Bamberg
Auftritt

Isabelle Faust fasziniert in Bamberg mit Schumanns Violinkonzert

Die Geigerin Isabelle Faust gehört zu den stillen Stars der internationalen Solisten-Szene. Mit Robert Schumanns Violinkonzert beeindruckte sie das Publikum in der Bamberger Konzerthalle.
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Für ihren Auftritt mit den Bamberger Symphonikern erntete die Geigerin sabelle Faust begeisterten Applaus in der Bamberger Konzerthalle.Foto: Jochen Berger
Für ihren Auftritt mit den Bamberger Symphonikern erntete die Geigerin sabelle Faust begeisterten Applaus in der Bamberger Konzerthalle.Foto: Jochen Berger
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Ruhm ist ein launischer Wegbegleiter künstlerischer Karrieren. Manchmal lässt er sich allzu lange bitten und manchmal verabschiedet er sich unerwartet rasch wieder. Unter den Komponisten seiner Generation ist Jörg Widmann, geboren 1973, gewiss ein sehr erfolgreicher Mann.
Die Bamberger Symphoniker haben ihn in dieser Saison zum "Composer in Residence" gekürt. Seine Werke werden nicht nur verlegt, sondern auch häufig aufgeführt. Sein Orchesterwerk "Armonica", im Januar 2007 durch die Wiener Philharmoniker uraufgeführt, steht in diesen Wochen in 14 Aufführungen auf dem Konzertprogrammen - auch bei den Bamberger Symphonikern. Wie aber wird das in 100 Jahren sein?


Lyrische Feinheiten

Widmanns "Armonica" erweist sich als raffinierter Versuch, mit Hilfe eines großen Orchesters gleichsam ins das Innere einer riesigen Ziehharmoniker hineinzuhören. Widmann komponierte eine Abfolge von Spannungskurven, die Gastdirigent John Storgårds am Pult der Symphoniker mit großer Intensität und feinem Gespür für Abstufungen nachzeichnet. Mit Verfremdungen und ungewohnten Kombinationen mischt er immer wieder verblüffend neue Klangfarben. Das Resultat: beachtlich ausdauernder Beifall für diese Bamberger Erstaufführung.


Ruhm ist ein launischer Begleiter. Das gilt auch für Robert Schumanns einziges Violinkonzert, das 1853 entstand, aber erst mehr als acht Jahrzehnte später uraufgeführt wurde. Bis heute steht das Werk im Schatten der anerkannten Meisterwerke des romantischen Repertoires. Wer Isabelle Fausts Interpretation dieses Konzertes in Bamberg erlebt, könnte ins Grübeln gekommen sein. Denn der Geigerin gelingt es, in allen drei Sätzen einen durchgehenden Spannungsbogen hörbar zu machen.


Mit seinem sensiblen Dirigat gibt Storgårds der Solistin die Gelegenheit, die lyrischen Feinheiten der Partitur zum Singen zu bringen. Für den begeisterten Applaus bedankt sie sich mit einer wunderbaren kleinen Zugabe - György Kurtágs "Doloroso" (im Original für Solo-Flöte geschrieben).


Im Falle von Beethoven scheint Ruhm tatsächlich einmal ein verlässlicher Begleiter zu sein - auch wenn sich die ungebrochene Popularität bisweilen dann doch etwas ungleichmäßig verteilt. Warum zum Beispiel steht Beethovens "Vierte" im Schatten ihrer Schwestern namens "Eroica" und "Pastorale", von der unverwüstlichen "Fünften" ganz zu schweigen?


Heftiger Beifall

Storgårds jedenfalls lotet den Kontrastreichtum der "Vierten" zwischen lyrischer Intensität und wirbelndem Elan mit großem Nachdruck aus und beflügelt die Symphoniker zu mitreißendem Musizieren. Heftiger Beifall.
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