Bamberg
Schliessung

Insolvenz: Bei Metalluk gehen die Lichter aus

72 Mitarbeiter erhalten bis Jahresende ihre Kündigung. Über die Zukunft des Firmengrundstücks wird wild spekuliert.
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Interessante Lage: Das rund 15 000 Quadratmeter große Grundstück der insolventen Firma Metalluk (hinten) direkt am Berliner Ring könnte bei den Planungen für den Neubau des BMW-Autohauses Sperber vielleicht bald eine Rolle spielen. Foto: Ronald Rinklef
Interessante Lage: Das rund 15 000 Quadratmeter große Grundstück der insolventen Firma Metalluk (hinten) direkt am Berliner Ring könnte bei den Planungen für den Neubau des BMW-Autohauses Sperber vielleicht bald eine Rolle spielen. Foto: Ronald Rinklef
Für die insolvente Firma Metalluk Bauscher GmbH & Co. KG an der Ohmstraße sind die Tage gezählt. Man habe bereits mit der sogenannten Ausproduktion begonnen, hieß es von Seiten des Insolvenzverwalters Volker Böhm in Nürnberg. Mit diesem Fachbegriff meint Böhm nichts anderes als eine Art gestreckte Liquidation. Die vorhandenen Aufträge werden noch abgearbeitet und alle Kunden auftragsgemäß beliefert. Dann ist Schluss.


Zum Jahresende Schluss

"Die Arbeiten sollen nach bisherigen Planungen bis Jahresende abgeschlossen sein", sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters auf Nachfrage. Anschließend werde das Vermögen des Unternehmens verwertet und die Firma abgewickelt.
Von der Schließung betroffen sind 72 Mitarbeiter, davon 15 Heimarbeiter. Sie erhalten in den nächsten Wochen ihre Kündigungen.


1924 gegründet

Das Unternehmen hatte im Oktober vergangenen Jahres einen Antrag auf Insolvenz stellen müssen - 91 Jahre nach seiner Gründung. 1924 hatte Metalluk an der Georgenstraße die Produktion aufgenommen. Nachdem die Firmengebäude 1945 einem Brand zum Opfer gefallen waren, wurden sie zunächst an gleicher Stelle wieder aufgebaut. Der Umzug auf das heutige Gelände an der Ohmstraße erfolgte schließlich 1975 - aus Platzmangel. Damals war die Familie Bauscher schon ins Unternehmen eingestiegen. Karl-Anton Bauscher hatte die Firma 1964 übernommen und seinen Namen bei der Firmierung angehängt.


Teile in Herden und Waschmaschinen

Während Metalluk anfangs hauptsächlich Anlauf- und Sicherheitskupplungen zum Antrieb großer Fließbänder herstellte, lag der Schwerpunkt seit den 1980er Jahren vor allem auf Elektroteilen für die Lampen- und Haushaltsindustrie: zum Beispiel Fassungen, Anschlussleisten oder Klemmen, die später in Elektroherden oder Waschmaschinen eingebaut wurden. Bosch-Siemens-Hausgeräte (heute BSH Hausgeräte) war ein großer Kunde.
Es sei "leider nicht gelungen, einen Investor zu finden", heißt es offiziell von Seiten des Insolvenzverwalters. "Die Interessenten schreckten vor allem vor notwendigen, hohen Investitionen in den Maschinenpark zurück. Diese Investitionen wären aber unumgänglich, um wieder wettbewerbsfähig produzieren zu können", so die Information.


Interesse von Investoren war da

Dass es nun nicht mehr weitergeht, davon erfuhren die Metalluk-Mitarbeiter vergangene Woche in einer Versammlung. Dabei kam allerdings noch etwas anderes zur Sprache. Wie aus Kreisen der Belegschaft zu erfahren war, berichtete ein Mitarbeiter des Insolvenzverwalters, dass tatsächlich ein Investor da gewesen wäre. Die Verhandlungen seien aber an der Miete der Gebäude gescheitert.


Verhandlungen scheitern an Miete

Hier rückt die Eigentümerfamilie Bauscher wieder in den Blickpunkt. Zuletzt hatte der Sohn von Karl-Anton Bauscher, Ulf Bauscher, die Geschäfte von Metalluk geführt. Firmengelände und -gebäude hatte das Unternehmen dem Vernehmen nach dabei gemietet - vom Senior und ehemaligen Chef Karl-Anton Bauscher. Weil die Geschäfte der Firma seit der Finanzkrise und der damit verbundenen Kurzarbeit im Jahr 2009 nicht mehr so rund gelaufen seien, habe es zuletzt eine Art Sondermietvertrag gegeben - zu günstigeren Konditionen.
Zu diesen Konditionen habe Eigentümer Karl-Anton Bauscher aber jetzt nicht mehr vermieten wollen, sondern zu den ursprünglichen, basierend auf dem alten Mietvertrag. Diese seien dem Investor zu hoch gewesen, weshalb letztlich die Sanierung des Unternehmens gescheitert sei, berichten Teilnehmer der Mitarbeiterversammlung von vergangener Woche.


Grundstück für Autohaus-Neubau?

In diesem Zusammenhang wird nun wild spekuliert, inwieweit der Familie Bauscher die anstehende Liquidation ganz recht kommt. Schließlich liegt das Firmengrundstück am Berliner Ring gleich neben der Freifläche, auf der der Neubau des Autohauses Sperber geplant ist. Ein Projekt, das zuletzt gerade wegen der vorgesehenen Grundstücksflächen für Diskussionen sorgte.


"Ganz große Enttäuschung"

Will Eigentümer Bauscher die Gunst der Stunde nutzen und sein Grundstück verkaufen? Gab es vielleicht schon Gespräche mit der Stadt? Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar will dies nicht kommentieren. Es sei allerdings "naheliegend, dass das Autohaus Sperber möglicherweise Interesse an dieser Fläche haben könnte, auch um sich zu erweitern".
Für die Metalluk-Mitarbeiter hat diese Konstellation einen faden Beigeschmack. All dies sei "eine ganz große Enttäuschung", sagt einer.
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