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Bamberg
Erster Todesfall

Influenza: In der Region Bamberg tobt die Grippe heftig

Im Vergleich zur Vorwoche haben sich die Influenzafälle in Bayern verdoppelt. Aus der Region Bamberg wird ein Todesfall gemeldet.
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Symbolbild: dpa
Symbolbild: dpa
Vor einer Woche sprach das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen noch von einer für die Jahreszeit typischen Rate von Grippeerkrankungen. Mittlerweile hat sich die Zahl der Influenzafälle bayernweit von 782 auf 1498 fast verdoppelt (Stand: 6. Februar). Die "Dunkelziffer" liegt vermutlich höher, was dem Meldesystem geschuldet ist. Besonders hart trifft es die Region Bamberg, in der mindestens ein Patient an Grippe gestorben ist.

"Im oberfränkischen Vergleich ist Bamberg mit aktuell 300 Fällen Spitzenreiter", sagt Winfried Strauch, Leiter des Bamberger Gesundheitsamtes. In Bayreuth gab es - Stand gestern - 30 Grippefälle, in Erlangen 82. In Forchheim wurden allein am Wochenende 21 Influenzaerkrankungen gemeldet.

Auch im gesamtfränkischen Vergleich hat Oberfranken mit 102 Fällen die meisten; 42 gab es in Mittelfranken, 19 in Unterfranken. Das sind zumindest die Zahlen, die das LGL am vergangenen Freitag auf seiner Internetseite veröffentlicht hat - und die der Bamberger Mediziner Strauch weit höher einschätzt. Worin liegt seine Vermutung für eine "Dunkelziffer" begründet? Das LGL erstellt seine Statistik anhand der Daten, die es von den Gesundheitsämtern gemeldet bekommt. Diese wiederum registrieren die Meldungen von Ärzten, Laboren und Kliniken. Meldepflichtig ist jedoch nicht die Influenza, sondern der labordiagnostische Nachweis des Erregers. Diesen erbringen in Bayern neben vielen freien Laboren auch 70 so genannte Sentinel-Praxen: Sie nehmen bei ihren Patienten Rachenabstriche und schicken die Ergebnisse an das LGL.


Nur zwei Abstriche pro Woche

"Wenn wir bei jedem Patienten mit typischer Symptomatik einen Abstrich machen dürften, sähen die Zahlen ganz anders aus", sagt Wolfgang Preis, Kinderarzt aus Bischberg (Kreis Bamberg). Ihm sind die zwei Abstriche pro Woche, die er in seiner Sentinel-Praxis machen darf, zu wenig. "Die tatsächlichen Fallzahlen in der Praxis interessieren offensichtlich niemanden. Wie groß ist die Dunkelziffer, wenn nur zwei von 50 bis 100 Influenzapatienten pro Woche gemeldet werden?" Das System stößt auch bei Strauch auf Kritik: "Oft wird ein Abstrich gemacht und Grippe festgestellt. Dann erkranken die anderen Familienmitglieder ebenfalls, ohne dass noch einmal Abstriche genommen werden."

So lässt sich erklären, dass die Zahl der Influenzafälle höher liegen dürfte als statistisch erfasst. "Die Sentinel-Praxen in Bayern sind nur ein Blitzlicht", sagt Claudia Schuller, Sprecherin des LGL. "Ihre Daten sind ein Frühwarnsystem. Den anderen Bereich machen die Meldungen der Gesundheitsämter aus." Und hier liegt ein kleiner Haken: "Es trudeln immer wieder Nachmeldungen ein." Während die Gesundheitsämter vor Ort unmittelbar über Grippefälle informiert werden, könne diese das Landesamt nur wochenweise und zeitverzögert erfassen. "Aber alle Meldungen wird man nie haben", sagt Schuller.

Für die Epidemiologen am LGL seien der Vergleich mit den Daten der vergangenen Jahre und die Verlaufskurve ausschlaggebend. In der aktuellen Saison erkennt man Schuller zufolge einen kontinuierlichen Anstieg der Grippefälle von anfänglich unter 100 auf 1498 in der fünften Meldewoche. Damit liegen die Zahlen über denen des vergangenen Jahres, jedoch deutlich unter denen der Grippewellen 2010/11 und 2012/13.

Dass heuer mehr Menschen als sonst aufgrund eines "Gen-drifts" trotz Impfung krank werden, wie vom LGL kommuniziert, lässt Strauch nicht gelten, weil die Diskussion darüber noch nicht abgeschlossen ist. "Dieses Phänomen gab es schon immer, weshalb der Impfstoff auch jährlich modifiziert wird." Strauch plädiert für die Impfung "als beste Vorsorge, vor allem für Risikopatienten".

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