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Bamberg
Interview

Interview mit Bamberger Duo"Brand Old" über Momente mit Seele

"Green Dog Serenade" heißt das gerade erschienene Live-Album, das Brand Old an einem Sandkerwa-Abend einspielten. Über Geschichte und Geschichten des Bamberger Duos sprachen wir mit Sänger Uwe Gaasch. Darüber hinaus gibt's hier Videos von Auftritten.
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Brand Old alias Uwe Gaasch (links) und Waldi Bauer.  Foto: Eckehard Kiesewetter
Brand Old alias Uwe Gaasch (links) und Waldi Bauer. Foto: Eckehard Kiesewetter
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Auf der einen Seite Waldi Bauer: Ein Chemieprofessor, der als Keyboarder den berühmten Funken zum Publikum überspringen lässt. Auf der anderen Seite Uwe Gaasch - der singende Architekturfotograf, der schon zur Stimme von Schweinsohr Selection wurde: Beide zusammen sind seit 1997 Brand Old und warfen gerade "Green Dog Serenade" als brandneue gemeinsame CD auf den Markt. Über Hintergründe, die gemeinsame Geschichte der beiden Herren, den skurrilsten Auftritt des Duos und Bühnenpannen sprachen wir mit Frontmann Gaasch.

"Green Dog Serenade": Was verbirgt sich hinter dem Titel?
Ein Auftritt bei der Sandkerwa, wo wir im vergangenen Jahr zum 14. Mal am Grünhundsbrunnen spielten. Alles lief - was ja keineswegs selbstverständlich ist - von A bis Z perfekt. Jeder Song funktionierte, die Stimmung war im gewissen Sinne magisch. Ein bunt gemixtes Publikum verfolgte unseren Auftritt, darunter übrigens auch amerikanische Offiziere, die mich an frühere Auftritte in amerikanischen Clubs erinnerten. So veröffentlichten wir nun Live-Aufnahmen eines außergewöhnlichen Abends mit 17 Titeln, darunter Coverversion von den Beatles, Bee Gees, Sting, Simon & Garfunkel, George Gershwin u. a.


Zu wenig Seele
Brand Old interpretieren Pop- und Rocksongs aus den 60er und 70er Jahren. Was stört Euch an der heutigen Musik?
Zum Teil vermisse ich die Seele: Wenn Musiker versiert singen und spielen, aber nicht mehr aus dem Bauch heraus - wie Bands früherer Jahrzehnte. Auch junge Künstler orientieren sich heute wieder retro. Auf solche Einflüsse setzen beispielsweise Mrs Greenbird: Ein geniales Folk-Duo, aus dessen Repertoire wir ebenfalls einen Song spielen. Von vielen jungen Musikern kann man lernen: Sie haben diese erfrischende Spontanität, an Dinge heranzugehen und zu experimentieren. Mit zunehmendem Alter überlegt man sich alles genau.


Auf dem Misthaufen gespielt
Seit 1997 ziehen Brand Old durch fränkische In- und Outdoor-Locations. Was war der wohl ungewöhnlichste Auftrittsort?
Ein Misthaufen: Ein Biobauer hatte uns gleich im ersten Jahr zu einer Hochzeitsfeier auf seinem Hof engagiert. Und die Bühne baute er nun mal über seinen Misthaufen. Den besonderen Geruch kriegst du nicht mehr aus der Nase. Davon mal abgesehen war das ein toller Auftritt mit einem super Publikum, an das wir uns noch gerne zurückerinnern.

Apropos Publikum: Welche Zielgruppe erreichen Brand Old mit Musik aus der Flower-Power-Ära?
Junge Leute, die die 60er und 70er Jahre nicht miterlebten, sich aber für die damalige Musik interessieren. Und ältere Zuhörer, die mit den Covertiteln Erinnerungen verbinden. Eine fast 90-jährige Konzertbesucherin zeigte sich mal so gerührt, dass sie uns nach dem Auftritt ansprach. Wir hatten mit voller Inbrunst "Yesterday" interpretiert. Auch Paare, die sich bei einem unserer Gigs kennengelernt hatten, kamen bereits auf uns zu.


Text vergessen
Gab's vor Publikum schon peinliche Bühnenpannen?
Klar, wenn mir der Text wegblieb. Was noch nie passiert ist, wenn ich mein Textheft dabei hatte. Glücklicherweise bin ich gut im Improvisieren. Nur Waldi wundert sich, wie wenig Songs dann noch mit dem Original gemein haben. Auch bei Auftritten in amerikanischen Clubs hatte ich solche Hänger schon. Das Publikum schien nichts zu merken, obwohl ich mit meinem improvisierten Englisch doch sicher schreiend komisch war.

Reverb hieß die Band, mit der Waldi Bauer 1968 die Bühne betrat. Ab wann standen Sie im Rampenlicht?
Ebenfalls ab 1968 - mit Eggy & the Ramblers: Einer Bamberger Bluesband, bei der der heutige CSU-Stadtrat Helmut Müller am Schlagzeug saß. Mit seinen Brüdern Hilmar und Eggy hatte er die Gruppe gegründet. Als ein Saxophonspieler ausstieg, wollte ich mit der Mundharmonika einsteigen. Der Rest der Band wollte mich aber nur mit dem Saxophon, das ich von meinem Vorgänger übernehmen sollte. Also begann ich zu spielen - erst ganz für mich allein. Da saß ich am Weiher von Schloss Seehof und trötete, was zumindest einige Erpel anzog. Später spielte ich tatsächlich vor Publikum, verlegte mich dann aber bei Schweinsohr Selection wieder auf die Mundharmonika, Gesang und nun bei Brand Old auch auf Percussion.

Ein Scheßlitzer Hippie
Was brachte Euch eigentlich dazu, Brand Old neben Schweinsohr Selection als gemeinsamer Band zu gründen?
Soul, Funk und Jazz spielen wir bei den Schweinsohren. Brand Old bereiten wunderschöne Titel aus dem Rock- und Popbereich auf. Wobei von Waldi der Name Brand Old in Abwandlung zu brandneu kam. Wir interpretieren ja Musik aus vergangenen Jahrzehnten. Sein Schwerpunkt waren dabei schon immer die Beatles, meiner die Stones. Als Stones- und Hendrix-Fan war ich in den 70er Jahren auch in Scheßlitz als vereinzelter Hippie mit extrem langen Haaren, Händen voller Ringe und einem indischen Sari unterwegs.

Weitere Infos zur CD und zur Band gibt's unter der Homepage von Brand Old.


Die nächsten Auftrittstermine

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