Uttenreuth

InFranken-trifft: von der Uttenreuther Schmankerl-Metzgerei und der Sekte der Träumer

Konserven und Cuvée: In einer Uttenreuther Schmankerl-Metzgerei gibt's weit mehr als Fleisch - aber keine Spur von der legendären Träumersekte.
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Metzgermeister Norbert Strauß - Fotos: Natalie Schalk
Metzgermeister Norbert Strauß - Fotos: Natalie Schalk
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Haaaalt! Der Lkw kommt viel zu schnell näher, bleibt etwa 50 Zentimeter hinter meinem Auto stehen. Er parkt wie ich auf dem Gehsteig. Was will der Brummi im Wohngebiet im mittelfränkischen Uttenreuth? Der Fahrer springt heraus, stapft zielsicher in ein orangefarbenes Gebäude: Metzgerei Lang steht überm Eingang. Oha. Da will ich auch hin.


Volltreffer: ein Termin nach meinem Geschmack

Als der Pfeil beim inF ra nken-trifft-Spicken auf der Landkarte in Uttenreuth einschlug, war ich vor allem froh, in einer Ortschaft gelandet zu sein. Diesmal würde ich nicht in der Mittagssonne an der Autobahn entlang latschen oder mich durchs Gebüsch schlagen. Dieser Pfeil war ein Volltreffer! Uttenreuth im Landkreis Erlangen-Höchstadt hat gut 5000 Einwohner und eine spannende Geschichte. Hier ist der Ursprung einer christlichen Sekte.
Im Internet steht, dass die "Uttenreuther Träumer" apokalyptisch denkende Gläubige waren, die besonders wegen ihrer "geistlichen Ehen" Aufsehen erregt hatten. Und Ärger ... allerdings ist das schon 500 Jahre her. Mal schauen, was von den "Träumern " geblieben ist. Außerdem bin ich gespannt, was eine "Schmankerl-Metzgerei" ist, denn genau da ist der wunderbare Pfeil gelandet.
Der Lkw-Fahrer kehrt mit einer großen Tüte zurück, als ich aus meinem Auto steige. Wie wohl die Inhaber der Metzgerei auf den überraschenden Pressebesuch reagieren? "Puh", sagt Marion Lang-Strauß, als ich mich vorstelle. Sie hat noch eine Party-Platte fertig zu machen, außerdem Bauarbeiten im Haus. Und ein neuer Internetanschluss kommt auch gerade. Erst mal keine Zeit für mich, aber ich darf mich umschauen.


Liebe zum singenden Fleischer

Ich plaudere hinten in den weiß gekachelten Produktionsräumen mit Fleischer-Azubi Pascal Kramer, 18, der gerade Fleischstücke für Schinkenwurst durch den Cutter presst. Von den Uttenreuther Träumern hat er noch nie gehört. Auch Chefin Marion, die später dazu kommt, weiß nichts von der Sekte. Sie ist in Uttenreuth aufgewachsen. "Ob in der Metzgerei, in der Yoga-Gruppe oder unter den Kindergartenkindern: Jeder kennt hier jeden." Außer einem Vierteljahr Fleischerschule hat die 49-Jährige ihren Heimatort nie länger verlassen.
Die Metzgerei wurde 1929 von ihrem Großvater gegründet. Ihren Mann Norbert hat sie vor über 30 Jahren kennengelernt: im Fleischergesangsverein Erlangen. Stolz berichten die beiden, dass Sohn Ludwig gerade als 19-Jähriger seinen Meister gemacht hat. Tochter Charlotte, 21, studiert Ernährungsmanagament.
Die Metzgerei ist ein Familienbetrieb, der sich der Zeit anpasst. 15 Mitarbeiter sind heute hier beschäftigt. Seit dem großen Umbau 1990 schlachten die Langs nicht mehr selbst, sondern beziehen ihr Fleisch vom Fürther Schlachthof. Sie haben sich auf Feinkost spezialisiert: Es gibt Konserven, Cuvée und Nudeln, Eier aus der Region, Zeegendorfer Holzofenbrot und an die 100 Käsesorten, die zum Teil aus Italien und Frankreich bezogen werden. Aha. Deshalb also Schmankerl-Metzgerei. Deshalb - aber vor allem auch wegen der eigenen Spezialitäten.


Schlemmen mit Auszeichnung

Die Chefin holt eine Sonder-Ausgabe des Magazins "Der Feinschmecker": Die Metzgerei Lang wird darin als eine der besten Deutschlands präsentiert - wegen regionaler Spezialitäten wie fränkischer Bratwurst, aber auch einer italienischen Bratwurst-Variante mit Fenchel. Die Mischung aus Tradition und Moderne zieht Kunden aus Nürnberg und Erlangen und Dorfbewohner gleichermaßen an. "Herr Kern" - Marion Lang-Strauß bedient einen älteren Mann - "hat schon bei meinen Eltern eingekauft."
Ein alteingesessener Uttenreuther - ob er die "Träumer" kennt? Der Mann schüttelt den Kopf. Keiner weiß etwas darüber. Nicht in der Metzgerei und nicht im Ortskern nahe der 250 Jahre alten Matthäuskirche. Das Dorf ist hübsch; es gibt den Gasthof "Schwarzer Adler", der vor 500 Jahren gebaut wurde und es gibt interessante Details wie den Stuhl, der hoch oben auf einem Schlot steht. Das hat sich ein findiger Geschäftsmann als Werbung für seine Möbelfirma ausgedacht.
Die "Träumer" spielen in Uttenreuth heute keine Rolle mehr. Ahnungslos reagieren auch die Verkäuferinnen in der Bäckerei-Konditorei Böhm, die, wie sich später bei einem Stück Maracuja-Tarte zeigt, ebenfalls vom "Feinschmecker" empfohlen wird. Spuren der Träumersekte lassen sich vor Ort zwar schwer finden - aber man kann in Uttenreuth traumhaft essen.

Im zehnten Teil der Serie geht es am Donnerstag darum, was Irmtraud Fenn-Nebel in Zultenberg, Markt Kasendorf, entdeckt hat.

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