte aber, als sich neun seiner Landsleute 2013 in Bamberg vor Gericht verantworten mussten. Alle wurden wegen schweren Bandendieb-stahls verurteilt. Es gab Freiheitsstrafen zwischen sieben und drei Jahren.

Spät steht nun auch L. in Bamberg vor Gericht. Seit Donnerstag wird gegen ihn verhandelt - im selben Sitzungssaal und ebenfalls vor der Zweiten Strafkammer. Auch der Tatvorwurf ist derselbe: schwerer Bandendiebstahl in mehreren Fällen.


Mit Haftbefehl gesucht

L., ein gelernter Maler und dreifacher Vater, war 2013 flüchtig. Mit Hilfe eines europäischen Haftbefehls erreichte die Staatsanwaltschaft im Sommer 2016 seine Auslieferung aus England, wo der Mann und seine Familie schon lange leben.

Sein Name sei in dem Verfahren gegen neun Landsleute "durchaus häufig gefallen", merkte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt an. Zumindest als Fahrer soll der 40-Jährige wiederholt dabei gewesen sein, wenn Mitglieder der ungarischen Band nachts in Bayern auf Beutezug gingen. Sie hatten es vor allem auf Buntmetall und Kupferkabel abgesehen, nahmen aber auch Werkzeuge und Autoreifen mit und zapften immer wieder große Mengen Diesel ab.


Zwei Mal in Bamberger Firma

In den sieben Fällen, bei denen L. dabei gewesen sein soll, entstand laut Anklage ein Entwendungs- und Sachschaden von rund 280 000 Euro. Die Täter drangen jeweils mit Gewalt ein, brachen Tore und Container auf.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war der Angeklagte auch jeweils dabei, als die Bande die Reifenfirma in der Bamberger Hafenstraße heimsuchte. In der Nacht auf den 29. März 2012 wurden dort ein Lager aufgebrochen und eine nicht näher bezifferte Zahl vormontierter Kundenräder, Pkw- und Lkw-Reifen, ein Kaffeeautomat, ein Laptop, ein Standtresor mit den Tageseinnahmen und die Trinkgeldkasse gestohlen. Der Wert der Beute summiert sich laut Anklageschrift allein in diesem Fall auf 39 850 Euro. Hinzu kommen fast 11 000 Euro Sachschaden.

Noch größere Beute machte die Bande, als sie am 1. Juli 2012 zwischen 1.30 und 2.30 Uhr erneut bei der Firma an der Hafenstraße eindrang. Diesmal nahmen sie 368 Reifen und zwei Druckluftschrauber mit sowie einen Kleinlastwagen, den sie vorher mit Diesel aus einem geparkten Lkw gefüllt hatten. Zum Entwendungsschaden von 41 482 Euro kommen 2771 Euro Sachschaden hinzu.


Seit 2009 in England zuhause

Am ersten Prozesstag ging es noch nicht um die Sache selbst. Die Zweite Strafkammer machte sich zum Auftakt zunächst ein Bild vom Angeklagten. Dieser beantwortete mit Hilfe einer Dolmetscherin die an ihn gerichteten Fragen zu seinem bisherigen Werdegang sowie zu seinen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen.

Demnach hat er den Malerberuf von der Pike auf erlernt und seinen Abschluss darin gemacht. Sein Heimatland Ungarn verließ L. im Herbst 2009. Er zog mit seiner Lebensgefährtin, der Mutter der gemeinsamen Kinder im Alter von 22, 19 und 13 Jahren, nach England, wo man sich ein besseres Leben für die Familie erhoffte. L. berichtete von Tätigkeiten in Fabriken und der Gastronomie. Vor seiner Festnahme hätten er und ein Kollege selbstständig Malerarbeiten angeboten. Er habe immer mehr als 1200 Pfund verdient und staatliche Mittel bezogen.

Wie genau der 40-Jährige ins Visier der britischen Polizei geraten war, so dass er Mitte 2016 aufgrund eines mehrere Jahre alten Haftbefehls festgenommen worden ist, blieb am ersten Verhandlungstag im Dunkeln. Irgendetwas ist wohl vorgefallen, wie L. andeutete.

Er berichtete auch, dass seine Lebensgefährtin zur Zeit eine Strafe verbüße: Sie sei wegen Ladendiebstahls rechtskräftig verurteilt. An die Richter gewandt sagte der Angeklagte fast flehentlich: "Meine Familie braucht mich sehr!"

Für den Prozess hat die Zweite Strafkammer fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Verfahren könnte schneller zu Ende sein, falls L. geständig ist, wie es seine Landsleute im November 2013 waren. Alle neun Ungarn im Alter von 26 bis 45 Jahren hatten im Lauf ihrer Hauptverhandlung Geständnisse abgelegt, nicht zuletzt unter der Beweislast von DNA-Spuren an den Tatorten und sichergestelltem Diebesgut.

Alle damals Verurteilten sind inzwischen nach Schmidts Angaben wieder in Ungarn: Teils hätten sie ihre Strafen verbüßt, teils befänden sie sich dort noch im Vollzug.